David P. Boder Interviews Fela Nichthauser; August 1, 1946; Fontenay-aux-Roses, France

var transcription = { interview: [ David Boder

[In English] This is Spool No. 15 taken at Boucicaut, France near Paris, August 1, 1946. The interviewee is a young girl, Fela Nichthauser. She is so accustomed that when her last name is called first, that when I asked her about her last name . . . about her first name, she said "Nichthauser," and as her last name she said "Fela." That comes from being constantly on roll call.

David Boder

[In German] Sagen Sie mir mal, Fela, was ist Ihr voller Name? Was ist Ihr Name?

Fela Nichthauser

Was heiÃt voller Name?

David Boder

Ihr Name, was ist Ihr Name?

Fela Nichthauser

Fela Nichthauser.

David Boder

Fela Nichthauser. Und wie alt sind Sie, Fela?

Fela Nichthauser

Drei und zwanzig (23) Jahre.

David Boder

Sie sind drei und zwanzig (23) Jahre alt. Und wo wohnen Sie jetzt?

Fela Nichthauser

Jetzt bin ich (unverstÃndlichâspricht so leise, dass man es nicht verstehen kann)

David Boder

Wo wohnen Sie hier?

Fela Nichthauser

Nicht im Chateau, ich wohne ein paar HÃuser weiter, aber . . .

David Boder

Sie wohnen nicht im Boucicaut?

Fela Nichthauser

Nicht im Boucicaut, auch in einem Heim von OSE.

David Boder

Auch in einem Heim von OSE. Sind dort noch andere MÃdchen?

Fela Nichthauser

Nein, da sind keine deportierten Menschen. Das ist ein Kinderheim und ich bin dort nur ausnahmsweise, weil ich in Chateau Boucicaut meinen Bruder habe . . .

David Boder

Oh!

Fela Nichthauser

. . . und damit wir zusammen sind, haben sie das gemacht, obwohl ich dort nicht arbeite. Ich gehe in eine Schule in Paris.

David Boder

Sie besuchen eine Schule in Paris. Was fÃr eine Schule ist das?

Fela Nichthauser

Zahntechniker Schuleâauch von OSE.

David Boder

Und Sie lernen Zahntechniker? Hat die OSE ihre eigene Zahntechniker Schule?

Fela Nichthauser

Ja - jawohl, OSE hat seine eigene Schule hier.

David Boder

Und wie viele Leute studieren dort?

Fela Nichthauser

Gegen siebzig (70), siebzig (70) oder fÃnf und siebzig (75) SchÃler.

David Boder

Ja. Und sie denken, dass Zahntechniker ist ein gutes Fach fÃr ein MÃdchen?

Fela Nichthauser

Ich weià das nicht genau. Aber ich bin ganz alleine im Leben und ich muss . . . da, ganz alleine alles entscheiden und hoffe ich, wenn nicht das, dann Anderes vielleicht, ich weià es selbst nicht.

David Boder

Ist Ihr Bruder jetzt hier?

Fela Nichthauser

Nein, mein Bruder ist jetzt auf âvakantâ geschickt . . . ans Meer.

David Boder

Und wer sind die anderen Kinder, die dort im OSE leben?

Fela Nichthauser

Das sind auch . . . die meisten sind Buchenwald Kinder.

David Boder

Auch Buchenwald Kinder?

Fela Nichthauser

Ja, und es sind auch ein paar franzÃsische Kinder, die nicht deportiert waren.

David Boder

Und wie viel MÃdchen sind hier?

Fela Nichthauser

Elf MÃdel.

David Boder

Elf MÃdel.

Fela Nichthauser

Elf MÃdel und eine ist noch deportiert und das Ãbrige sind, die Familie haben hier oder keine Eltern.

David Boder

Nun sagen Sie Mal, Fela, Sie sind jetzt drei und zwanzig (23) Jahre alt, wo sind Sie geboren?

Fela Nichthauser

Ich bin geboren in Polen . . . in der Stadt Wadowice.

David Boder

In Wadowice. Nun erzÃhlen Sie, was hat dort passiert, wenn die Deutsche rÃber kamen?

Fela Nichthauser

Im Jahre neun und dreiÃig (39), wenn der Krieg ausgebrochen ist, sind alle Leute . . . sind wir, sowie alle Leute, geflÃchtet. Wir hatten eigene, hm, Pferde zu Hause und eigenen Wagen und unsere ganze Familie . . . also nicht die ganze Familie, der Papa, die Mutti, zwei BrÃder und ich, sind wir geflÃchtet worden, sehr weitâhinter Sandomierz.

David Boder

Hm, was war Ihr Vater's GeschÃft?

Fela Nichthauser

GeflÃgel HÃndler.

David Boder

Er war ein . . .

Fela Nichthauser

GeflÃgel HÃndler und Fisch HÃndler.

David Boder

In der Stadt?

Fela Nichthauser

In der Stadt, ja. Er hat eine ganz groÃe Halle gehabt.

David Boder

Ja. War das en gros? Hat er das zu andere GeschÃfte verkauft?

Fela Nichthauser

Ja.

David Boder

Ja. Und wozu hatten Sie die Pferde und Wagen.

Fela Nichthauser

Weil, ausserdem hat mein Vater Kohle . . . ein, hm, . . .

David Boder

Sagen Sie es polisch.

Fela Nichthauser

(spricht polnisch) Wie heisst das?

David Boder

Skrado . . . was?

Fela Nichthauser

Wo man Kohle verkauft.

David Boder

Kohle, ja. Er hat ein Kohlenlager gehabt

Fela Nichthauser

Kohlenlager hat er gehabt.

David Boder

Sie hatten ihre eigenen Wagen und Pferde.

Fela Nichthauser

Wagen und Pferde, ja, damit wir kÃnnen die Kohle von andere StÃdte . . .

David Boder

Herbringen.

Fela Nichthauser

. . . herbringen und dann verkaufen.

David Boder

. . . und dann verkaufen. Und so haben Sie Wagen und Pferde genommen und sind weg gefahren. Wer sind Sie alle weg gefahren? Ihr Vater, ihre Mutter, wer noch?

Fela Nichthauser

Zwei BrÃder, zwei jÃngere BrÃder und ich.

David Boder

Sind Sie die Ãlteste in der Familie?

Fela Nichthauser

Nein, ich habe noch eine verheiratete Schwester gehabt, die noch vor dem Krieg an der russischen Grenze gewohnt hat, das heiÃt in Baranowicz. Und schon im Jahre neun und dreiÃig (39) haben wir keine Nachricht mehr von ihr gehabt. Man weià bis jetzt nicht, was ist geschehen.

David Boder

Ist Baranowicz nicht weit von Slonim?

Fela Nichthauser

Ich glaube ja.

David Boder

Sie glauben. Nun, ja, also Einer von diesen zwei BrÃdern ist jetzt mit Ihnen hier?

Fela Nichthauser

Ja mit mir hier. Und der Andere war auch mit dem Kleinen zusammen in Buchenwald. Und das Schicksal wollte, dass ein paar Tage vor der Befreiungâdrei (3) oder vier (4) Tage vor der Befreiung, bevor die EnglÃnder gekommen sind . . . die Amerikaner gekommen sind, dass man hat weg geschickt auf einen Transport, weil er sich noch bewegen konnte als Gesunde . . . und auf dem Wege hat man den ganzen Transport erschossen.

David Boder

Man hat den ganzen Transport erschossen?

Fela Nichthauser

Ja.

David Boder

So hier ist der Ãltere Bruder?

Fela Nichthauser

Nein, der JÃngste.

David Boder

Der JÃngste.

Fela Nichthauser

Der JÃngste von der ganzen Familie.

David Boder

Und wieso hat man ihn nicht mitgenommen?

Fela Nichthauser

Weil er war schwer krank interniert.

David Boder

Er war schwer krank interniert in Buchenwald, ja.

Fela Nichthauser

Er hat Ãberhaupt nicht gewusst, dass man seinen Bruder genommen hat.

David Boder

Nun also, so sind Sie mit ihren Eltern nach Radomir, sagen Sie?

Fela Nichthauser

Nein, nach Sandomierz geflÃchtet . . .

David Boder

Sandomierz . . .

Fela Nichthauser

. . . und wir wollten weiter, aber dann haben wir erfahren dass die Deutschen sind schon da und wir mussten zurÃck nach Hause fahren. Und da hat man . . . da hat man uns alles gestohlen. Und wir hatten einen groÃen Garten zu Hause, das hat man alles zerstÃrt und so dass wir ohne Nichts geblieben sind. Wir waren damals fÃnf Personen, wir hatten keinen Groschen zum Leben und ich musste sehr, sehr schwer arbeiten mit meinem Vater, mit Mutti und meine BrÃdern nur fÃr ein paar Mark, damit wir die Wohnung bezahlen kÃnnen und damit wir auch Brot haben.

David Boder

Haben Sie nicht in ihrem eigenen Hause gelebt? Hatten Sie nicht ein Haus?

Fela Nichthauser

Ein Haus haben wir nicht gehabt. Wir haben nur . . . mein Vater hat nur gemietet von dem Haus, mein Vater was (unverstÃndlichâspricht zu leise) . . .

David Boder

. . . von dem Haus, ja. Also Sie sind dann zurÃck gekommen nach . . .

Fela Nichthauser

. . . nach Polen zurÃck in der selben Stadt . . .

David Boder

Welche Stadt war das?

Fela Nichthauser

Also nicht derselben, heiÃt AndrychÃw dann die Stadt.

David Boder

Sie sind zurÃck nach AndrychÃw gekommen?

Fela Nichthauser

Ja.

David Boder

Und was hat dann Ihr Vater getan?

Fela Nichthauser

Auf der Strasse gearbeitet mit der Schaufel, weil es die Deutschen verlangt.

David Boder

Die Deutschen haben es verlangt?

Fela Nichthauser

Ja, Alle MÃnner hat man auf die Strasse zur Arbeit genommen und jÃdische MÃdel hat man zum FuÃboden scheuern genommen oder Fenster auf dem vierten (4.) Stock zu putzen.

David Boder

FÃr wen?

Fela Nichthauser

FÃr die Deutschen, fÃr die Polizei, fÃr alle. Und ich war auch dabei, aber weil ich . . . weil ich gut gearbeitet hab und schwer gearbeitet hab, weil ich wollte . . . ich wollte damit zu, hm, gehen zu dem Leutnant und ihn bitten, ich soll nicht umsonst arbeiten und dann soll er mehr bezahlen. ,

David Boder

Ja.

Fela Nichthauser

Weil alle anderen Menschen haben nur umsonst gearbeitet.

David Boder

So . . . ?

Fela Nichthauser

. . . denn sie haben Essen bekommen drei Mal tÃglich und das hat nicht viel geholfen, weil ich hab damals fÃnfzehn bis achtzehn Mark verdient und das war bei denen sehr viel. Und mein Papa hat auch verdient . . . einige Juden auch, die gut gearbeitet haben.

David Boder

Ja, haben Sie nicht etwas Geld versteckt gehabt, etwas Sachen . . . ? (beide sprechen)

Fela Nichthauser

Nein, nein, so gut ist es uns eigentlich nicht gegangen, dass wir etwas zu verstecken hatten, weil wir waren eine ganz groÃe FamilieâfÃnf (5) Kinderâund fÃnf (5) unerwachsene Kinder, die noch kein Geld nicht verdienen konnten, so dass alles lag auf dem RÃcken von den Eltern.

David Boder

Ja, nun sagen Sie mal, Sie sagen, Sie haben Pferde gehabt und Wagen?

Fela Nichthauser

Ja, gut . . . (beide sprechen)

David Boder

Sind Sie mit diesem Pferdewagen zurÃck gekommen?

Fela Nichthauser

Ja, zurÃck gekommen mir einem Pferd; ein Pferd wird erschossen.

David Boder

Wer hat das Pferd erschossen?

Fela Nichthauser

Oh, ein, ein . . . ein StÃckchen von einer Granate.

David Boder

Oh, ein StÃckchen von einer Grate, wieso sind da Granaten gekommen?

Fela Nichthauser

Weil wir sind jetzt zurÃck gekommen mit dem polnischen MilitÃr. Wir haben . . . wir . . . (beide sprechen)

David Boder

Oh, ja.

Fela Nichthauser

. . . wir haben sie unterwegs getroffen, so dass viele, viele andere Wagen mit Zivilleuten sind eben zwischen das MilitÃr gekommen. Und das war eben das Schlimmste.

David Boder

Warum?

Fela Nichthauser

Weil man hat doch geschossen, man hat doch gewusst, dass dort das polnische MilitÃr geht. Die Deutschen haben das gewusst und haben stÃndig geschossen und wir haben gelebt andauernd in einer schrecklichen Angst. Wir konnten uns nicht rÃhren, um etwas zum Essen zu holen oder sonst was, weil es war gefÃhrlich.

David Boder

Nun und was passierte dann?

Fela Nichthauser

Dann war ich zwei Jahre zu Hause und im Jahre vierzig (40) kam der allererste Schlag, weil man hat mit dem ersten Transport meinen Bruder geschickt, der damals siebzehn (17) Jahre war und das war schrecklich. Mein Papa wollte nicht, dass er alleine ins Lager geht und hat er sich freiwillig gemeldet als sechs und fÃnfzig (56) jÃhriger Mann. Und es hat nichts geholfen, dass meine Mutti ihn gebeten hat und ich ihn gebeten habe, er soll nicht von uns weg fahren, es wird fÃr uns viel schwerer. Er hat gesagt, er lÃsst das Kind alleine nicht ins Lager zu den Deutschen. Er muss weg fahren. Und so hat man ihn angenommen, gerne die Deutschen haben es gemacht. Und so ist mein Papa im Jahre vierzig (40) mit meinem Bruder ins Lager weg gefahren. Dann . . .

David Boder

Ja?

Fela Nichthauser

. . . dann war es schon sehr schwer, denn ich musste arbeiten mit dem zwÃlf- (12) jÃhrigen Kind; er hat auch mit einer Schaufel auf der Strasse gearbeitet. Wir mussten Wohnung bezahlen und Essen kaufen und Lebensmittel kaufen und Pakete ins Lager schicken.

David Boder

Hat man erlaubt Pakete ins . . . ? (beide sprechen)

Fela Nichthauser

Ja, man durfte zwei (2) Kilo Pakete pro Mann schicken.

David Boder

Wie weit war das Lager von zu Hause?

Fela Nichthauser

Es war sehr weit. Der Papa war dann noch mit dem Bruder in verschiedenen Lagern. Das erste Lager war Wischau . . .

David Boder

Aha.

Fela Nichthauser

. . . das befindet sich in Deutschland. Ich weià nicht wo. Dann war er in Flessing, das ist bei Gleiwitz. Dann war er in Blechhammer bei Sakrow, das letzte Lager war Dachau.

David Boder

Das letzte Lager war Dachau?

Fela Nichthauser

Nach einem Jahr ist der Bruder zurÃck gekommenâbefreit, weil er hat einen schrecklichen Fuà gehabt. Er hat sich selber das gemacht und . . . so dass man ihn nach Hause frei gelassen hat.

David Boder

Die Deutschen?

Fela Nichthauser

Die Deutschen, ja.

David Boder

Ja.

Fela Nichthauser

Und der Papa ist geblieben.

David Boder

Aha.

Fela Nichthauser

Und seit dieser Zeit wissen wir nichts.

David Boder

Ja.

Fela Nichthauser

Dann, hm, dann blieb ich noch ein Jahr zu Hause; und im Jahr ein und vierzig (41) wurde die ganze Stadt ausgesiedelt. Das war zwei (2) Wochen nach der Befreiung von meinem Bruder, wo er vom Lager gekommen ist.

David Boder

Ja.

Fela Nichthauser

Meine Mutti hat gearbeitet in einer anderen Stadt, um zu . . . um Sonderkarte zu erhalten, dass sie arbeitet und man soll sie nicht weg schicken. Hat sie dort gearbeitet und wir drei (3) Kinder, meine BrÃder und ich haben wir in der Stadt gearbeitet auf der Strasse. Und an dem Tag, das war am dritten (3.) Juni im Jahr ein und vierzig (41) wurde die ganze Stadt gerufen auf einen ganz groÃen Platz.

David Boder

Nur die Juden?

Fela Nichthauser

Nur die Juden, natÃrlich, um uns auszusiedeln.

David Boder

Ja.

Fela Nichthauser

Und wir . . .

David Boder

Und was war wieder der Name von der Stadt?

Fela Nichthauser

AndrychÃw.

David Boder

AndrychÃw und in welchem Distrikt ist es?

Fela Nichthauser

Das war Kreis Bielitz . . .

David Boder

Bielitz?

Fela Nichthauser

Bielitz.

David Boder

Ja und nun?

Fela Nichthauser

Geboren bin ich in Wadowice, aber dann haben wir gewohnt . . .

David Boder

In Beletz.

Fela Nichthauser

Nein in AndrychÃw.

David Boder

In AndrychÃw.

Fela Nichthauser

Ja, das ist nicht weit.

David Boder

Also man hat die ganze Stadt zusammen gerufen. So wo war Ihre Mutter?

Fela Nichthauser

Mein Mutter war eben in der anderen Stadt.

David Boder

Ja. Wo war das?

Fela Nichthauser

Das war zwÃlf (12) Kilometer . . .

David Boder

Oh, das war zwÃlf (12) Kilometer weit weg.

Fela Nichthauser

Ja. Sie ist am Abend immer weggefahren, weil sie hat Nachtschicht gehabt und ging um sechs (6) zum Bahnhof und wir begleiteten sie noch, sie hat uns gekÃsst und hat uns noch einige Befehle gegeben, was wir bis morgen machen sollen und wir haben leider dabei nicht gewusst, dass wir die Mutti das letzte Mal gesehen haben.

David Boder

Aha.

Fela Nichthauser

Und dann am nÃchsten Tag um sechs (6) Uhr wir sind aufgestanden, um so wie gewÃhnlich zur Arbeit. Es war ein schÃner Tag, es hat Ãberhaupt nicht in der Luft gehangen . . . gehangenâwir haben Ãberhaupt nicht gedacht, dass es so etwas Schreckliches kommen kann. Und da kamen zwei (2) jÃdische Polizisten und zwei (2) SS MÃnner und die haben gesagt, wir sollen sofort auf den Sammelplatz gehen.

David Boder

Ja. Haben Sie denen gesagt, dass Ihre Mutter in der anderen Stadt . . . (beide sprechen)

Fela Nichthauser

Hab ich ihnen gesagt, weil ich bin noch so dumm gewesenâich hab nicht geglaubt, dass diese Detuschen so schlecht sein kÃnnen und mich auslachen werden, wenn ich ihnen sage, ich muss auf meine Mutti warten, weil sie um sechs (6) Uhr hierher kommt. Haben sie mir gesagt, ich soll mich nicht um die Mutti kÃmmern, die Mutti wird schon kommen. Und so mussten wir gehen auf den Sammelplatz und dort hat sich Schreckliches, hm, vorgespieltâSchreckliches, das werde ich nie vergessen.

David Boder

Was hat dort passiert?

Fela Nichthauser

Man hat dort genommen nicht nur die Gesunden, sondern ganz alte Menschen, die sich Ãberhaupt nicht bewegen konnten, die sehr krank waren. Ich selbst, ich persÃnlich, habe ich eine . . . habe ich gesehen, wie man siebzig (70) jÃhrige Frau, ganz geschwollen von der Krankheit hat man geschleppt auf dem Gras, weil man hat sich geekelt sie aufzuheben. Weil sie war ganz weich von dem Geschwollenen. Und da konnte ich nicht zuschauen und da hat man mir erlaubt, dass ich mithelfe die Frau aufzuheben und auf die Stiegen rauf in ein Bett geht in einem groÃen Saal.

David Boder

Ja nun?

Fela Nichthauser

Und man hat gesehen verschiedene Dinge, die ich wirklich nicht vergessen kann. Man hat dann die Leute geteilt, man stand . . .

David Boder

Also was ist Ihnen passiert, erzÃhlen Sie mir das, ja?

Fela Nichthauser

Also wir . . .

David Boder

Sie waren mit einem Bruder?

Fela Nichthauser

Mit zwei(2) BrÃdern.

David Boder

Mit zwei(2) BrÃdern.

Fela Nichthauser

Mit dem, der aus dem Lager gekommen ist

David Boder

Und wo ist er jetztâder aus dem Lager gekommen ist?

Fela Nichthauser

Er lebt nicht . . . er lebt nicht mehr, das ist der, den man vor der Befreiung auf Transport geschickt . . .

David Boder

Aha. Der war nachher in Buchenwald und . . .

Fela Nichthauser

. . . mit dem Kleinen.

David Boder

Also er ist zurÃck gekommen und dann ist er wieder in einem Lager . . .

Fela Nichthauser

Nein, aber das ist wie wir auf den Sammelplatz gekommen sind.

David Boder

Sie meinen Sie und Ihre zwei (2) BrÃder.

Fela Nichthauser

Ich und meine zwei (2) BrÃder.

David Boder

Nun?

Fela Nichthauser

Und da standen wir vor einer Kommission und sie haben uns Verschiedenes gefragt und wir haben die Arbeitskarten gezeigt und man hat gesehen, dass wir Drei (3) jung und gesund sind und man hat gesagt, man soll uns alle Drei ins Lager schicken. Und es war die Sache erledigt und ich werd schon nicht erzÃhlen vielleicht die ganzen Szenen.

David Boder

Ich will aber, dass mir alles erzÃhlen, erzÃhlen Sie mir was passiert . . .

Fela Nichthauser

Mein Onkel ist dort gestanden mit drei Kindern.

David Boder

Alles was Sie selbst gesehen haben, das erzÃhlen Sie, nicht wahr. Ja, Ihr Onkel ist gestanden dort . . .

Fela Nichthauser

Weil man hat alle Leute in Gruppen geteilt. Junge Menschen ins Lager, alte Menschen auf einen Transport, das heiÃt, nach Auschwitz und noch einige Menschen, die noch in der selben Stadt geblieben konnten . . . zu arbeiten. Also es waren drei Gruppen. Und man hat gesehen . . . und das Herz hat schrecklich weh getan, wenn man hat gesehen, diese Leute hatten von der Bewegung eines deutschen Mannes hat es abgehangen, das Schicksal von den Menschen. Er hat so gemacht mit der Hand oder so. Das hat geheiÃen, ob er ins Lager kommtâalso er konnte ja damals glÃcklich sein, wenn er ins Lager konnte. Und wenn nicht, dann auf die linke Seite und das heiÃt nach Auschwitz, von wo schon niemand zurÃck gekommen ist. Mein Onkel auch mit drei (3) Kinder stand auch auf der Seite, wo die Aussiedlung war. Und seine Frau ist mit meiner Mutti eben gearbeitet. Und da hat er schrecklich geweint und die Kinder haben sich ihm so . . . an den FÃÃen gehalten und sie haben alle schrecklich geweint und sie haben mich gesehen und er hat geschrien, ich soll seine Frau grÃÃen. Er hat nicht gewusst, dass ich ins Lager komme, er hat geglaubt, dass ich noch heute seine Frau sehen werde. Und da hat er mich gebeten, ich soll seine Frau grÃÃen, er wird zurÃck kommen und er wird schÃtzen die drei (3) Kinder und es wird den Kindern nichts passieren. Und ich habe eben gesehen sein sehr trauriges Gesicht und die kleinen Kinder und das kann ich nie vergessen. Da stand eben neben ihm ein Mann, den ich auch sehr gut gekannt habe. Es war ein Bekannter von unserer Stadt, der mit neun (9) Kindern gestanden ist. Der Ãlteste war elf (11) Jahre. Und seine Frau ist auch geblieben dort in der Stadt, wo meine Mutti gearbeitet hat, es sind meistens dort die Frauen gewesen. Und er ist dort . . .

David Boder

Was war das dort, eine Fabrik?

Fela Nichthauser

Ein Shop hat es geheiÃen.

David Boder

Und ja was . . .

Fela Nichthauser

Dort hat man fÃr die Deutschen genÃht. Die Uniformen oder die BrotsÃcke, und so weiter fÃr die Soldaten.

David Boder

Ja, nun?

Fela Nichthauser

Er stand mit die neun (9) Kinder und es war wirklich . . .

David Boder

Wie viele Kinder?

Fela Nichthauser

Neun (9).

David Boder

Ihr Onkel mit neun (9) Kindern?

Fela Nichthauser

Nein, der Mann mit neun (9) Kindern. Das Ãlteste war elf (11) Jahre alt. Und jeglicher Mann hat zugeschaut, das harteste Herz musste rÃhren und alle neun (9) Kinder haben angefangen zu weinen und schrecklich, schreckliche GesichtszÃge machen und wirklich . . .

David Boder

Ja.

Fela Nichthauser

. . . ich finde keine Worte.

David Boder

Nun also hat man ihren Onkel zusammen mit den drei (3) Kindern weg geschickt?

Fela Nichthauser

Weg geschickt, er soll mit den alten Leuten nach Auschwitz.

David Boder

So man hat die Kinder mit den alten Leuten weg geschickt?

Fela Nichthauser

Zusammen, . . . denn man hat gewusst von den Kindern kann man nichts haben und von den alten Leuten auch nichts haben.

David Boder

Und nun erzÃhlen Sie mir, was hat Ihnen und Ihren BrÃdern passiert?

Fela Nichthauser

Wir sind noch auf dem Platz geblieben einige Stunden. Wir haben Essen bekommen und dann haben wir uns gesorgt um die Mutti. Wir haben noch immer geglaubt, dass sie noch jede Weile kommt, aber wir haben leider nicht gewusst, dass in derselben Stadt das Gleiche passiert wie hier.

David Boder

Auch in der anderen Stadt?

Fela Nichthauser

Auch in der anderen Stadtâda hat man auch die Leute ausgesucht. Und obwohl meine Mutti nur fÃnf und vierzig (45) Jahre gehabt und meine Tanten auch und meine Bekannten, hat man sie doch auch in Aussiedlung genommen und nach Auschwitz geschickt. So wollte es das Schicksal.

David Boder

Ja also, man hat die nach Auschwitz geschickt?

Fela Nichthauser

Ja.

David Boder

Und was war, was war Auschwitz? Auschwitz war ein Arbeitslager?

Fela Nichthauser

Das war ein Arbeitslager. Es hat geheiÃen Arbeitslager, aber es war doch ein Krematorium. Ich war dort nicht, aber ich kann . . . die Leute, die persÃnlich das erlebt haben, haben mir Vieles erzÃhlt.

David Boder

Ja also . . .

David Boder

Und denselben Tag, wo Sie genommen wurden, hat man ihre Mutter von der Arbeit genommen?

Fela Nichthauser

Genommen und nach Auschwitz geschickt mit einem ganzen Transport. Ich habe . . . man hat mir dann im Lager geschrieben, dass man meine Mutti noch in dem letzten Moment gesehen hat, wo sie in einem Wagon gesessen hat, wo man frÃher die, hm, die Tiere gefÃhrt hat . . . transportiert hat. Und sie hat noch grÃÃen lassen alle drei Kinder. Und man hat ihr gesagt, sie soll sich nicht kÃmmern, die drei Kinder sind ins Lager genommen worden. Und das war das Letzte.

David Boder

Na, warten Sie mal. Ihre Mutter hat dort in der Nacht gearbeitet, ja?

Fela Nichthauser

Ja.

David Boder

Und man hat Sie heraus gerufen am Morgen und Sie dachten, dass Ihre Mutter zurÃck kommt. Um wie viel Uhr ist Ihre Mutter gewÃhnlich zurÃck gekommen?

Fela Nichthauser

Um halb sechs frÃh.

David Boder

Und diesmal ist sie nicht gekommen?

Fela Nichthauser

Nein.

David Boder

Aha und das hat dort passiert.

Fela Nichthauser

Ja.

David Boder

Also so sind Sie mit ihrem zwei (2) BrÃdern ins Lager?

Fela Nichthauser

Nein, nicht zuerst ins Lager. Zuerst sind wir gegangen nach Sosnovicz. Die Transporte, die ins Lager kamen . . .

David Boder

Wo Sosnoviczi?

Fela Nichthauser

Ja. . . . waren erst in einem Durchgangslager. Dort wurden die Leute sortiert.

David Boder

Ja.

Fela Nichthauser

Und spÃter hat man die MÃdels extra geschickt in ein Frauenlager und die Jungs in die MÃnnerlager.

David Boder

Ja. Und wie alt waren die zwei (2) Jungen?

Fela Nichthauser

Ein Bruder war damals achtzehn (18) und der jÃngste Bruder war dreizehn (13) Jahre.

David Boder

Ja. Nun?

Fela Nichthauser

Und da kamen wir . . . da standen wir vor dem Arzt. Ich war die Erste und er hat gesehen, dass ich gesund bin. Ich war sehr schÃn . . . hm, sehr schÃn abgebrennt, weil ich habe im Feld ein halbes ( Â ) Jahr gearbeitet fÃr die Deutschen auf dem Feld den ganzen Tag. Und da hat er gesagt, dass ich kann in das Lager kommen. Ich habe damals kein Wort gesagt, denn ich konnte mich nicht wehren. Ich war einverstanden und es hat mir das Herz weh getan. Ich wollte gerne, dass die BrÃder, die beiden BrÃder nach Hause kommen, denn ich war sicher, dass die Mutti nach Hause doch kommt. Ich habe ja nicht gewusst, dass das Selbe in der anderen Stadt passiert ist. Das haben wir erst spÃter erfahren.

David Boder

Ja.

Fela Nichthauser

Und da steht der Ãltere Bruder, der achtzehn (18) jÃhrige Bruder vor dem Arzt und der Arzt hat ihn erkannt. Er hat ihn noch . . . vor zwei (2) Wochen hat er ihn frei gelassen. Da hat er ihn erkannt, das war ein polnischer Arzt und hat ihn gefragt: âWas machen Sie wieder hier? Ich habe dich doch frei gelassen!â Da sagt er: âNa, was soll ich machen? Es war bei uns eine Aussiedlung und ich muss wiederâich hab noch den Fuà nicht ganz in Ordnung.â Sagt erâohne einen Grund hat er gesagt: âIch schreib Dir auf, Sie kommen nach Hause zurÃck.â Das war das grÃÃte GlÃck. Also er kam nach Hause . . . er kam an die Seite, zu den Menschen, die nach Hause gekommen seid . . . sind. Und dann kam vor den Arzt der Kleine und ich hab ihn gebeten, er soll den Kleinen frei lassen, denn er hat noch nicht ganze vierzehn (14) Jahre, er hat dreizehn (13) Jahre geendet. Man soll ihn nach Hause auch lassen, er soll mit der Mutti und mit dem anderen Bruder sein, er ist noch ein Kind und wird nicht so schaffen kÃnnen. Da hat der Arzt gesagt: âWenn ich einen frei gelassen hab, kann ich den Anderen nicht.â Wir haben mÃssen einverstanden sein, da der Lager Inspektor Knoll, ein deutscher Mann, ein SS Mann, hat alle Juden auf den Platz gerufen, damit er kann sie sehen und in das Lager dirigieren kann. Und dann hat er meinem Bruder damals gesagt, er soll ganz vorne stehen, denn er war klein . . .

David Boder

Er war klein . . .

Fela Nichthauser

. . . , zum Kleinen, vielleicht wird ein GlÃck wieder sein, dass dass das SS Mann doch ein bisschen Herz hat und wenn es um ein Kind geht, vielleicht wird er ihn frei lassen. Er hat so schÃne Haare gehabt, goldi . . . goldene Locken und . . . er hat ihm doch nicht gefolgt, es war fÃr ihn so etwas Neues, so wieâer kommt ins Lager, es war fÃr ihn ein neues Leben. Er hat es nicht verstanden, was es bedeutet.

David Boder

Hat er geglaubt, es war etwas Gutes?

Fela Nichthauser

Er hat gedacht es war etwas Gutes; er konnte es nicht begreifen, er war doch ein Kind! Und er wollte sich damit wichtig machen, dass er vom Lager Briefe schreiben und so weiter. Man konnte ihm das nicht so gut erklÃren und doch ist alles bestimmt so beschieden worden, dass der Knoll hat ihn bemerkt, hat ihn nach vorne gerufen zu sich, hat ihn gefragt, wie alt er ist. Und da hat er ihm gesagt dreizehn (13) Jahre. Und hat ihm gefragt, ob er arbeiten kann. Und er hat gesagt: âJa.â Ob er ins Lager fahren will, dann hat er gesagt nein. Da hat er gewusstâfÃr sich alleine kann er sagen das Ja. Dann hat er ihn gefragt, ob er Jemanden zu Hause hat . . .

David Boder

Ja.

Fela Nichthauser

. . . da sagt er: âIch habe die Mutti zu Hauseâ. Er hat geglaubt, dass die Mutti zu Hause ist.

David Boder

Also was hat der Knoll gesagt?

Fela Nichthauser

Er hat ihn gefragt, ob er Jemanden zu Hause hat und er hat gesagt; âJa, ich habe die Mutti.â Also hat er gemacht âLos, nach Hause.â Und ich stand im Fenster und habe alles das gesehen, alles gehÃrt und es war wieder ein GlÃck, dass man durch einen wirklich reinen Zufall den Kleinen, meinen kleinen Bruder frei gelassen hat. Und so sind die zwei (2) wieder nach Hause zurÃck gekommen und ich bin ins Lager genommen worden.

David Boder

Ja, nun was hat dann passiert?

Fela Nichthauser

Und . . . ich . . .

David Boder

Nach welchem Lager wurden Sie genommen?

Fela Nichthauser

Ich wurde genommen nach Birken . . . nach Birkenheim. Das war der Kreis (Name unverstÃndlich) in Nieder Schlesien.

David Boder

Ja.

Fela Nichthauser

Dort war eine ganz groÃe Fabrik, eine Weberei.

David Boder

Ja, hm, wo war die Fabrik?

Fela Nichthauser

In Birkenheim. Und eine ganz groÃe Fabrik, wo die Deutschen gearbeitet haben und wo schon hundert (100) MÃdels waren in den Baracken und sind dann noch hundert gekommen von unserer Stadt und von verschiedenen StÃdten auch.

David Boder

Ja.

Fela Nichthauser

Und so habe ich das erste Mal gefÃhlt, dass hinter mich ist alles verloren. Das Tor hat sich zu gemacht und ich kam in einen dunklen Saal, wo nur Betten, Betten und noch einmal Betten standen und sonst nichts mehr. Und so hat sich angefangen mein zweites (2.) Leben.

David Boder

Ja, nun? Und das war wo?

Fela Nichthauser

In Birkenheim. Dort war ich ein halbes ( Â ) Jahr. Dort habe ich schwer gearbeitet als Weberin.

David Boder

An einem Webstuhl?

Fela Nichthauser

An einen, zwei WebstÃhle.

David Boder

Aha. Waren das elektrische WebstÃhle?

Fela Nichthauser

Ja, elektrische WebstÃhle, ich habe mÃssen selbst bei der Maschine, hm, hm, . . . alles gewebt, alles alleine abgenommen, habe wieder frisches Material gegeben, habe [unverstÃndlich]. Das hat mir der deutsche Meister alles gelernt.

David Boder

Ja.

Fela Nichthauser

Und es war nicht sehr schlimm mit dem Essen und mit der Sauberkeit, nur schrecklich wenig Freiheit. Wir haben Ãberhaupt keine Menschen gesehen. Das Tor war mit dicke . . . hm, und mit Reissecken hm, . . .

David Boder

Zugemacht. Mit was? Mit SÃcken und was noch?

Fela Nichthauser

Mit Reissecken.

David Boder

Mit einem Nagel, mit NÃgel?

Fela Nichthauser

Mit NÃgel.

David Boder

Ja.

Fela Nichthauser

. . . damit wir nicht die Strasse sehen. Wir haben nichts gesehen, nur ein StÃckchen Garten, wo wir gesessen haben und die Baracke.

David Boder

Hat man Ihnen irgendwelche Zeitungen und BÃcher erlaubt?

Fela Nichthauser

Nein, absolut nicht - wir durften einmal alle zwei Wochen schreiben einen Brief, eine Karte, das war alles. Und am Sonntag, wo wir frei hatten, durften wir auf dem Bett liegen oder auf das StÃckchen Platz gehen, wo wir uns, wo wir kaum Platz hatten fÃr uns und nicht mehr.

David Boder

Und durften Sie singen, durften Sie . . . (beide sprechen)?

Fela Nichthauser

Ja, das durften wir, das war das erste Jahr des Lagers, da war es noch nicht so schlimm. Es war noch kein Konzentrationslager, es war ein sogenanntes Arbeitslager, wo man sehr streng arbeitet und im Winter durfte man sich nicht anziehen . . .

David Boder

Warum nicht?

Fela Nichthauser

Zum Beispiel, nur zur Fabrik. Und in der Fabrik durfte man nicht in einem Pullover oder einer Jacke arbeiten, man musste ganz frei sein, denn man hat Angst gehabt, dass man schlecht arbeitet, wenn man sich so warm anzieht, man hat wenig Bewegungen und hat geglaubt, dass man macht weniger Meter Stoff, wenn man sich langsamer bewegt. Wenn man leicht angezogen ist, dann kann man sich doch schneller, hm, da . . .

David Boder

Bewegen.

Fela Nichthauser

. . . bewegen.

David Boder

War die Fabrik geheizt, dass man . . . ?

Fela Nichthauser

Nein, Ãberhaupt nicht geheizt. Es waren ganz groÃe, schrecklich groÃe SÃle wo nur Maschinen und Maschinen gestanden haben. Und wir konnten, wir durften den ganzen Tag nicht sprechen, auch nicht einmal zueinander, denn die MÃdels sind nebeneinander gestanden., weil die . . . das Motor, also die verschiedenen Motoren von den Maschinen haben es nicht erlaubt.

David Boder

War es zu . . . zu GerÃusch . . . ein zu groÃes GerÃusch?

Fela Nichthauser

Ja. Und man hat uns speziell vor den Augen eine ganz groÃe Uhr gegeben damit wir sehen, wie spÃt es ist, damit wir wissen, dass wir von sieben (7) bis zwÃlf (12) arbeiten mÃssen und von eins bis sechs (6) abends. Und es soll die Zeit lÃngern, denn wenn man hat eine Uhr vor sich, dann geht doch die Zeit viel langsamer, wenn man die Stunden nicht sieht, dann fragt man âWie spÃt? Wie spÃt?â, also man hat dann eine Ãberraschung, wenn man sagt, es ist schon elf (11) oder halb zwÃlf, als wenn man andauernd die Stunden hat, ist doch sehr schlecht. Und sie haben das extra gemacht, damit wir uns eben schlechter fÃhlen.

David Boder

Ja. Nun sagen Sie mal, was hat passiert, wenn jemand krank war?

Fela Nichthauser

Wenn jemand krank war, dann musste er schon wirklich krank sein und dann konnte er in dem Lager einen Tag oder zwei (2) Tage bleiben.

David Boder

Hm, und war da ein Arzt? War da ein Hospital?

Fela Nichthauser

Nein, absolut nicht. Es war nur eine Pflegerin und eine ganz kleine Krankenstube von zwei (2) oder drei (3) Betten. Und wenn jemand wirklich Gallensteine hatte oder mit dem Herz zu tun hatte, hat man ihn hin gelegt auf einige Tage, bis er wieder so . . . so gesund war, dass er wieder arbeiten konnte.

David Boder

Und nun sagen Sie mir dies, das hat wie lange gedauert in der Weberei?

Fela Nichthauser

Sechs Monate haben wir dort gearbeitet und dann ist ein Befehl gekommen, dass, hm, in einem anderen Lager, das heiÃt Waldenburg, das ist auch in Nieder Schlesien, da braucht man 50 MÃdels.

David Boder

Ah hm.

Fela Nichthauser

Und so hat man uns geteilt, ich war auch in dem Teil der Gruppe, die weg gefahren ist.

David Boder

Ja.

Fela Nichthauser

So habe ich das Lager verlassen und bin in das andere Lager gekommen, das war nicht eine Weberei, das war eine Spinnerei.

David Boder

Eine Spinnerei?

Fela Nichthauser

Eine Spinnerei.

David Boder

Nun haben Sie das von Neuem lernen mÃssen?

Fela Nichthauser

Von dort war noch kein Mensch. Es war ein neues Lager, man hat nur die Baracken aufgestellt. Und es war nichts. Nur Betten drinnen, sonst nichts mehr. Wir mussten um alles bitten. Man wollte uns kein Wasser geben und keine SchÃssel. Man hat geglaubt, weil wir Juden sind, brauchen wir nichts. Wir halten . . . wir halten uns schmutzig und wir brauchen gar nichts. Wir kÃnnen leben wie Tiere. So haben wir mÃssen kÃmpfen um jede SchÃssel, um jedes [unverstÃndlich], um jede Decke zum Zudecken. Schon nach einigen Monaten hatte sich die Sache geregelt bis die LagerfÃhrerin gekommen ist und sie hat uns dann ein bisserl verstanden, denn sie hat gesehen gesunde und intelligente Menschen mit denen man sprechen kann. Und da hat sie dann doch gewusst, dass das eben so ist, wie man davon in er Fabrik spricht. Und da hat sie mit dem Direktor gesprochen und hat uns verschiedene Sachen gegeben.

David Boder

Wer war der LagerfÃhrer?

Fela Nichthauser

Sie war eine deutsche Frau, keine SS Frau, sie war nur eine deutsche Frau.

David Boder

Nun hat es manchmal passiert, dass manche nicht arbeiten wollten oder?

Fela Nichthauser

Nein, Jede wollte arbeiten, denn Jede war gesund. Jede nicht gerne, aber gezwungen sind wir zur Arbeit gegangen und wenn man sie bei der Maschine hingestellt hat, ist sie schon geblieben und hat gearbeitet.

David Boder

Ja.

Fela Nichthauser

Und mit der Zeit hat man sich an die Arbeit gewÃhnt, weil man hat nicht sehr schlechte Leute um sich gehabt. Man hat mit Deutschen zusammen gearbeitet und man konnte von Zeit zu Zeit ein Wort zu ihnen sprechen. Und, hm, dort waren wir achtzehn (18) Monate.

David Boder

Ach Sie meinen, dass da auch Deutsche gearbeitet haben? Waren die HÃftlinge oder waren die freie Menschen?

Fela Nichthauser

Freie Menschen, freie Deutsche.

David Boder

Die zur Arbeit gekommen sind?

Fela Nichthauser

Ja, die verdienen wollten.

David Boder

Waren die freundlich zu den HÃftlingen?

Fela Nichthauser

Nicht alle. Manche waren gefÃhrlich. Manche haben aufgepasst speziell, ob wir mit den anderen Deutschen sprechen.

David Boder

Ja.

Fela Nichthauser

Man musste sehr vorsichtig sein.

David Boder

Nun und wie lange hat das gedauert?

Fela Nichthauser

Achtzehn (18) Monate war ich dort.

David Boder

Hat man Ihnen was gezahlt fÃr die Arbeit?

Fela Nichthauser

Nein, absolut nicht.

David Boder

Gab es da nicht ein Lager-Geld? Scheine fÃr die Kantine und so?

Fela Nichthauser

Nein, absolut nicht. Wir haben eigene KÃche gehabt.

David Boder

Ja.

Fela Nichthauser

Und unsere MÃdels haben in der KÃche gekocht.

David Boder

Ja, hat man Ihnen Seife gegeben?

Fela Nichthauser

Nein absolut nicht. Wir haben noch von dem anderen Lager gehabt. Wir sind doch ins Lager gekommen und haben noch von zu Hause die ganzen Sachen gehabt. Und wir haben Seife gehabt und das alles was man braucht. Und das hat man uns doch . . . nie . . . nicht weg genommen, so dass uns das alles geblieben ist.

David Boder

Aha, nun und so waren sie anderthalb (1 Â ) Jahre in der Spinnerei.

Fela Nichthauser

Ja, anderthalb (1 Â ) in der Spinnerei.

David Boder

Und das war in welcher Stadt?

Fela Nichthauser

In Waldenburg.

David Boder

In Waldenburg. Und wo sind Sie von Waldenburg gegangen?

Fela Nichthauser

Von Waldenburg bin ich gegangen dann nach Graeben. Das ist zwÃlf Kilometer von einem ganz groÃen und ganz berÃhmten Lager . . . GroÃ-Rosen.

David Boder

Ja und warum hat man Sie von Waldenburg weggeschickt?

Fela Nichthauser

Weil es ist damals die Zeit gekommen, wo man alle kleinen Lager konzentriert hat in eine grÃssere Lager. Und unser Lager hat . . . ist gewesen nur fÃnfzig Leute und da ist eben gekommen der Knoll, der Selbe, der einmal in Sosnowicz war. Er ist zu uns gekommen und hat gesagt, wir mÃssen in ein anderes Lager fahren.

David Boder

Ja. Und?

Fela Nichthauser

Und wir haben das eines Tages verlassen das Lager und sind dann gefahren nach Graeben, das war eine Flachserei.

David Boder

Nur Frauen?

Fela Nichthauser

Nur Frauen, ja natÃrlich, das war nur ein Frauenlager und dort sind wir gewesen wieder ein . . . anderthalb (1 Â ) Jahre wieder. Aber dort haben schon angefangen schlimme Zeiten. Das war dann ein Konzentrationslager, wo ganz streng alles war, wo haben wir absolut gespÃrt, dass wir keine Menschen sind. Keine Juden sind, sondern nur Tiere, die hÃngen wirklich ab von den Deutschen.

David Boder

Das war in der Flachserei?

Fela Nichthauser

In der Flachserei. (man hÃrt andere Stimmen auf dem Tonband, sehr leiseâDr. Boder scheint mit Jemandem zu sprechen). Die Arbeit war sehr schwer, ich habe sehr gelitten. Es waren wieder groÃe SÃle und wir haben den ganzen Winter gearbeitet. Es war schrecklich kalt, wir hatten nicht zum Anziehen, man hat uns alles weg genommen. Die SS ist eines Tages zu uns gekommen, viele MÃnner und viele Frauen; und haben uns . . . haben uns aus dem Bett raus gezogen . . .

David Boder

Ja.

Fela Nichthauser

Man hat uns gesagt, wir sollen aus den Betten aufstehen und wir sollen auf den Platz auf dem Hof gehen. Und dann hat man uns gezÃhlt und man hat zu uns gesprochen und einer der SS MÃnner hat zu uns gesagt, dass er sieht, dass wir so gesund und schÃn sind und es wird uns hier nicht schlecht sein, man lÃsst uns alle Sachen, die wir hier haben, wir hatten noch von zu Hause diese alle Sachen. Und wir sollen gut arbeiten und es wird uns nicht schlecht sein.

David Boder

In demselben Platzâin der Flachserei?

Fela Nichthauser

In demselben Platz, ja. Und da haben sie uns gesagt, wir sollen eine Stunde drauÃen bleiben. Wir sind eine Stunde drauÃen geblieben.

David Boder

In welchem Monat war das?

Fela Nichthauser

Das war im Sommer, in welchem Monat weià ich nicht.

David Boder

Ja, das macht nichts. Ja?

Fela Nichthauser

Das war im vier und vierziger (44) Jahr im Sommer.

David Boder

Ja?

Fela Nichthauser

Und sie haben gesagt wir sollen alle drauÃen bleiben. Und dann sind sie gegangen in die Barackenâalle SS Frauen und alle SS MÃnner in das Lager, in die Baracken und haben uns alles, hm, hm, weg genommen und . . . zerstÃrt alles.

David Boder

Was meinen Sie mit âsie haben alles zerstÃrtâ?

Fela Nichthauser

Sie haben alle SchrÃnke aufgemacht und die ganzen Betten durch gesucht und eine Revidierung gemacht, was wir haben und die schÃnsten Sachen und die Ãrgsten Sachen, die hat man so durcheinander geschmissen und, und mit der Schere geschnitten. Ganz . . . alles zerstÃrt.

David Boder

Und dann?

Fela Nichthauser

Und wir haben doch nichts davon gewusst. Man hat uns doch vor einer Weile gesagt, dass wir es gut werden haben und dann man alle Sachen lÃsst und wir werden kÃnnen uns anziehen, wie wir wollen und so weiter. Und das war nur ein Trick von ihnen, damit wir auf eine Weile vergessen und inzwischen haben sie uns so eine Unordnung gemacht.

David Boder

[In English] This concludes Spool fifteen (15) of Fela Nichthauser and we shall continue with her story on Spool sixteen (16). David Boder, Interviewer.

David Boder

This is a continuation of Spool 15âSpool 16 , the continuation of the story of Fela Nichthauser.

David Boder

[In German] Nun, Fela, Sie haben gesagt, die SS sind gekommen und man hat Ihnen geheiÃen, dass Sie drauÃen bleiben werden, man hat Ihnen versprochen, dass Sie Ihre Sachen behalten werden und dann sind die herein gegangen in die Baracken, weil Sie drauÃen waren und was haben die getan?

Fela Nichthauser

Sie haben unsere Sachen grÃndlich, grÃndlich zerstÃrt.

David Boder

Ja.

Fela Nichthauser

Und dann haben sie uns gesagt, wir sollen herein gehen. Und wir haben nichts gehabt zum Anziehen, absolut nichts, auÃer das was wir angehabt haben. Und es sind viele MÃdels gewesen, die gerade zum Baden vorbereitet waren und so hatten sie nur das auf dem Leib einen Morgenrock, den sie drÃber geworfen haben und das Andere haben sie in der Stube gelassen, in den Baracken. Und so sind sie auch ganz nackt nur in dem Morgenrock geblieben.

David Boder

Na, was heiÃt das, sie haben die Sachen zerstÃrt?

Fela Nichthauser

Weil sie wollten doch nicht, dass wir in die schÃnen Sachen herum gehen, wir waren doch jung und MÃdels und wir hatten doch die ganzen Sachen noch von zu Hause. Sie wollten nicht. Sie wollten doch nur das, dass sie damit die Satisfaktion haben, dass sie unsere ganzen Sachen kaputt gemacht haben.

David Boder

Ja, aber was haben sie mit den Sachen getan, sagen Sie mir die Einzelheiten.

Fela Nichthauser

Die haben . . . die meisten Sachen haben sie ausgewÃhlt da und da haben sie ein Magazin gemacht und haben gesagt, wir werden jede Woche bekommen ein Hemd, ein Paar SchlÃpfer, ein Kleid oder einen Mantel, wenn es wird kalt sein; und so, mussten wir natÃrlich damit einverstanden sein. Und wir durften nichts haben. Und dann, nachher haben wir wieder die ganzen Stuben in Ordnung gebracht und da haben sie gesagt, es soll sich keine von uns wagen, mehr, wie ein paar StrÃmpfe zu haben oder mehr wie ein paar SchlÃpfer haben oder ein Hemd . . .

David Boder

Was ist ein SchlÃpfer?

Fela Nichthauser

SchlÃpfer . . . Hosen.

David Boder

Ja.

Fela Nichthauser

Wir sollen uns nicht wagen mehr zu haben, als das was sie uns geben werden. Und das war fÃr uns ein sehr groÃer Schlag, denn wir sind nicht das gewohnt haben . . . wir sind nicht dazu gewohnt gewesen. Und jede Sache, die man noch von zu Hause hatte, war fÃr uns sehr teuer, denn man hat uns an alles erinnert. Und es ist sehr schwer gekommen im Krieg etwas zu machen. Und doch sie haben uns das alles so ohne . . . so ohne, hm, und ohne nichts so ganz zerstÃrt. Und sie wollten es sehen. Dann haben sie uns gesagt, wir sollen weiter arbeitenâwir waren nach der Nachtschicht, nichts gegessen, nicht geschlafen und nicht gewaschen und sie haben uns gesagt, wir sollen in die Fabrik gehen und weiter, wie gewÃhnlich arbeiten.

Fela Nichthauser

Und es kam Winter, ein sehr starker und schlimmer Winter. Und wir mussten bei den Maschinen stehen, die tausendmal so gross waren, wie wir alleine. Schrecklich gross, ohne eine Hilfe, ohne Niemanden, in Frost und mit Hunger haben wir mÃssen dort stehen und arbeiten zwÃlf Stunden, von sechs (6) frÃh bis sechs (6) abends eine Woche und die nÃchste Woche von sechs (6) abends bis sechs (6) frÃh mit einer Viertel ( Â ) Stunde Pause.

David Boder

Und Sonntag hat man gearbeitet?

Fela Nichthauser

Sonntag hat man meistens gearbeitet. Es hat geheiÃen wir haben frei, aber dann ist gekommen der Wagen mit dem Flachs aus dem Feld und da mussten wir alle zur Arbeit gehen und dies alles abladen . . . auch im grÃÃten kalten Winter.

David Boder

Und was haben Sie mit dem Flachs getan . . . in, an der Maschine?

Fela Nichthauser

Die Maschine haben das durcharbeitet und das . . . das kam ein besserer Flachs schon und dann ist das noch durch alle . . . durch andere Maschinen ge . . . hm, ge . . .

David Boder

Gegangen.

Fela Nichthauser

. . . gegangen, ja, und dann ist das in die Spinnerei gekommen.

David Boder

Aha.

Fela Nichthauser

Und dann von der Spinnerei in die Weberei gegangen.

David Boder

Ja. Nun und wie lange waren Sie in dieser Flachserei?

Fela Nichthauser

Anderthalb (1 Â ) Jahre.

David Boder

Anderthalb (1 Â ) Jahre. Und . . . (beide sprechen)

Fela Nichthauser

Und dort war ich wirklich krank auch. Ich bin einmal vom Bett herunter gefallen, weil wir hatten zwei (2) stÃckige, drei (3) stÃckige Betten. Und ich war nach der Nachtschicht und ich wollte frÃh aufstehen und ich war noch ganz verschlafen gewesen und da bin ich herunter gefallen und ich da habe ich mich auf dem Knochen ein bisschen, eine ganz kleine Wunde gemacht. Und ich habe es nicht beobachtet, ich habe geglaubt, es wir verheilt werden in zwei (2) Tagen. Dann aber ich habe im Staub gearbeitet, es war schrecklich verstaubtâdas war eigentlich das Schlimmste fÃr unsâweil der Staub ist uns auf die Nase und die Lungen gegangen. Wir konnten nicht sprechen und nicht atmen, weil wir haben nicht einmal Eine die Andere gesehen, weil so viel Staub war. Und dann ist der Staub auch in die kleine Wunde gekommen und da hat sich das vergrÃÃert.

David Boder

[In English] She shows now a wound on her right leg, hm, a scar rather of two inches long and one (1) and one half ( Â ) inch wide which was the result of an infection of a little wound that she made, when she fell out of bed when in a drowsy fashion and she tried to get up in the morning.

David Boder

[In German] Also.

Fela Nichthauser

Und die Wunde hat sich von Tag zu Tag vergrÃÃert und es ist Eiter gekommen und ich habe vierzig (40) Fieber bekommen und dann musste ich im Bett liegen. Ich habe geglaubt, dass es in einer Woche, zwei (2) Wochen vorbei gehen; und doch es hat gedauert zwei ein halb (2 Â ) Monate. Ich konnte herum gehen, ich war ganz schwach und so bin ich geblieben im Bett zwei ein halb (2 Â ) Monate. Und dann, hm, . . .

David Boder

Sind Sie in der Baracke geblieben?

Fela Nichthauser

In der Baracke geblieben.

David Boder

Sie waren nicht im Hospital?

Fela Nichthauser

Nein, absolut nicht.

David Boder

Ist der Doktor gekommen, um Sie zu sehen?

Fela Nichthauser

Nein, absolut nicht. Es ist noch . . . ich wollte nicht, denn . . . wenn ich mÃchte den Doktor verlangen, dann kommt der deutsche Arzt und er wird sagen, dass ich muss nach Auschwitz kommen, weil ich bin unfÃhig zu arbeiten. Und so ist es auch gewesen nach einer Zeit.

David Boder

Und wie hat man Ihnen denn erlaubt zu stehen im Bett, wenn am Morgen beim Appell, wenn man Ihren Namen gerufen hat.

Fela Nichthauser

Ja, da hat die Ãrztin, die war bei unsâeine SanitÃterin, eine russische SanitÃterinâhat sie gesagt, dass die Nichthauser, die ist krank, die kann nicht arbeiten und man hat es fÃr wahr angenommen. Und Ãbrigens, die LagerfÃhrerin, eine SS Lager FÃhrerin ist jeden Tag durch alle Stuben gegangen und hat geguckt, ob Eine nicht geblieben ist oder in die Krankenstube ist - sie ist herein gekommen und hat geguckt, ob nicht Eine extra krank macht oder sonst was und sie hat selbst untersucht die Leute. Und dann . . .

David Boder

Und sie hat selbst untersucht?

Fela Nichthauser

. . . und dann . . . alle Meldungen von unserem Lager sind gegangen nach GroÃ-Rosen, weil das war nicht weit.

David Boder

Was heiÃt die Meldungen?

Fela Nichthauser

Zum Beispiel, wir haben gehÃrt, gehÃrt . . . zugehÃrt zu dem Lager GroÃ-Rosen und . . .

David Boder

Ja.

Fela Nichthauser

. . . und alles was ist geschehen in unserem Lager hier, davon musste die Kommandantur in GroÃ-Rosen wissen. Nun, zum Beispiel, es ist jeden Tag gegangen eine Liste von den Kranken und auch von den Gesunden, die zur Arbeit gegangen sind. Und so ist mein Name auch dorthin gegangen fast jeden Tag, dass ich krank bin die zwei ein halb (2 Â ) MonateâstÃndig krank. Und das hat ihnen wahrscheinlich nicht sehr gefallen, dass ich so lange im Lager bleib und da hat man einen Befehl gegeben, dass man mich nach Auschwitz schicken muss, in das Krematorium, weil ich unfÃhig bin zu arbeiten; man kann mich nicht lÃnger halten.

David Boder

Nun?

Fela Nichthauser

Mir hat man das nicht gesagt, denn sie haben gekannt meine empfindliche Natur und man hat Angst gehabt, ich werd irgend was machen. So hat man mir das nicht gesagt, das hat man mir erst nach der Freiheit gesagt, dass ich sollte damals . . . in ein paar Tagen sollte ich nach Auschwitz gehen und alle waren schrecklich traurig, aber man konnte doch nichts machen und es wÃre bestimmt so gewesen, wenn nicht eines Tages kam der Befehl, dass alle MÃdchen, das ganze Lager also, mÃssen auf einen Transport gehen.

Fela Nichthauser

Das ist einmal wieder die Zeit gewesen, wo alle Lager wurden ge . . . , hm, gelÃst und man hat alle gejagt, weil die Russen waren schon da.

David Boder

Nun?

Fela Nichthauser

Und da haben wir mÃssenâdie Krankenâauch aufstehen und die Gesunden alle die ganzen Sachen packen, alles was wir hatten. Und wir haben ein StÃckchen Brot bekommen, ein StÃckchen Margarine und Marmelade und so sind wir gegangen zu Fuà auf den Transport., Man hat nicht gewusst wo und wie; wir sind gegangen fÃnf und dreiÃig (35) Kilometer tÃglichâohne AufhÃren, ohne Pause, ohne nichts . . . und SS MÃnner mit Soldaten, mit die ganzen SS Frauen, die mit uns gewesen sind und so hat man uns gejagt Tag und Nacht. Und in der Nacht haben . . .

David Boder

Die SS Leute sind auch zu Fuà gegangen?

Fela Nichthauser

Ja, auch zu Fuà gegangen, ja. Es ist oftmals passiert, dass ein Auto vorbei gefahren ist und da hat man alle SS MÃnner genommen auf das Auto. Nur zwei (2) oder drei (3) Soldaten hat man bei uns gelassen, damit sie uns bewachen, ja. Und die allen Anderen sind, hm, sind einige Kilometer, hm, . . .

David Boder

Nach vorne gefahren.

Fela Nichthauser

. . . nach vorne gefahren, ja, und dann haben sie wieder auf uns gewartet auch in einer Stadt.

David Boder

Nun und haben alle gehen kÃnnen?

Fela Nichthauser

Man konnte nicht gehen eben, ich konnte selbst nicht gehen. Ja, ich habe eine kranken Fuà und ich habe vierzig (40) Fieber gehabt damals, neun und dreiÃig . . . ich hab damals auch . . . (unverstÃndlichâbeide sprechen)

David Boder

War es Winter oder Sommer?

Fela Nichthauser

Das war im Winter, es war im Januar.

David Boder

Im Januar, ja.

Fela Nichthauser

Im Januar und bevor wir noch herausgegangen sindâwir haben gewusst, dass wir eines Tages lange gehen werden, haben die MÃdels von diese Bettdecken StrÃmpfe genÃht und MÃtzen genÃht . . .

David Boder

Hat man das erlaubt?

Fela Nichthauser

Man hat nicht erlaubt. Man hat das . . . man hat das versteckt eben. Die hÃtte uns natÃrlich . . . die hÃtten uns tot geschlagen, wenn sie gewusst hat, dass man das genÃht hat. Dann, wenn sie hat gesehen bei dem Tag von dem Transport, dass wir das alles an haben, hat sie es schon nicht gesagt, weil da hat es ja schon nicht dran gelegen, denn sie hat sowieso das Lager verlassen. Und das hat uns eben ein bisschen gerettet, denn es war schrecklich kalt und drauÃen haben wir, zum Beispiel, eine Nacht sind wir hinein in ein Dorf gekommen, wo man hat uns erlaubt in einer Scheune zu schlafen. Und wir waren doch fÃnf hundert (500) MÃdels und es konnten doch kaum hundert fÃnfzig herein gehen und das Ãbrige ist drauÃen geblieben. Da haben wir uns so auf die Steine auf den Schnee hin gelegt. Es ist nur ein Wunder, dass Viele nicht fÃr immer eingeschlafen haben. Und so sind wir gegangen, gegangen . . . bis wir kamen nach Yanoff. Ich weià nicht, wo das ist, ich kenne nur den Namen von der Stadt. Und dort hat man uns auf die Wagen gegeben, . . .

David Boder

Welche? Eisenbahnwagen?

Fela Nichthauser

Ja, Eisenbahnwagen, aber solche Kohlenwagen . . .

David Boder

Offene Wagen.

Fela Nichthauser

Offene Wagen, . . . so schmutzig und wo konnten nur achtzig (80) Personen herein gehen, da hat man hundert fÃnfzig (150) hinein gegeben. Und man hat Eine auf der Anderen gelegen, man hat geschrien und wir haben angefangen schon keine Menschen zu werden, weil wir haben gewusst, es geht nicht anders. Man musste sagen: âRÃck Dich ein bisserlâ Oder âMach Platzâ oder man musste irgend ein scharfes Wort sagen, alles ging nicht anders. Sie haben das extra so gemacht, damit wir uns gegen einander schlecht sind, damit wir uns streiten, damit wir uns schlagen . . . hm, geschlagen haben wir uns nicht, aber es hat auch nicht zu viel dazu . . . hm, . . .

David Boder

Gefehlt.

Fela Nichthauser

. . . gefehlt, weil es waren schrecklich VerhÃltnisse. Ãberhaupt nichts gegessen und Tag und Nacht gefahren mit den Wagen, es hat geschneit und wir waren durch und durch nass und die SS MÃnner und die Soldaten, die hatten einen extra Wagen, nicht einen Personenwagen, aber einen . . . der auch . . . einen gedeckten Wagen und dort haben sie einen, hm, einen - nicht einen elektrischen Ofenânur einen Ofen gehabt und dort haben sie sich gekocht und gemacht alles und warmen Kaffee getrunken und wir haben mÃssen da zugucken. So sind wir einige Tage gefahren. Und dann haben wir auf einer Station sich angestellt, wollten wir . . . haben wir sie gebeten die LagerfÃhrerin soll uns erlauben sich waschen, denn wir waren schon zwei (2) oder drei (3) Wochen nicht gewaschen,wir waren doch auf der, hm, auf der Reise zu FuÃ. Und da hat sie uns erlaubtâdas war im Januarâda haben wir uns ausgezogen und sind in den Teich gegangen und da haben wir im eiskalten Wasser gewaschen und sie hat uns bewundertâalle haben uns bewundert . Man wollte nicht glauben, dass das Juden sind, man hat nur gehÃrt, dass Juden schmutzig sind, sie kÃnnen sich nicht sauber halten. Und da hat sie gesehen, dass die jungen und schÃnen MÃdels, die haben sich wohl in seinem Wasser. Mit dem Messer haben wir das Eis abgeschlagen, ja, damit wir uns ein bisschen waschen kÃnnen. Wir haben unsere Sachen geputzt und sind wieder in den schmutzigen Wagon zurÃck gegangen.

Fela Nichthauser

Und dann sind wir wieder einige Wochen gefahren ohne Essen, ohne nichts. Man hat uns kalte Konserven gegeben, ohne Brot , ohne nichts. Das war gesalzen und kein Wasser. Es war ein . . . ein groÃes Wunder, wenn man hat einen Soldaten gebeten, er soll uns von einer, von einem, hm, . . .

David Boder

Brunnen.

Fela Nichthauser

. . . Brunnen ein bisschen Wasser bringen. Auf jeder Station war so viel Wasser, aber man wollte uns nicht erlauben. Und manches Mal, wenn der Zug ist gestanden, sind wir zu der Lokomotive gegangen und wir haben das schmutzige, warme Ãlwasser genommen. Es war so fett vom Ãl, das haben wir fast, fast geklaut, so niemand wird uns sehen und wir haben das Wasser, das schmutzige Wasser getrunken. So sind wir eine Nacht nach Belsen gekommen.

David Boder

Ja.

Fela Nichthauser

Und dort sind wir drauÃen gestanden - um drei (3) Uhr nachts gekommen. Und man hat uns gesagt, wir mÃssen zuerst baden, weil die haben Angst, dass wir LÃuse haben. Und so, - wir sind fÃnf hundert (500) MÃdels gewesen, sie haben uns in fÃnf (5) Gruppen geteilt und jede Gruppe ist gegangen separat und dann haben sie die MÃdels an einem anderen Ausgang aus gelassen, dass sie nicht mit uns sprechen kÃnnen und nichts uns erzÃhlen, was man da macht, dass wir etwas vorbereitet sind. Und das war eben ganz schlecht, das Schlechte. Und so bin ich auch dran gekommen. Hat man uns ausgezogen, ganz nackt ausgezogen und man durfte nur die Schuhe nehmen . . .

David Boder

Wer hat das getan? Waren das Frauen?

Fela Nichthauser

Nein, das waren MÃnner.

David Boder

Und MÃnner haben Sie ausgezogen?

Fela Nichthauser

Ja, das war speziell, damit wir eben noch niedriger sind, wie wir waren, damit sie die Satisfaktion haben, dass die MÃnner das machen, mit einem ironischen Lachen. Mit einem, mit einem . . . (unverstÃndlichâbeide sprechen)

David Boder

(unverstÃndlichâbeide sprechen)

Fela Nichthauser

Frauen waren auch dabei, jÃdische Frauen waren dabei, die mussten es machen.

David Boder

Also was waren die Frauen (unverstÃndlichâbeide sprechen) . . .

Fela Nichthauser

Die Frauen, die haben geholfen, die haben die Sachen weg genommen von uns, die haben sie aufgehÃngt auf einen BÃgel und die Sachen sind gegangen in einen speziellen Ofen, wo man hatte sie desinfiziert, damit keine LÃuse dran bleiben, obwohl wir damals keine LÃuse hatten.

David Boder

Nun?

Fela Nichthauser

Und die haben uns ausgezogen und haben gesagt, dass wir die Sachen zurÃck kriegen. Und, hm, sind wir zum Baden gegangen, da wollten wir Hemd nehmen oder Handtuch, da haben sie uns nichts erlaubt nehmen, wir sind so gegangen und nur die Schuhe durfte man nehmen. Und ich war froh damals, ich hatte keine Schuhe, es waren nur ganz groÃe Holzschuhe, wo drei Paar FÃÃe, meine FÃÃe kÃnnten sein in den Schuh herein gehen, mit welchen ich habe schon Monate lang in dem Lager gearbeitet und die durfte man mitnehmen. Ich habe noch Bilder von zu Hause von meiner Mutti, vom Papa, von meinen Geschwistern und viele, viele Bilder, aber ich wollte speziell nur die von meiner Familie nehmen, hat man mir nicht erlaubt. Man hat sofort es verbrannt, ich habe ein paar ganz kleine Bilder gehabt, die habe ich im Schuh verstecktâganz tiefâund so, dass man es nicht gesehen hat. So habe ich die paar Bilder gerettet, die heute fÃr mich einen groÃen Wert haben. Und so sind wir baden gegangen, es waren auch MÃnner dabei, die haben sich, hm, gelacht und die haben sich uns Spott, sie sind vorbei gegangen durch die nasse, hm, hm, die nassen KÃrper und sie haben die . . . ich kann ich nicht deutsch ausdrÃcken . . . und sie haben so gemacht . . .

David Boder

Sie haben Sie an den RÃcken, hm, . . .

Fela Nichthauser

. . . geklatscht.

David Boder

. . . geklatscht.

Fela Nichthauser

Und wir haben gebadet und sie haben uns genommen in einen Saal, wo das Wasser mit Frost zusammen auf den WÃnden war. Und kein Handtuch gegeben, nichts, keine Seife und so haben wir uns abgewaschen mit dem Wasser und in dem Saal sind wir gestanden stundenlang und gewartet bis, bis die Sachen von dem Ofen von der Desinfektion kommen. Und so haben wir von alleine abgetrocknet. Das Wasser auf die Haare sind zu ge . . . zugefroren auf den Kopf und das Wasser hat auch . . . diese Tropfen Wasser sind eingefroren und so haben wir uns Einer zu dem Anderen gedrÃckt, damit es uns etwas wÃrmer wird. Das wollten wir wirklich nicht glauben, dass man mit uns so machen kann, nach dem heiÃen Baden, ganz heiÃes Wasser in so eine kalten Saal nehmen, wo nur KÃlte und Frost war und da haben wir von alleine abgetrocknet, ich hab gezittert und war ganz blau von KÃlte. So haben wir zwei Stunden gewartet bis die Sachen gekommen sind. Und sind die Sachen doch nicht alle gekommen. Und nicht auch meine; ich habe ein Kleid bekommen von einem anderen MÃdel und ein MÃdel hat wieder Sachen von mir bekommen. So das war ganz durcheinander. Kaum haben wir ein Hemd, eine Hose und ein Kleid bekommen.

David Boder

Nun?

Fela Nichthauser

Und sonst nichts, alles Andere mussten wir lassen. So sind wir gegangen in der Nacht, spÃt in der Nacht gegangen in die Baracke. Wir wurden gejagt und geschlagen damit wir schneller gehen.

David Boder

Wer hat Sie geschlagen?

Fela Nichthauser

Die Soldaten. Die waren dort die Soldaten, gewÃhnliche Soldaten, nicht SS und wir wussten doch nicht den Weg in die Baracke und es war schrecklich weit von dem, von dem . . . Badeanstalt. Wir sind . . . wir kamen zu der Baracke, es war ganz dunkel, man hat Ãberhaupt nicht die TÃr gesehen nichts. Da hat man uns so herein gestoÃen, wo . . . wie Schweine, abgesperrt und weg gegangen. Und so in der Dunkelheit haben wir gesucht ein Bett, oder irgend einen Tisch . . . man konnte nichts finden, aber wir haben geglaubt (unverstÃndlichâGerÃusch im Tonband) und wir kÃnnen es nicht anrÃhren. Und dann dam nÃchsten Tag, wo es schon licht . . . wo es schon hell drauÃen war, haben wir gesehen, dass wir hier nichts haben, nur den Boden, WÃnde und aufgeschlagene Scheiben und es hat geweht von allen Seiten. So haben wir uns hin gesetzt auf den schmutzigen FuÃboden und dann hat wieder angefangen das Leben.

Fela Nichthauser

Ich war seit Januar bis April war ich in Belsen. Aber die paar Monate haben mir viele, viel, viel mehr gemacht als die drei ein halb (3 Â )Jahre, was ich war in den anderen Lagern. In den anderen Lagern konnte ich mich noch abwaschen, obwohl ich Hunger gelitten habe, aber ich konnte sauber herum gehen und ich konnte noch meine Sachen in Ordnung halten. Und hier habe ich . . . hier waren wir fÃnf hundert (500) MÃdels in einem Saal. Gekommen sind noch fÃnf hundert (500), noch zwei hundert (200), noch hundert (100) . . . jeden Tag . . . von allen, Ungarn, ungarische Leute und russische Leute und polnische Leute . . . alles verschiedene, alte Leute, gesunde Leute und kranke Leute, alles zusammen, Einer bei dem Anderen. Einer hat LÃuse gehabt, die Zweite hat nicht gehabt . . . die Eine hat wieder eine Weile nicht gehabt. Und so war das schrecklich, schrecklich! Und so sind wir monatelang auf dem schmutzigen, verschmutzten FuÃboden gesessen.

David Boder

Haben Sie nicht gearbeitet in Belsen?

Fela Nichthauser

Absolut nicht. Dort haben gearbeitet nur die starken russischen, nicht die russischen . . . die Ukrainer.

David Boder

Frauen?

Fela Nichthauser

Ja, die Frauen und die waren starkâso fÃnf und zwanzig (25) bis dreiÃig (30) Jahre alt.

David Boder

Und was haben die gearbeitet?

Fela Nichthauser

Die haben im Feld gearbeitet, im Garten. Es war ein sehr, sehr groÃes Lager, das hat sich auf Kilometer gezogen und frÃher war das ein, hm, . . . das waren . . . MilitÃr hat dort gewohnt, die Soldaten und spÃter hat man gemacht daraus ein Konzentrationslager. Dort hat man die Leute konzentriert, um sie zum . . . Tod bringen.

David Boder

Hm.

Fela Nichthauser

Dort war ein Krematorium, wo man nur tote Leute ge . . . verbrannt hat. Sie haben nicht gebraucht die Lebendigen zu verbrennen, weil es sind Tausende und Tausende jeden Tag vor dem Block gelegen, vom Typhus tot.

David Boder

In Ihrem Block?

Fela Nichthauser

In meinem Block und verschiedenen Blocken. Dann ich war nur ein paar Tage auf dem Block und man hat dann genommen einen Teil MÃdels und sie haben gesagt, sie mÃssen gehen in einen anderen, in einen anderen Block. So sind wir dorthin gegangen, wir haben nicht gewusst wo. Eben dann haben wir erfahren, das war ein Block, da wurde dann aufgeschrieben auf dem Block âHier herrscht der Todâ. Es war ein Typhus Block. Dort waren lauter alte Zigeuner und ungarische Leute und die waren Typhus-krank. Wir waren ganz gesund noch und wir haben ausgeschaut wie Menschen. Eben der Block hat uns zu allem Schlechten gebracht. Ich saà da mit Zigeunern, die waren ziemlich freundlich zu mirâdas waren deutsche Zi . . .

David Boder

Zigeuner.

Fela Nichthauser

. . . deutsche Zigeuner, ja. Aber schmutzig war, . . . schrecklich schmutzig!

David Boder

Waren denn so viele Zigeuner da?

Fela Nichthauser

Nicht so viele Zigeuner, aber so viele Leute. Zigeuner waren nicht so viele, aber es war alles gemischt. Es waren schrecklich viele Leute.

David Boder

Und Sie waren dann in den Baracken, wo die Zigeuner . . .

Fela Nichthauser

Ja, ich war noch damals gesund, ich hab noch das StÃckchen Decke hatte ich noch, das habe ich jeden Tag geklopft und geputzt . Und ich habe noch in meinem VermÃgen gehabt eine, einen kleinen Kamm, eine ZahnbÃrste, Zahnpasta und meine HaarbÃrste.

David Boder

Zahnpasta haben Sie noch gehabt? Von wo haben Sie die Zahnpasta gehabt?

Fela Nichthauser

Zahnpasta haben wir manchmal bekommen im Lager, aber nicht Gute, so aber man hat sich kÃnnen die ZÃhne putzen. Und sonst hab ich nichts gehabt und nichts mehr, nur einen Mantel und ein StÃckchen Decke. Und das hab ich jeden Tag geputzt mit der HaarbÃrste.

David Boder

Hat man Sie am Tage drauÃen raus gelassen?

Fela Nichthauser

Nur vor dem Block. Es war abge . . . mit einem Steich . . . , mit einem Stacheldraht abge . . .

David Boder

AbgezÃunt.

Fela Nichthauser

. . . abgezÃunt, weil das war ein Typhus Block und das war ansteckend gewesen und da hat man nicht dÃrfen den anderen Menschen zu kommen.

David Boder

Ja. Und sind welche von ihren MÃdels krank geworden?

Fela Nichthauser

Ob krank geworden? Wir sind fÃnf hundert (500) MÃdels nach Belsen gekommen und es sind hundert zwei und dreiÃig (132) Ãber geblieben. FÃr uns ist speziell eine Liste gewesen. Alle Anderen sind von Typhus gestorben oder von Schmutz. Bei mir hat es auch nicht viel gefehlt. Mit der Zeit - ich erinnere mich an den Tag, wo ich die ersten LÃuse auf meiner, auf meiner Bluse gefunden habe. Ich wollte es nicht glauben. Ich habe damals geweint wie ein kleines Kind. Ich habe nie einen . . . LÃuse auf mir gehabt und ich wollte nicht glauben, dass wirklich hier . . . Andere kÃnnen haben, aber ich darf es doch nicht haben. Und da haben die Anderen, mit denen ich gesessen habe, da haben sie mich ausgelacht. Da haben sie gesagt: âHeute hast Du Eine, morgen wirst Du Zwei haben und in einer Woche wirst Du tausend haben!â Und so war es. Dann nachher hatte ich schon keine Kraft die LÃuse von mir weg zu nehmen, weil die haben herum spaziert, so wie Ameisen.

David Boder

Auf Ihrem KÃrper?

Fela Nichthauser

Ja, obwohl ich zwei Mal tÃglich meine Sachen durch geschaut habe, damit ich wenigstens fÃnf Minuten Ruhe habe. Aber in der Nacht konnte ich nicht schlafen. Man hat nicht geschlafen so mit die FÃsse ausgezogen. Wir haben sitzend geschlafen, weil es war wenig Platz. Und so haben wir monatelang, wochenlang gesessen, ohne Essen. Letztens hat man kein Brot gegebenâsechs (6) Wochen kein Brot, nur ein bisschen Suppe, wenn man das Suppe nennen kann. Wasser mit KohlrÃben, ohne Salz.

David Boder

Das haben Sie bekommen?

Fela Nichthauser

Ja. Das hat man gegebenâeinmal tÃglich eine ganz kleine Tasse und man hat sich mÃssen noch schlagen damit. Und schreckliche Szenen hat man dort gesehenâso Schreckliche! Meine ganzen Freundinnen, die sind dort gewesen, mit denen ich im Lager war, ich wollte nicht glauben, so wunderschÃne MÃdels und junge MÃdel. Im Lager haben wir noch manches Mal so Humor gehabt, haben wir getanzt, haben wir verschiedene Vorstellungen gemacht. Und viele sind sehr fÃhige MÃdels gewesen, ich war auch bei denen. Wir haben, zum Beispiel, viele Vorstellungen gemacht und wenn ein MÃdel Geburtstag hat gehabt, was immer vorbereitet und gesungen oder einen Vers gedichtet oder irgend etwas, das Anderen das Leben selbst erfreut. Und da eben, da habe ich mich alles selbst erinnert, wo ich in Belsen war. Ich habe die selben MÃdels gesehen, die mit mir getanzt haben, die mit mir gesungen haben und die so frÃhlich waren, so voll Lebensmut trotz der Schwere, die wir im Leben hatten. Wir haben doch immer geglaubt an die Freiheit. Und jetzt ist da so Eine nach der Anderen gestorben. Das war so schrecklich, so peinlich, dass man das mit Worten wirklich nicht schildern kann.

David Boder

Wo sind sie gestorben? In dem . . . (unverstÃndlichâbeide sprechen)

Fela Nichthauser

In dem Lager, im selben Block, wo ich war. Das Gesicht von jedem MÃdel, das gestorben sollte, hat sich so verÃndert, man hat sofort gewusst, dass dieses MÃdel in ein paar Minuten wird sterben. Nur vom Hunger und vom Schmutz. Ich konnte, zum Beispiel, wie oft hat man mich gerufen, ich soll gehen. Man hat die Anderen auch gerufen:â Komm zu mir.â Ich konnte nicht, weil ich habe gewusst, mir wird das Herz platzen, wenn ich sehe die ganzen . . . weil man hat die Menschen Ãberhaupt nicht gesehen. Nur die Augen, die LÃuse und die LÃuse . . . man hat nichts gesehen . . . nur die LÃuse. Und so ganz abgerissen, kein Kleid . . .

David Boder

Was meinen Sie mit LÃuse, nur LÃuse?

Fela Nichthauser

Keinen Menschen . . . voll LÃuse auf dem Menschen, ja. Man hat jetzt die Sachen nachgeschaut, jetzt abgeputzt, jetzt das StÃckchen Decke ausgeklopft. Man hat sich hin gesetzt . . . in einer Weile wieder das Selbe. Man hat doch schreckliche KrÃtze gehabt. Ich auch nach der Freiheit habe ich auch KrÃtze gehabt, der ganze Leib bedeckt mit offene Wunden, es war schrecklich, wir haben schon nicht geglaubt, dass wir davon heraus kommen. Viele MÃdels, viele meiner Freundinnen waren verrÃckt geworden. Man hat geschrieen in der Nacht âWo bin ich?â. Man hat gerufen Mama, man hat gerufen Bruder. Man hat die Ohren zu ge . . . , zu ge . . .

David Boder

Zu gemacht.

Fela Nichthauser

. . . zugemacht, ja damit man es nicht hÃrt. Ja, man wollte es nicht glauben. Und es sind Verschiedene, die Deutschen sind gekommen . . . die deutschen Frauen sind zu uns gekommen jeden Tag zum Appell hat man uns gerufen. Ich kann mich erinnern an Irma Grese, die kenn ich persÃnlich. Ich weià nicht, ob Sie von ihr gehÃrt haben.

David Boder

Welche Irma Grese?

Fela Nichthauser

Irma Grese, die jetzt aufgehÃngt worden ist.

David Boder

Oh, die, die aufge . . .

Fela Nichthauser

Ja, die von Belsen.

David Boder

Ja, nun?

Fela Nichthauser

Die hab ich persÃnlich gekannt. Ich hab nicht gewusst, dass sie Irma Grese heiÃt. Jetzt nach der Befreiung hab ich ihr Bild gesehen in der Zeitung, . . .

David Boder

Ja?

Fela Nichthauser

Man hat Verschiedenes beschrieben, wie sie angezogen war und was fÃr ein Gesicht hat sie, da hab ich gewusst, dass das sie ist. Ich kann mich noch ganz gut erinnern.

David Boder

Nun?

Fela Nichthauser

Sie hat mit uns, mit unserem Block speziell, so verschiedene schreckliche Szenen gemacht. Ihr Gesicht, wissen Sie, war so schÃn, groÃe, blaue Augen und schÃne, goldene Haare und schÃn angezogen, so SS Anzug gehabt und einen Stecken in der Hand und einen ganz groÃen Hund. Sie ist jeden Tag zu uns gekommen und bevor sie gekommen ist, hat man mÃssen warten drei (3), vier (4) Stunden. Und wir wurden um acht (8) Uhr oder sieben (7) Uhr frÃh auf den Appell Platz gerufen . . . ohne Waschen, ohne Essenâohne Nichts. Und wir mussten im Regen oder Schnee und im Frost, war ganz egal, mussten wir zu vier (4) oder zu fÃnf (5) stehen. Und die Block Ãlteste, die im Block war, hat auf sie gewartet und wir mussten dort stehen, wir durften uns nicht hin setzen. Einige wollten auf den nassen FuÃboden sich hin setzenâauf den nassen Bodenâdurfte man nicht, man musste so auf Achtung stehen bis sie kommt. Dann ist sie gekommen. Sie hat einmal uns verboten irgend etwas auf dem Kopf zu haben. Und man hat . . .

David Boder

Was meinen Sie âirgend etwas auf dem Kopfâ?

Fela Nichthauser

Ein Tuch oder eine Decke, ja. Tuch haben wir nicht gehabt, weil man hat uns doch alles weg genommen, aber man hatte so kleine StÃckchen, was man hat abgeschnitten von der Bettdecke, der grauen Bettdecke. Weil man ist glÃcklich gewesen, dass man das StÃckchen hat. Man hat doch gestanden so stundenlang auf dem Schnee oder im Regen und da hat man sich das so Ãber den Kopf geworfen. Viele waren so. Und sie hat das verboten. Und diese MÃdel, die die das gemacht haben, haben sich versteckt nach hinten. Sie sind nicht als Erste gestanden, sondern als FÃnfte. Und dann ist sie gegangen und hat gezÃhlt. Sie konnte nicht sehen so von Weitem, so wir . . . man zÃhlt mit die Augen. Sie musste auf . . . jeden Kopf die Peitsche legen, so hat sie gezÃhlt . . . Eine nach dem Anderen, wie . . .

David Boder

Hat sie Sie geschlagen mit der Peitsche?

Fela Nichthauser

. . . so eins, zwei, drei . . .

David Boder

Ja.

Fela Nichthauser

. . . und keiner durfte sich nicht rÃhren. Und wenn sie hat bemerkt, dass Eine eben von uns hat gehabt das StÃckchen Decke auf dem Kopf, ist sie sofort mit einem . . . mit einem LÃcheln zu gegangen und hat herunter gerissen diese Decke mit dem Mensch zusammen. Dann hat sie den Hund gerufen, nicht dass der Hund soll beiÃen, sondern nur LÃrm machen und Angst machen. Und das war schlimmer als das BeiÃen, dass der Mensch . . .

David Boder

Was hat der Hund getan?

Fela Nichthauser

So gesprungen, wissen Sie, und so die ZÃhne so als mÃchte er . . . schon beiÃen wÃrde, beiÃen hat sie ihm nicht erlaubt. Weil sie wollte es nicht, sie wollte nur Angst und Schreck machen, das war viel schlimmer . . .

David Boder

Ja, das war (unverstÃndlichâbeide sprechen) . . .

Fela Nichthauser

. . . und das war doch viel schlimmer.

David Boder

Ah hm.

Fela Nichthauser

Und da hat sie eben vom Kopf diese Decke mit dem Menschen runter gerissen und noch gestoÃen und mit der Peitsche geschlagen. Sie soll nÃchstes Mal wissen, dass sie es nicht machen darf, was man ihr sagt. Und dann, wenn sie hat mit der âBlokovaâ gesprochen, der Block Ãltesten . . .

David Boder

. . . mit der Block Ãltesten . . .

Fela Nichthauser

. . . Block Ãltesten gesprochen, hat sie gesprochen . . . hat sie gefragt, hm, wie viele Menschen hast du, wie Viele sind gestorben und so weiter, hat sie so eine schÃnes Gesicht gezeigt, so ein gutes Gesicht . . . wirklich, es kÃnnte niemand sagen, dass sie vor einer Weile solche Szenen gemacht hat, so schlecht, so un . . . so unbarmherzig fÃr die anderen Menschen sein kann. Als ob wir waren etwas . . . etwas Ãrgeres als die Block Ãlteste. Ich kann nur sagen, dass die Block Ãlteste war . . . nichts Anderes war, als frÃher vor dem Krieg, haben sie Zwiebel oder Knoblauch auf der Strasse verkauft. Und jetzt waren sie groÃe Personen zuâ eben bei uns im Lager! Und die . . . eben die MÃdels, also nicht Menschen, aber schon wirklich Tiere, schon ganz, ganz zu Grunde gebrachte Menschen . . . die waren einmal Menschen, die haben bestimmt sich gebildet, die sind bestimmt auf die UniversitÃt gegangen oder Gymnasium . . .

David Boder

Sie meinen . . .

Fela Nichthauser

. . . oder irgend was, ich sprich nicht von mir . . .

David Boder

Sie meinen diese SS?

Fela Nichthauser

Neinâja diese SS, aber ich spreche jetzt von den Menschen, die jetzt schon keine Menschen waren, die waren sicher Menschen vor dem Krieg, die haben . . .

David Boder

Sie meinen die HÃftlinge?

Fela Nichthauser

Die HÃftlinge natÃrlich. Man hat uns doch nicht als Menschen behandelt. Weil man hat geglaubt wir sind Juden, wir sind bestimmt in Kellern geboren oder irgendwo, keine Mutti hat und so nicht gehabt. Wir wissen nicht, was ein weiÃes Bett ist. Wir wissen nicht, was eine gute Suppe ist. Das . . . das haben sie alles geglaubt. Und ich sage eben, die ganzen Block Ãltesten, die mit uns . . . die uns geschlagen haben, die uns gequÃlt haben, die waren nichts anderes als solche . . . noch schlimmer wie ein DienstmÃdel, sicher. Was uns eben weh getan hat, ist dass sie uns so niedrig gemacht haben. Wenn wir wollten raus gehen haben wir uns mÃssen melden, ob wir raus gehen dÃrfen. Achtung stehen und sagen: âFrau LagerfÃhrerinâ oder irgend wie so sagen, hat abgehÃngt von wer die SS Frau war. Und das hat abgehangen, wenn sie hat gesagt ja, das war gut . . .

David Boder

Was heiÃt raus gehen, was meinen Sie damit?

Fela Nichthauser

Hm, hm, , zur, hm, Kabine.

David Boder

Zur Toilette?

Fela Nichthauser

Zur Toilette und wollte sie sagen ja, gut. Wollte Sie sagen nein, mussten wir zurÃck gehen. Hat nichts geholfen. Und dann konnten sie mit uns machen, was sie wollten. Also das heiÃt, wir sind weiter in dem Block gewesen, auf dem, auf dem schmutzigen FuÃboden gelegen, nichts gegessen, nur gewartet von frÃh bis abends, von abends bis frÃh. Wir haben nur gehÃrt das SchieÃen.

David Boder

Nun erlauben Sie mir eine Frage.

Fela Nichthauser

Bitte.

David Boder

Und wo sind jetzt ihre Eltern?

Fela Nichthauser

Mein Papa war, seit dieser Zeit, wo er genommen wurde, haben wir noch Post von ihm bekommen, Ich habe ihm noch PÃckchen geschickt. Dann das letzte Lager war Dachau und seit dieser Zeit, wo Postsperre war im ganzen Lager, wo man nicht schreiben durfte, ist jede Spur von ihm verlorenâich weià nichts mehr. Und meine Mutti meint, er lebt sicher nicht, weil jetzt hat er schon gegen sechzig (60) Jahre. Und meine Mutti hat jetzt gegen vier und fÃnfzig (54) oder fÃnf und fÃnfzig (55) . . .

David Boder

Und wo ist sie?

Fela Nichthauser

Sie ist in Auschwitz, sie lebt sicher nicht, denn sonst . . . bis heute . . .

David Boder

Wurde sie nach Auschwitz geschickt?

Fela Nichthauser

. . . geschickt.

David Boder

Haben Sie das gewusst?

Fela Nichthauser

Ja, natÃrlich, der ganze Transport der Frauen ist nach Auschwitz gegangen.

David Boder

Ist nach Auschwitz gegangen und, hm, . . .

Fela Nichthauser

Meine Ãlteste Schwester war mit ihrem Mann in Lemberg.

David Boder

Ja.

Fela Nichthauser

Und wÃhrend des Krieges habe ich dort hin LagerpÃckchen von ihr bekommen und Briefe und seit diese . . . auf einmal hÃrt das auf und schreckliche Sachen haben dann passiert und die Deutschen haben Leute ermordet und seit dem weià ich auch nichts von ihr bis heute. Das ist schon sieben (7) Jahre oder acht (8) Jahre, seitdem habe ich meine Schwester nicht gesehen. Und mein Ãltester Bruder, der auch verheiratet ist, hatte einen kleinen Sohn von zwei (2) Jahren, wo der im zwei und vierziger (42) Jahr in Tarnow noch gewohnt hat, ist auch ausgesiedeltâauf die Ukraine geschickt, und auch nicht mehr lebt und . . .

David Boder

Und Ãber das Kind wissen Sie auch nicht?

Fela Nichthauser

Auch das Kind wurde doch mit geschleppt und . . .

David Boder

Ja. Und sagen Sie mal und wie wurden Sie befreit?

Fela Nichthauser

Ich wurde befreit nach die . . .

David Boder

In Belsen?

Fela Nichthauser

. . . in Belsen am fÃnfzehnten April.

David Boder

Sagen Sie mir was Ãber diesen Tag oder den Tag bevor dieser Befreiung. Was hat vorgegangen?

Fela Nichthauser

Ich kann Ihnen sagen, ich habe Ihnen nicht erzÃhlt einen halben Teil von dem, was ich will und erlebt habe. Glauben Sie mir, dass in diesen drei ein halb (3 Â ) Jahren kÃnnte ich Ihnen nicht so viel erzÃhlen, als von den einigen Monaten, die ich in Belsen war. Nicht nur von den Leuten, was ich gesehen habe, aber von mir selbst auch. Schrecklichâman konnte . . . man kann das nicht mit Worten schildern, wenn man das selber nicht erlebt. Ich habe da ausgeschaut, wie eine . . . wie eine siebzig (70) jÃhrige alte Frau. Ich konnte mich nicht bewegen. Ich habe . . . ich bin ganz . . . ganz abgemagert gewesen, nicht gewaschen, wochenlang sich nicht ausgezogen. So in dem . . . in dem einen Kleid und in dem Mantel so bin ich auf dem FuÃboden gelegen. Ich . . . ich wollte Wasser zum Trinken, konnte ich nicht. Durchfall habe ich gehabt zwei (2) Monate. Ich hab dann Typhus gehabt . . . bekommen.

David Boder

Sie haben Typhus gehabt?

Fela Nichthauser

Ja, natÃrlich. Ich habe Durchfall gehabt, dass ich nicht eine Minute im Block sein . . .

David Boder

War das Flecktyphus oder Magentyphus?

Fela Nichthauser

Das war Magentyphus.

David Boder

Ja.

Fela Nichthauser

Das war vom Hunger.

David Boder

Und im . . . wo . . . wo waren Sie gelegen? Im Hospital?

Fela Nichthauser

Nein, absolut nicht.

David Boder

Also in der Baracke?

Fela Nichthauser

Man hat uns doch Ãberhaupt nicht gerettet. Man hat gewusst, dass dort viele, viele Leute Typhus krank sind und doch . . . sie wollten es . . . (unverstÃndlichâbeide sprechen). Gut man hat Offiziere jeden Tag und auch Soldaten und haben geguckt, dass die Verstorbenen liegen vor dem Block und man hat die sofort transportiert vor dem Krematorium. Und manches Mal . . .

David Boder

Was heiÃt vor dem Block? Hat man die Gestorbenen raus gegeben?

Fela Nichthauser

Ja. Da sind so speziell so vier (4) Frauen gewesen, vier (4) ungarische Frauen, die sich mit dem beschÃftigt haben. Wenn Eine bei uns gestorben ist, hat man das sofort gesagt. Und die vier (4) Frauen haben dafÃr bekommen ein bisschen Suppe, weil sie es gemacht haben. Sie waren noch ziemlich stark. Da haben sie eine graue Decke genommen, dann haben sie den toten Menschen in die Decke herein gegeben und dann vor geschmissen . . . hm, vor den Block geschmissen. Und so hat das gelegen - manches Mal zwei (2) Wochen, drei (3) Wochenâso bis sich . . . bis sich gesammelt haben dreiÃig (30), fÃnfzig (50), hundert (100), zwei hundert (200) Tote. Bis man das . . . bis die gekommen sind . . . die Juden . . . MÃnner und haben es . . . unter einer Wache . . . haben es transportiert zum Krematorium. Und oftmals bin ich vor dem Krematorium vorbei gegangen . . .

David Boder

Was meinen Sie âdie Toten sind viele Wochen drauÃen gelegenâ?

Fela Nichthauser

Ja, die sind gelegen ohne nichts.

David Boder

Ja.

Fela Nichthauser

Und oftmals bin ich da vorbei gegangen vor dem Krematorium, denn manches Mal mussten wir den Kessel mit der Suppe holenâjeden Tag waren Andereâund da sind wir bei dem Krematorium gegangen und haben gesehen Berge und Berge, man konnte es nicht glauben, von Toten . . . von Toten, wo das Krematorium nicht nachkommen konnte. Es waren so viele Tote, dass lauter Berge waren von dem . . . von der . . . eben von der Luft hat man . . . waren die ganzen Krankheiten. Die Typhus Krankheiten, das war doch alles im Lager und es sind viele, viel Tausende gewesen, die sich bewegen konnten. Die sind raus gegangen, um eine Kartoffelschale zu suchen oder um irgend was bitten, da sind doch die Leute neben der KÃche und da hat man doch bitten kÃnnen, man soll ein bisschen Suppe geben. Haben sie doch gesehen die alle, alle die schrecklichen Sachen . . .

David Boder

Und wer hat sie befreit [unverstÃndlich]?

Fela Nichthauser

EnglÃnder. Im, . . . hm, das war am fÃnfzehnten (15.) April, wo wir Ãberhaupt nicht erwartet haben und wir Ãberhaupt nicht gewusst haben, dass die Freiheit so nahe ist und dass sie zu uns kommt. Wir haben doch mit Niemandem Kontakt gehabt. Und auf einmal haben wir gesehen, dass die . . . alle SS MÃnner und SS Frauen haben angefangen zu tragen weiÃe BÃnder auf den Armen.

David Boder

Das heiÃt was?

Fela Nichthauser

ArmbÃnder . . . also das heiÃt, dass sie sich . . .

David Boder

Ergeben.

Fela Nichthauser

. . . ergeben.

var english_translation = { interview: [ David Boder

This is Spool No. 15 taken at Boucicaut, France near Paris, August 1, 1946. The interviewee is a young girl, Fela Nichthauser. She is so accustomed having her last name called first, that when I asked her about her first name she replied "Nichthauser," and as her last name she gave "Fela." That apparently comes from being so often on roll call.

David Boder

[In German] Tell me, Fela, what is your full name?

Fela Nichthauser

What does it meanâa full name?

David Boder

Just your name.

Fela Nichthauser

Fela Nichthauser.

David Boder

And how old are you, Fela?

Fela Nichthauser

I am twenty-three years old.

David Boder

You are twenty-three years old, and where do you live?

Fela Nichthauser

I now live in France.

David Boder

Yes, but where do you live at present?

Fela Nichthauser

I don't live in the chateau. I live a few houses further away. Not in Chateau Boucicaut, but also in a home of OSE.

David Boder

Are there other girls with you?

Fela Nichthauser

There are no other girl-deportees living there, but I am an exception because I have my brother in Chateau Boucicaut, and so that we could be together, they arranged that I could live there, although I don't work there. I don't work at the home. I go to school in Paris.

David Boder

You are attending school in Paris? What kind of a school is it?

Fela Nichthauser

That is a school for dental technicians, also belonging to OSE.

David Boder

And you are being trained to become a dental technician. Does the OSE have its own technical school?

Fela Nichthauser

Yes, OSE has its own school.

David Boder

And how many people study there?

Fela Nichthauser

About seventy people. Seventy or seventy-five students.

David Boder

And you think that being a dental technician is a good profession for a girl?

Fela Nichthauser

I don't know exactly, but I am all alone in the world. I have to decide for myself and I hope if not this, I may later learn something else. I don't know myself.

David Boder

Is your brother here?

Fela Nichthauser

No, my brother has been sent away for a vacation at the sea.

David Boder

And who are the other children?

Fela Nichthauser

They are mostly Buchenwald children. There are also a few French children who were not deported.

David Boder

And how many girls are there?

Fela Nichthauser

Eleven girls. One is a deportee; the others had their parents here [she apparently refers to French-Jewish children who were orphaned as a consequence of deportation of their parents by the Nazis].

David Boder

Tell me Fela, you are now twenty-three years old. Where were you born?

Fela Nichthauser

I was born in Poland in the city of Wadowice.

David Boder

In Wadowice. Now tell me what happened there when the Germans first arrived?

Fela Nichthauser

In the year of 1939, when the war started, we like all people ran away. We had our own horses and our own carriages; and our whole familyânot exactly the whole family, but my mother, and father, two brothers and I,âwe ran away, far away. Beyond Sandomierz.

David Boder

What was your father's occupation?

Fela Nichthauser

He was a poultry dealer. He was a poultry dealer and a fish merchant.

David Boder

In the city?

Fela Nichthauser

In the city. On a large scale.

David Boder

Was that wholesale? Did he sell to other merchants?

Fela Nichthauser

Yes.

David Boder

What for did he have the horses and wagons?

Fela Nichthauser

In addition my father had another business, a warehouse where they sell coal. He had a coal business and he needed the wagons to haul the coal from other cities, and to sell it.

David Boder

So you took your horses and wagons and got away. Where did you all go? Your father and mother and who else?

Fela Nichthauser

Two younger brothers and I.

David Boder

Are you the oldest in the family?

Fela Nichthauser

No, I still had a married sister who lived before the war at the Russian border in Baranovici. And since 1939, we have had no word from our sister and we don't know what happened to her.

David Boder

Is Baranovici not far from Slonim?

Fela Nichthauser

I think so, yes.

David Boder

Now tell me, one of your brothers is now here?

Fela Nichthauser

Yes. He is here with me and the other was also with the younger one in Buchenwald. And fate wanted it so that a few days before the Americans came he was sent away with a transport because he still could move as if he were well, and on the road the whole transport was shot.

David Boder

They shot the whole transport? ! So it is the older brother who is here?

Fela Nichthauser

No. The younger one. The youngest of the whole family.

David Boder

And why wasn't he taken?

Fela Nichthauser

Because he was very sick at the infirmary. He was very sick at Buchenwald and didn't even know that the other brother was taken.

David Boder

So you went with your parents to Radovitz?

Fela Nichthauser

No, we went to Sandomierz. We wanted to go further but we found out that the Germans were already there and we had to return home. The things were stolen from us. We had at home a big garden. Everything was ransacked and we were left without anything. Five people and we didn't have a penny to live on. And I had to work very, very hardâand with my daddy, with my mutti, and my brother,âjust to pay the rent and to have some bread.

David Boder

Weren't you living in your own home?

Fela Nichthauser

We had no home of our own. Father just rented a flat. My father was the manager of the building.

David Boder

So then you returned to --

Fela Nichthauser

Back to Poland and the same city.

David Boder

What city was it?

Fela Nichthauser

Exactly the same city. We went back to AndrychÃw.

David Boder

You returned to AndrychÃw. And what did your father do then?

Fela Nichthauser

He worked on the street with a shovel. Because the Germans demanded it. All men had to work on the street and the Jewish girls were taken to scrub floors and to wash windows.

David Boder

For whom?

Fela Nichthauser

For the Germans. For the police. For everybody. And I was taken, but I worked well and worked very hard, because I intended to go to the Lieutenant and to tell him that I don't want to work for nothing and that I should get paid. And the other people worked without pay. And so it became possible for me to get three marks a day and that helped me a great deal, because I had to eat. And my father also earned something, and a few other Jews also worked well.

David Boder

Did you have any money hidden?

Fela Nichthauser

No. We really didn't have such luck. We couldn't hide away anything. We had a family of five children, five not yet grown up children who couldn't earn their money, so everything was on the shoulders of the parents.

David Boder

You told me before that you had horses and wagons. Did you return with those horses and wagons?

Fela Nichthauser

Yes, with one horse. The other horse was shot.

David Boder

Who shot the horse?

Fela Nichthauser

He was hit by a piece of shrapnel.

David Boder

Shrapnel! How did shrapnel happen to strike there?

Fela Nichthauser

Because we were returning together with the Polish Army on the same road, and many other carriages and lots of people have joined it. That was a terrible thing.

David Boder

Why?

Fela Nichthauser

Because we were betrayed. It was known that the Polish Army was with us, and so they were shooting at us and we were in constant fear. We could not move to get anything for ourselves.

David Boder

Now, and then what happened?

Fela Nichthauser

Then I remained two years at home, and in 1940 came the first blow. With the first transport they deported my brother who was at the time seventeen years old. It was terrible. And my father didn't want him to go alone to the lager. So he represented himself to be a man of fifty-six. It did not help that Mutti pleaded with him and I pleaded with him that he shouldn't leave us because it would be much more difficult for us without him. But he replied that he could not let the child go to the lager alone. He must go with him. And so he was accepted very readily. The Germans accepted him. And my father departed with my brother. In 1940. And then it became very hard for us. I had to work; the twelve year old child did work with a shovel in the street. We had to pay our rent, buy food and buy provisions to send packages to the lager.

David Boder

Did they permit you to send packages?

Fela Nichthauser

Yes, we could send packages of two kilos.

David Boder

How far away was the camp?

Fela Nichthauser

It was very far away. My father was with my brother in various camps. The first lager was Wischau. That is in Germany. I don't know where. Then he was in Flessing. That is near Gleiwitz. Then he was in Blechame near Sakrow. The last lager was Dachau.

David Boder

The last lager was Dachau?

Fela Nichthauser

Yes. After a year my brother returned home. He was freed because he had a terrible leg. He did something to himself on purpose, so that he should be sent home.

David Boder

By the Germans?

Fela Nichthauser

Yes, by the Germans. And the papa remained there. So since that time we don't know a thing . . . And we remained home for another year. In 1941 the whole city was evacuated. It was two weeks after my brother returned from the lager. He came from the lager and Mutti worked in another city in order to get a special card so that she would not be sent away. She worked there. And we three children, my brothers and I, were in the city, working on the street. And it was on the 10th of June in the year '41 that the whole city was called to a big square.

David Boder

Only the Jews?

Fela Nichthauser

Only the Jews. Naturally. And we were to be deported.

David Boder

And what was the name of this city?

Fela Nichthauser

AndrychÃw.

David Boder

That was in what district?

Fela Nichthauser

That was in the district of Bielitz. I was born in Wadowice but we lived in AndrychÃw. That wasn't far.

David Boder

The whole city was called together? Where was your mother at that time?

Fela Nichthauser

My mother was in the other city where she worked. That was twelve kilometers away.

David Boder

Oh. That was twelve kilometers away.

Fela Nichthauser

Yes. And she had left in the evening because she worked on the night shift and she was to return by six o'clock. We were deported Monday night. We saw our mother off at the station and we kissed her and she gave us instructions as to what we should do the next morning and, alas, we didn't know that we were seeing Mutti for the last time. And the next morning at six we got up to go to work. It was a wonderful day and there was nothing in the air at all . . . We didn't think at all that such a horrible thing may come. And here there come two Jewish policemen and two SS and tell us we were to go immediately to the square of assembly.

David Boder

You told them that your mother was in the other city?

Fela Nichthauser

Indeed I told them. I was so dumb. I couldn't believe that the Germans could be so mean as to laugh at me. And I told them I have to wait for my mutti because she was supposed to return by six o'clock. So they told me not to worry about Mutti, that Mutti will come, and so we had to go to the assembly square and there frightful things occurred before us. This I won't ever forget.

David Boder

What happened there?

Fela Nichthauser

They took not only the healthy persons, but also the very old people who were almost unable to move, who were very sick. I myself, I personally saw a seventy-year-old woman, all swollen from sickness, being dragged along the grass because it was revulsive to them to lift her. She was all soft, from her swellings. But I could not look on. I was permitted to lift up that woman and to carry her on a bed to the big hall. And we saw various things that I could not forget. People were separated . . .

David Boder

Tell me what happened to you. You were with your brother?

Fela Nichthauser

With two brothers. One who had returned from the lager.

David Boder

And where is he now, the one who returned from the lager?

Fela Nichthauser

He isn't alive anymore.

David Boder

He doesn't live anymore?

Fela Nichthauser

That is the one who just before liberation was sent to transport.

David Boder

Oh, the one from the transport. Do you mean to say he returned and then he was sent away again?

Fela Nichthauser

No, but that is how we came to the square for assembly.

David Boder

That means you and your two brothers.

Fela Nichthauser

And we stood before a committee and they questioned us; we showed our work cards and they saw that we were three young and healthy people, so it was ordered that all three should be sent to the lager. This business was settled and I don't want to describe the whole scene.

David Boder

I want you to tell me everything. Tell me what happened.

Fela Nichthauser

My uncle stood there with three children.

David Boder

Tell me only that which you have seen yourself. Your uncle stood there because

Fela Nichthauser

Because all the people were distributed in groups. People for the camps, old people for transport to Auschwitz, and some people who were to remain in the same city for work. So there were three groups. What we saw made one's heart ache terribly. Just to see how these people treated us, that on one motion, on one gesture of a German man depended the fate and life of a person. If he made with the hand so, or so, [she demonstrates] that meant he would go for deportation from which nobody returned. My uncle with the three children stood on the side for deportation, while his wife with my mutti were working together. And he cried terribly and the children around him held on to his arms and they all cried terribly, and they yelled to me that I should transmit regards to his wife, and he didn't know that I too was being sent to a lager. He thought I will see his wife and he pleaded with me that I should console her, that he will return, that he will protect the three children and nothing will happen to them. And we saw his face and the little children and I will never forget it. There stood next to him a man whom I also knew very well. He was an acquaintance from our city who stood there with nine children. The oldest child was eleven years old. His wife also remained in the same city where my mutti worked; most of the women remained there.

David Boder

What was there?

Fela Nichthauser

A factory. A shop they called it. [It is interesting to note that the Germans used the English words shop]. They were sewing there for the Germans. Uniforms or sacks for bread for the soldiers. He stood there with his nine children. It was really . . .

David Boder

How many children?

Fela Nichthauser

Nine.

David Boder

Your uncle with nine children?

Fela Nichthauser

No, that man with the nine children. The oldest was eleven years old. And indeed when one saw it, how one's heart could be moved, and all the nine children started crying and their faces looked horrible. Really, I don't find words.

David Boder

And so your uncle with his three children together was sent away.

Fela Nichthauser

Yes, they went with the old people to Auschwitz.

David Boder

The children were sent with the old people?

Fela Nichthauser

Together, because they knew that nothing can be gotten from old people nor children. That nothing can be gotten.

David Boder

Now tell me what happened to you and your brothers.

Fela Nichthauser

We stood there for several hours on the square. We got food and we were worried over Mutti. We also thought that she will return but unfortunately we didn't know that in that city the same thing happened as here.

David Boder

In the other city too?

Fela Nichthauser

In the other city too. And there, the people were sent away. And although my mother was forty-five years old she and my aunt too, and also the wife of my friend - they all were deported and sent to Auschwitz. That is what fate wanted.

David Boder

They were sent to Auschwitz? And what was Auschwitz?

Fela Nichthauser

Auschwitz was a work lager. It was called a work lager but it was a crematory. I wasn't there but people who survived personally, have told me a lot about it.

David Boder

On the same day you were taken your mother also was taken from her shop?

Fela Nichthauser

And sent to Auschwitz with the whole transport. They wrote to me about seeing my mother in the last moment, how she was in the railroad car in which previously cattle were transported, and she had sent regards to the three children. And she was told that she should not worry, that the three children were taken to the lager. And that was the last.

David Boder

Now wait a moment. Your mother worked there during the night, and you were called in the morning. And you thought your mother will return. What time did you say your mother will be back?

Fela Nichthauser

At half past five. And this time she did not return and that is what happened there.

David Boder

So you went with your two brothers to the lager.

Fela Nichthauser

No, not at first. First we were sent to Sosnovitzi. All the transports that had to go to a camp first went there. There was a transit lager. There the people were sorted out. And after that the girls were sent to a lager for women and the boys went to a lager for men.

David Boder

And how old were the two boys?

Fela Nichthauser

One brother was at that time 18, and the younger brother was 13.

David Boder

Now

Fela Nichthauser

Now we came, we stood before the doctor. I was the first. And they saw that I was well. I had a beautiful tan. I was very beautiful. [Here she stops and blushes and then continues the sentence]. I was very beautifully sunburned, because for the last half year I worked in the fields for the Germans outdoors all day, and so he said that surely I was fit to go to the lager. I didn't say a word. I couldn't defend myself, I still stood there and my heart ached. I wanted badly that the two brothers should go home, because I was sure that Mutti will come home. I didn't know that the same thing happened in the other city. That we got to know only later. And there stood the other brother, the eighteen-year-old one, before the doctor. And the doctor recognized him. He was the one who let him go two weeks ago from Dachau. He recognized him. It was a Pole and he asked him, 'What are you doing here? I have set you free.' And my brother said, 'What can I do? We had a selection and I had to go and my leg is not yet well.' He said, 'I shall give you a note and you can go back home', and he was put aside with the people who were to go home and then came the little one before the doctor. I pleaded with him that he should set the little one free, that he wasn't yet 14 years old, only 13. He should permit him to go home so he could be with Mutti and the other brother. He is still a child and he wouldn't be able to get along. But the doctor said: 'Since I have set free one, I cannot set free the other.' And we had to agree. Because the inspector of the lager. Knoll, a German and an SS man, had called all the Jews to the square. He could free them; he could send them to the lager. And he [the doctor] told my brother that he should stand right in front and because he is so small possibly something fortunate might happen. They may notice that he was small and he will be set free. He had beautiful hair, golden curls, but he didn't obey, it was something new for him. [Mockingly] He goes to a lager. He doesn't understand what it means. He goes to a lager that's a new life for him. He didn't understand.

David Boder

Did he think that was something good?

Fela Nichthauser

He thought it was something good. He couldn't understand; he was a child. He wanted to appear important, be sent to a lager and write letters from the lager and so on. We couldn't explain it to him and he hid behind, and still it was written by fate differently. Knoll noticed him and called him forward and asked him how old he was. And he said 13 years. And Knoll asked him whether he can work. So he said yes. Do you want to go to the lager? And he said no. So he asked him whether he had somebody at home, so he said yes, I have the mutti home, he thought that Mother was home [her weeping comes through on the wire].

David Boder

So what did Knoll say?

Fela Nichthauser

He asked him: 'Do you have somebody home?' And he said, 'Yes, the mother'. So he says 'Run home,' and I stood at the window and saw it all. And again it was fortunate that by sheer accident the little brother was set free. I saw the two brothers set free and I went to the lager.

David Boder

And what happened then? To what lager were you sent?

Fela Nichthauser

I was sent to a lager Birkenheim. That was the district of Auerbach in lower Silesia. There was a big factory. A big textile plant.

David Boder

Where was the plant?

Fela Nichthauser

In Birkenheim. A big plant. Germans worked there. And there were already a hundred girls in the barracks. And other hundreds arrived, from our city, and from the different towns around. And so I felt for the first time that everything behind me was lost. The gate closed and I entered into a dark hall. There stood beds, and beds, and more beds and nothing else. And so my second life began.

David Boder

And that was where?

Fela Nichthauser

In Birkenheim. I worked there for half a year.

David Boder

At the loom?

Fela Nichthauser

At two looms.

David Boder

Were these electric looms?

Fela Nichthauser

Yes. Electric looms. I had to service the machines myself, had to fix everything, had to get the material. I knew the machine well. The German master taught me. It wasn't very bad with the food. Nor with the cleanliness, but only very little freedom. We saw no people at all. The gates were covered with sack cloth and shutters so that we shouldn't see the street. We only saw the little garden where we sat and the barracks.

David Boder

Did they allow any books or papers?

Fela Nichthauser

No, nothing. We were allowed once in two weeks to write a letter. A post card and that was all. And Sunday when we were free we were permitted to lie on the bed, or on that little square. We barely had room for ourselves and nothing else.

David Boder

Were you permitted to sing?

Fela Nichthauser

Yes, that we were permitted to do. That was during the first year in the lager. Things were not yet so bad. It wasn't yet a concentration camp. It was a so-called work lager [Arbeitslager] where one worked very hard. In the winter we could not dress well.

David Boder

Why?

Fela Nichthauser

Well, for example, we could put something on on the way to the factory, but in the factory we could not wear a pullover or a jacket. One would become stiff. You see they were afraid that one works badly when one is warmly dressed. One has less movement and it was believed that one works less and makes lots less meters of goods when one moves slower. When you are lightly dressed you can move faster.

David Boder

Was the factory heated?

Fela Nichthauser

No, no, no it was not heated at all. There were frightfully large rooms with long, long rows of machines, just machine after machine. We were not permitted to talk all day. Not even to each other. Even if the girls would not be watched, because the motors, the many motors would not permit us to talk.

David Boder

Was it too noisy?

Fela Nichthauser

Yes. And before our eyes was a very large clock so that we should know the time; that we should know that we have to work from 7 to 12 and from 1 to 6 in the evening. And it was done for the purpose that the time should appear to us longer, for if one has a clock before his eyes time goes much slower. When one does not see the time, one asks, 'What time it is, what time is it?', and one is pleasantly surprised if he hears it is already eleven or eleven thirty, and if one has constantly the time before his eyes it is very bad. And they did it on purpose so that we should feel bad.

David Boder

Now tell me, what happened when somebody would get sick?

Fela Nichthauser

When one was sick, one had to be really sick, so that one could remain a day or two in the lager.

David Boder

Was there a doctor, was there a hospital?

Fela Nichthauser

No, absolutely no. There was only a nurse, a very small sick room of two or three beds. When one really had gall stones or heart trouble he would be put there for a few days until he was again well and could work again.

David Boder

Now tell me, how long did you work in the spinnery?

Fela Nichthauser

We worked there six months and then came an order that in another lager, in Weidenburg in Lower Silesia fifty girls were needed. So we were sorted out and I was in the group that had to go. And so I left this lager and went to another lager. This was not a weaving plant, but a spinning plant.

David Boder

Did you have to learn it anew?

Fela Nichthauser

There was nobody. It was a new lager; the barracks were just put up, there was nothing, no beds, not a thing. We had to beg for everything. They didn't want to give us any water, not a dish. They believed that because we are Jews we don't need anything, that we keep dirty and we, of course, don't need anything. We can live like animals. And so we had to fight for each saucer, for every little dish, for every blanket to cover ourselves. In a few months the situation somewhat improved. It happened that a woman lager commander arrived and when she saw how neat we kept and that we are just like other people with whom one can talk; who understand; that we were not like people were saying abut us here in the factory; and she took the matter up with the director and we were given various things.

David Boder

Who was the lager commander?

Fela Nichthauser

She was a German woman. Not an SS woman. She was a plain German woman.

David Boder

Did it ever happen that some girls refused to work?

Fela Nichthauser

No, everybody wanted to work because every girl was in good health. Not very eagerly. But when one was forced, one was put before a machine, she stayed there and worked. And in time we would get accustomed to the work. The people with us were not too bad. We worked together with the Germans and from time to time we could slip a word to them. And there we were eighteen months.

David Boder

You mean to say that also Germans worked there? Prisoners or outside workers?

Fela Nichthauser

Outside workers. Free people, free Germans.

David Boder

These people came to the factory?

Fela Nichthauser

Yes. Those who wanted to earn something.

David Boder

Were they friendly to the prisoners?

Fela Nichthauser

Not all of them. Some were dangerous. Some spied whether we were not talking to the other Germans. One had to be very careful.

David Boder

Now how long did that last?

Fela Nichthauser

Eighteen months I was there.

David Boder

Did they pay you for the work?

Fela Nichthauser

No. Absolutely nothing.

David Boder

Was there no concentration camp money? Some script to the canteen?

Fela Nichthauser

No, absolutely nothing. We had our own kitchen and the girls cooked in the kitchen.

David Boder

Did they give you soap?

Fela Nichthauser

No, we never got soap. We still had some things from the other lager. When we came to that lager we still had all our things from home. And we had soap and some other things that we needed. And that they did not take away from us, in that lager so that we had everything.

David Boder

And so you were for a year and a half in the spinnery.

Fela Nichthauser

Yes, and year and a half in the spinnery.

David Boder

And that was in what city?

Fela Nichthauser

In Weidenburg.

David Boder

And where did you go from Weidenburg?

Fela Nichthauser

From Weidenburg we went to Graeben. That is twelve kilometers from a very big and famous lager, Gross Rosen.

David Boder

And why were you sent away from Weidenburg?

Fela Nichthauser

Because the time came when all the little lagers were concentrated into larger lagers. And our lager consisted only of fifty people and there came Knoll, the same one who was one time in Sosnovitz. He came to us and said that we have to go to a different lager, and the next day we left the lager and traveled to Graeben. That was a flax camp.

David Boder

Only women?

Fela Nichthauser

Yes, only women. It was only a lager for women and there we were again for more than a year and a half. But then already the bad times started. That was already a concentration camp with very strict rules, and we definitely felt that we were not human being. No Jews, just animals, just at the mercy of the Germans.

David Boder

Was that in the flax camp?

Fela Nichthauser

Yes, in the flax camp [there was an interruption in the interview. Somebody entered the room and left again]. The work was very hard; I suffered very much. The halls were large. We worked there the whole winter. It was terribly cold. I had nothing to wear. They took away everything. The SS came one day to the manager of women. They called us out of bed. We were told to get out of bed and get out on the yard. They counted us up and they talked to us. The SS people told us that they see that we are in good health and fine looking and that they won't do us any harm. They will give us our things back, that we should work well and no harm will be done to us.

David Boder

That occurred in the same place, in the flax plant?

Fela Nichthauser

Yes, and they told us that we should remain for an hour outside.

David Boder

In what month was that?

Fela Nichthauser

That was in December. That was in the year 1944. And they told us that we should remain outside. And while we were there all the SS men and all the SS women went into the barracks. They took away everything. They ruined everything.

David Boder

What do you mean, they ruined everything?

Fela Nichthauser

Well, they opened all the lockers, they turned over the beds. They made an inspection and they just threw together our best things, cut them with scissors. They just ruined everything.

David Boder

And then what?

Fela Nichthauser

We didn't know a thing. Just a moment ago they told us everything will be all right. That we will have our things, and that we will be able to dress the way we want to and so on. And that was just a trick on their part so that we should just forget ourselves for a moment, and then they did to us such a thing. [This concludes spool 15, we continue with spool 16].

David Boder

[In English] This concludes Spool fifteen (15) of Fela Nichthauser and we shall continue with her story on Spool sixteen (16). David Boder, Interviewer.

David Boder

This is a continuation of Spool 15âSpool 16 , the continuation of the story of Fela Nichthauser.

David Boder

[In German] You were telling me that they came and you had to stand outside. They had promised that they will allow you to keep your things; they went into the barracks. Now what did they do while you were outside?

Fela Nichthauser

They ruined our things thoroughly, thoroughly. And then they told us to go inside. So we were left with nothing to wear, except the things we had on ourselves. And there were many girls who were just ready to go bathing and so they had put on some kind of morning dress and the other things they had left inside, in the barracks. And they remained that way. All completely naked, just in a morning dress.

David Boder

I don't understand. What do you really mean by saying they have ruined your things?

Fela Nichthauser

Well, they didn't want us to go around in nice things. We were still young, we were girls, and we had still all our things from home. They did not want it. They just craved the satisfaction to have done something bad to us.

David Boder

All right, but what did they really do with your things?

Fela Nichthauser

Most of the things they have taken away and they made a warehouse and they told us that each week we will get a shirt, a pair of stockings, a dress, an overcoat in case it should be cold; and of course, we had to submit. And we were not permitted to have anything. But afterward the rooms were again put in order and they told us that none of us would dare have more than a pair of stockings, a pair of underthings or more than one shirt. We should not dare to have more than what is being given to us. And that was for us a big blow because we were not accustomed to such conditions. Anything that we had from home was so dear to us, because these were the only tokens of remembrance. And it was difficult during the war to make something. Still they have ruined everything without heart, without anything. And everything they have ruined. And they liked to see it so. And they told us to get on with our work. We were on the night shift. Without food, without sleep, without washing ourselves. Still they told us to go on to the factory. Go on with our work as usual. And there came a very strong winter, and we had to stand at the machinery that was thousands of times bigger than ourselves. Terribly big machinery, without help, without anybody, in frost, and in hunger; and we had to stay there and work. Twelve hours, from six o'clock in the morning until six o'clock in the evening. Only the next week it was six o'clock in the evening until six o'clock in the morning. With only a quarter of an hour for rest.

David Boder

Were they working on Sunday.

Fela Nichthauser

They mostly worked Sundays. They told us that we were free, but wagon-loads of flax would arrive from the fields and we had to go to work and unload everything, and unload all of that in the biggest and worst frost.

David Boder

What were you doing with that flax?

Fela Nichthauser

That was processed by machines and a better flax would come out and then it was processed by other machines and then it would come to the spinnery and from the spinnery to the weaving plant. So it went on.

David Boder

And how long were you at this flax plant?

Fela Nichthauser

About a year and a half. There I was terribly sick. I once fell off my bed, because we had two level or three level bunks. I was on the night shift and I wanted to get up early I was still half asleep, and so I fell down and I caused myself a very small wound on the bone. I paid no attention, I thought it would heal in a couple of days. I have been working in dust, because there was a terrible dust. That was the worst thing. That was because this dust got into our noses and our lungs. We could not talk or breathe there. We couldn't even see each other, so much dust there was around. So the dust got into that little wound; it became larger. She is showing me now a scar on her right leg about two inches long, and an inch and a half wide]. And so, this wound became bigger from day to day. Pus developed and I had a temperature of 40[centigrade] and had to stay in bed. I thought that in a week or two that will get well. Still it lasted two and a half months. I could not walk. I was very weak, and so I remained in bed for two and a half months.

David Boder

Did you remain in the barracks?

Fela Nichthauser

In the barracks.

David Boder

You were not in a hospital?

Fela Nichthauser

No, absolutely, no.

David Boder

Did the doctor come to see you?

Fela Nichthauser

No, absolutely, no. I didn't want him. If I would have asked for a doctor there would have come a German doctor and he would have said that I had to go to Auschwitz, as being unfit for work. And so it happened after a certain length of time.

David Boder

And how did they allow you to stay in bed?

Fela Nichthauser

Well, in the morning appell your name was called. So the doctor (she was a Russian woman medico-sanitar), would say: 'The Nichthauser is sick, she is unable to work'. And they believed her, and the SS lager chief woman would come every day to the barracks to see whether somebody hadn't remained there. She would go into the room for the sick and see especially that somebody isn't pretending to be sick. She herself would examine the people. The reports from our lager were going to Gross-Rosen because that wasn't far from us.

David Boder

Why so?

Fela Nichthauser

For example, we belonged to the concentration camp Gross-Rosen and everything that happened in our lager had to be made known to the commandant of Gross-Rosen. For example, every day there went over a list of the sick and also of the ones who were well and able to work. And so my name went there often, almost every day during the two and a half months. I am sick, constantly sick, and they didn't like it very much because I remained so long in the lager so there came an order that I should be sent to the Auschwitz crematory because I am unfit for work and it is impossible to keep me longer. They didn't tell me that. They knew how sensitive I was. They were afraid that I would do something; they didn't tell me anything. Only after liberation I was told that I was to be sent within a few day to Auschwitz; and all were very grieved and still they couldn't do anything and it surely would have happened that way. Within a few days there came an order that all girls, that means the whole lager had to go to transport. It was again one of those times when all the lagers were dissolved and again people were driven away because the Russians were already near. And so we, the sick, had to get up and those who were well also had to get up, and we had to pack all our things, everything we had. We were given a little piece of bread, a bit of margarine, a bit of marmalade, and so we started on foot to transport, and we didn't know where to. And we were marching thirty-five kilometers a day without a stop, without a halt for rest, without anything with SS men, with soldiers, with all the SS women who were with us, and so we were driven day and night, day and night.

David Boder

Were the SS men also marching on foot?

Fela Nichthauser

Yes, also on foot. Often it would happen that an automobile would pass. They would take all the SS men on the automobiles. Only two or three soldiers remained with us to watch us, and the rest were driving a few kilometers ahead and then wait for us again, in some town.

David Boder

Were all people able to march?

Fela Nichthauser

That's it. We were not. I myself couldn't walk. I had a sick leg, I had that time a temperature of about 40, about 39.

David Boder

Was it winter or summer?

Fela Nichthauser

It was winter. It was in January. And before we started outâwe knew that someday we will have to marchâand so many girls made themselves socks and caps out of blankets.

David Boder

Did they permit that?

Fela Nichthauser

It wasn't permitted. We were hiding them. They would have killed us if they would have known that we have made these things. And then, on the day of the transport when she saw that we have these things on us she did not care anymore. She was already leaving the lager. And that was in part our salvation because it was terribly cold, and we outdoors. One night we came to a village where they permitted us to sleep in a barn. But we were five hundred girls and barely one hundred and fifty could get in. The rest remained outside. So we lay down on the cobble-stones and on the snow. It was just a miracle that many did not fall asleep forever. And so we marched and marched until we came to Yanoff. I don't know where it is; I just know the name of the city. There they put us in railroad cards, but such cold cars, open gondolas, dirty. Where barely eighty people could get on, they put one hundred and fifty of us in each car. We were lying one on the other; we were yelling. We began to cease being human because we knew it was just impossible otherwise. We would shout at each other: "Move on! Make room!" We had to talk rudely to each other; it just didn't go otherwise. They did it all on purpose so that we should become mean to each other. Well, we did not beat each other, but it wasn't far from it. And the conditions were terrible. In general no food, and traveling day and night. It was snowing and we were wet through and through. The soldiers and SS men had a separate car. Not a passenger car, but a closed one and there they had a stove, not an electrical, but just a stove, and there they cooked, and prepared various things. They drank coffee and we had to look on. And so we traveled for several days. When we stopped at a station we asked permission of the woman lager commander to wash ourselves, because we haven't washed ourselves for already two, three weeks. When the trip was first on foot she permitted us to wash, and it was January. We undressed and we went into the pond. So we washed ourselves in icy, ice-cold water. She marveled at us. Everybody marveled at us. They didn't want to believe that we were Jews. All that they have heard was that the Jews are dirty. They are unfit to keep clean. The young and beautiful girls had to use such water! With a knife we had to break through the ice so that we could wash a little bit. We cleaned our things and returned to the dirty railroad car. So we traveled several weeks again without food, without anything. They gave us some cold preserves without bread, without anything. It was salty. No water. It really was a miracle . . . One asked a soldier to give us from a pump or a well some water! At every station there was so much water but they wouldn't permit us to fetch it. Sometimes when the train was standing we went over to the locomotive and we scooped up that dirty water, oily warm water. It was so greasy from the oil but we grabbed it so nobody would see us and we drank that water, that dirty water. One night we arrived in Belsen. We stood there in the open. We arrived there at three o'clock at night. We were told we had first to bathe because they were afraid we may have lice. So we, five hundred girls divided into five groups, and each group went separately and they let the girls out from different doors so that they could not talk to us and could not tell us anything what they had been doing, so that we could be prepared. And that precisely was bad. And then my turn came. We were undressed completely naked, we were permitted to take only our shoes.

David Boder

Who did that? Other women?

Fela Nichthauser

Those were men.

David Boder

And men made you undress.

Fela Nichthauser

Yes. they were special prisoners, still lower than we were, so they should have the satisfaction of doing it to us. But we responded with ironic laughter. Women were also present. Jewish women who had to work there.

David Boder

What were the women doing?

Fela Nichthauser

The women were taking away the things. They put them on a stick and the things went into a special oven where they were disinfected so no lice should remain on them, although we had no lice at that time. They undressed us and told us that we will get out things back. So we went in bathing. We wanted to take a shirt or something else for a towel but they did not permit us to do it. We went in just so, only the shoes we could take. But at that time we had no good shoes. Mine were big, very big wooden shoes. Three pair of feet like mine could go into one such shoe, with which I have worked already for months in the lager, and these we could take with us. I still had some pictures from home, from my mutti, from my papa, and from my brothers and sisters and many, many other pictures. But I specially wanted to take with me those of my family. They didn't permit me to do so. They immediately burned it all except for a few small pictures that I hid deep in the shoe so that they could not find them. I saved these few pictures which are so precious to me, and are full of deep memories. And so I went bathing under the shower and there were men present. They laughed, they mocked us, they went amidst the wet bodies and they . . . [here she said she couldn't find a German expression and just showed what they were doing slapping herself on the buttocks]. And for the bathing they took us into a hall where the water was frozen on the walls. And no towels were given, no soap, we just washed ourselves, that way in the water and we stood in that hall for hours, and waited until the things came from that oven, from disinfection. That is how we dried ourselves. The water on our hair froze to the head, and the drops of water froze on us. We huddled ourselves to each other so that we could warm ourselves a bit. We really could not believe that people could do such things to us, move us after such very hot water to such a cold hall, where there was only water and frost. We had to get dry by ourselves. I was all blue from the cold. So we waited two hours until our things came and they were really not our things that came. I did not get my dress but a dress that belonged to another girl, and to the other girl they gave in turn my things. Everything was mixed up. We got a shirt, a pair of pantaloons and a dress. They did not permit anything more. Everything else we had to abandon. So we went at night, deep in the night, late in the night to the barracks. We were chased and beaten, so we should go faster.

David Boder

Who beat you?

Fela Nichthauser

The soldiers. They were just soldiers, not SS men. Plain soldiers. We didn't know the way to the barracks. It was very far from the bathhouse. We arrived in the barracks and it was ptich dark. We couldn't see the door or nothing. They pushed us in like pigs. Locked us up and went away. And so in the dark we looked for some bed, for a table. One couldn't find anything. But on the next morning, when daylight appeared, we saw that the room was empty, that we had nothing. We had only the floor and the walls. Broken glass in the windows, and the wind blew from all sides. We sat down on the dirty floor and our life started anew. From January to April, I was in Belsen. But these couple of months cost me much more than the three and a half years spent in other lagers. In the other lagers I could wash myself, we did not suffer from hunger, we could go around clean, I could keep my things still in order. Here we were five hundred girls in one barracks. Soon arrived five hundred more two hundred more, one hundred more, everyday . . . Hungarian poeple, Russian people, all kinds. Old people, healthy people and sick people. All together, one next to the other. One had lice, the other did not have any, so now she had lice too. And so it was. Horrible, horrible. And so we sat there for months on the dirty soiled floor.

David Boder

Didn't you work in Belsen?

Fela Nichthauser

Absolutely no. Only the strong Russian people worked there. Not the Russians, the Ukranians.

David Boder

Women?

Fela Nichthauser

Yes, they were very strong, twenty-five to thirty years of age.

David Boder

What kind of work were they doing?

Fela Nichthauser

They worked in the fields. In the gardens. It was a very, very big lager and extended for kilometers. Before, it was a military instalation. Soldiers lived there, and later they made it a concentration camp. There the people were concentrated to be led to their death, to be driven to their death. There was a crematory where they burned only the dead people. They didn't have to burn the people alive because thousands and thousands were lying before the blocks every day, dead from typhus.

David Boder

Before your block?

Fela Nichthauser

My block and various other blocks. After I was a few days in the block they ordered a part of the girls to go to another block. So I went there. We didn't know where and what for and we noticed that it was a block on which it was written, "Here reigns death". It was a typhus block. In it were only old Gypsies, Hungarians. They all had typhus and we were still all well. We still looked human. This block led us to all evil. I was there with Gypsies, they were reasonably friendly with me. These were German Gypsies. It was dirty, terribly dirty.

David Boder

Were there so many Gypsies?

Fela Nichthauser

There were a lot of people. There really weren't so many Gypsies but they were all mixed up. There was a terrible mess of people.

David Boder

And you too were in those barracks?

Fela Nichthauser

Yes, I still was well that time. I still had a little piece of blanket, that I was beating out every day. I cleaned it. I still had in my possession a little comb, a tooth brush, some tooth paste, and my hair brush.

David Boder

Tooth paste, where from? Where did you get toothpaste?

Fela Nichthauser

We got it sometimes in the other lager, not very good paste, but one could still clean his teeth with it. I had that and nothing else. My overcoat and a piece of blanket and I brushed them every day. I brushed them with my hair brush.

David Boder

Did they let you out during the day?

Fela Nichthauser

Only in front of the block. It was fenced off with barbed wire, because that was a typhus block. It was contagious and so other people shouldn't get near there.

David Boder

Did any of the girls with you get sick?

Fela Nichthauser

We came five hundred to Belsen and one hundred and twenty-two remained. There was a special list made of us. The rest died from typhus or from sheer dirt. I too came pretty close to it. I remember the day when I saw the first lice on myself. On my blouse. I couldn't believe it, I cried like a little child. I had never lice on me and I couldn't believe it. Other people had lice, but I shouldn't have had any. And so the others, near to whom I was sitting laughed at me! 'today you have one, tomorrow you will have two, in a week you will have thousands!' And so it was. And then I didn't have any more strength to remove the lice from me. They crawled over me like ants . . .

David Boder

On your body?

Fela Nichthauser

Yes. And although I looked over my things twice a day so that I should have some rest at least for five minutes. But at night I couldn't sleep. We were not sleeping with our legs stretched out. We slept sitting up because there was no room. People were sitting in rows, back to back. The legs, just very little space for them. So we sat for months, for weeks without food. At the end we didn't get any bread; for six weeks we had no bread. Only a little bit of soup if you could call that soup. Water with turnips and without salt. Once a day a very small cup, and we had still to fight for it. And there were terrifying scenes. So frightful. There were my girl friends with whom I was in the other lager. Such beautiful girls, young girls. In the other lager we sometimes enjoyed a bit of humor, we danced, even gave some plays. There were very gifted girls among us. I too was one of them. For instance I arranged various theatricals. If a girl had a birthday, for example, we always would arrange something. And we sang or put a little verse together so we could bring about a bit of joy. And that all passed through my memories while I was in Belsen. And I saw the same girls who danced with me, who were so gay before, so full of will to live in spite of the hard life. Then we still believed in freedom. Now one after the other died. At the block where I was, the face of every girl near dead was so changed, I could recognize that such a girl will die in a few minutes. Only from hunger and from filth. How often was I called, I should come over! People, the called. ''Come over to me!' I couldn't do it because I felt my heart would break. One was unable to see the person. Just the eyes. Eyes and lice. One didn't see anything else but lice. And all in tatters, no clothes.

David Boder

What do you mean by lice, just lice?

Fela Nichthauser

No person, just lice all over her. One would look over his things. Everything would be cleaned up. All beaten out to the last piece of blanket. And one would sit down. In a moment the same thing all over again. People had terrible skin erruptions. After I was freed I was full of skin sores. My body was covered with wounds. It was terrible. We did not believe that I will get it over. Many girls, many of my girl friends went insane. People were yelling at night: 'Where am I?' They were calling, mama. They were calling brother. They were calling. One had to hold one's ears, not to listen to such screams. One didn't want to believe it and every day the Germans would come in, the German womenâfor appell. Every day they called us for appell. I can remember Irma Grese. Her I knew in person. You should have heard of her.

David Boder

Which Irma Groese?

Fela Nichthauser

Irma Grese who was recently hanged.

David Boder

Oh, that one.

Fela Nichthauser

Yes, from Belsen. I knew her personally. I didn't know that she was called Irma Grese. Now after liberation I saw her picture in the paper. These things have been written about, how she dressed and what kind of a face she had and so I knew that it was she. I remember her very well. She did with us, specially with our block, such terrible things. Her face, you know, was so beautiful. Large blue eyes, and beatuiful golden hair. Beautifully dressed in such a trim SS costume and a stick in her hand and a large dog. And she would come to us every day and before she would arrive we had to wait for her three, four hours. From eight in the morning to eleven in the morning, we were called to the appell square without washing, without food, without anything. We had to stand there in the rain and snow and frost, that was all the same. Stand lined up, four or five abreast. The block trusty was inside the block, and waiting until she came. We had to stand, we couldn't sit down. We wanted to sit down even on that wet, muddy ground. But we had to stand at attention till Irma Grese came. Then she would come . . . She had once prohibited us to have anything on our head.

David Boder

What do you mean "anything on your head"?

Fela Nichthauser

A kerchief or some covering. Kerchiefs we really didn't have. Everything was taken away from us, but we had such little rags that were cut out from the blankets, grey blankets. It was fortunate the one could have such a little piece. And standing outside for hours, in the snow or in the rain one would throw such a thing over her head. We needed it. She had prohibited it. And these girls who were doing it would hide behind. They would not stand in the first rows, but in the fifth row behind. She could not count at a distance with her eyes. But she had to put on every head her whip. That is how she counted. One after the other.

David Boder

Did she beat you with the whip?

Fela Nichthauser

So, 1,2,3 [demonstrating the strokes] and nobody could move. And when she would notice that some of us would have that little piece of blanket on her head she would approach her immediately with a smile, and would tear down that piece of blanket with the person together . She would call her dog, not that the dog should bite, but just to terrorize. It was more terrible than being bitten.

David Boder

What would the dog do?

Fela Nichthauser

The dog would jump at the girl and gnash his teeth as if he was going to bite. She did not permit him to bite. She did not want it. She just wanted to horrify us. She wanted to cause anguish and terror and that was much worse. So she would throw down this blanket together with the person and kick [her] in addition and beat [her] with her whip. She should know not to do it again once it was prohibited. And then, afterwards, when she would talk to the blokova [Polish like word for block trusty] when she would talk to the block trusty, she would ask how many people there were, how many have died and so on, and show such a beautiful countenance, such a kind face. Indeed nobody could tell that just a moment ago she made such scenes and was so bad, that she could be so merciless to other people. As if we were somebody worse than the block trusties I can just tell you that the block trusties were not better. Before the war maybe they were selling onions and garlic on the streets. Now they were big personages in our lager. These girls, we, were really not any more human; real animals. People dragged down and down into the mud, once human, who have been going to universities and museums, something of the kind. I am not talking now about myself. I am now talking about the people who were not people any more. Before the war they really were human beings.

David Boder

You are talking about the prisoners?

Fela Nichthauser

The prisoners of course. We were not treated like human beings. They thought we were Jews, born, of course, in cellars somewhere, that we didn't have any mutti. We don't know what a white bed is! We don't know what good soup is! That is what they all believed. And I am telling you that the block trusties who ordered us around, were not different, they were worse than any of these girls, these children. What hurt us so badly was that they have but us at such a low level. When we wanted to go out we had to report, to ask permission to go out we had to stand at attention and say, 'Frau Lager Trusty', or leader, something of the kind, depending on who the SS woman was. It was up to her to say 'yes'.

David Boder

What do you mean, to go out?

Fela Nichthauser

Well, to relieve oneself.

David Boder

To the toilet?

Fela Nichthauser

To the toilet. If she was in a mood to say yes, all right. If she would say no we would have to go back. Nothing would help. They could make us do what ever they wanted. That means we continued in the block, lying on the filthy floor, no food, just waiting from morning till night, night till morning, just listening to the shooting.

David Boder

Where are now your parents?

Fela Nichthauser

My papaâwhen he was taken, we still had letters from him. I sent him packages. Afterwards his lager was Dachau and at that time all mail was already blocked. We couldn't write. We lost trace of him, we don't know anything about him. My mutti surely is not alive anymore. She was about fifty years old. My mother would have been now fifty-four . But she was in Auschwitz and surely is not alive anymore.

David Boder

Was she deported to Auschwitz?

Fela Nichthauser

Deported.

David Boder

Did you know about it?

Fela Nichthauser

A whole transport of the women has gone to Auschwitz. My older sister was with her husband in [name of locality indistinct]. During the war I still received some little mail and all at once that stopped and those horrible things were going on. Germans have murdered the people and I don't know anything about them till this day and that is already seven years. Eight years I haven't seen my sister. Neither my brother-in-law. Also my brother, a married one, he had a little boy two years old. He also was deported in 1942 from [name of locality indistinct] where he used to live and was sent away to the Ukraine. He is not alive any more.

David Boder

You don't know anything about the child.

Fela Nichthauser

The child was taken with them. The child was dragged along.

David Boder

Tell me, how were you freed?

Fela Nichthauser

I was liberated in Belsen on the fifteenth of April.

David Boder

Tell me about the day or the day before liberation. What happened there?

Fela Nichthauser

I can tell you, I haven't told you half of what I went through in Belsen. Believe me, I could not tell you as much about the three and a half years [of captivity] as about the few months I spent in Belsen. And about the people I have seen, as well as about myself. It is horrible; one cannot describe it in words because it hurts too much. I looked like a seventy-year old woman. I was unable to move. I was all run down, emaciated, unwashed for weeks, without undressing. In that one dress and coat I was lying on the floor. I wanted some water for a drink, I couldn't get it. I had diarrhea for two months and then I had typhus.

David Boder

You also contracted typhus?

Fela Nichthauser

Yes, naturally. I had a horrible typhus. I had diarrhea that I couldn't stay for a moment in the block.

David Boder

What was it, spotted typhus or intestinal typhus?

Fela Nichthauser

That was intestinal typhus.

David Boder

Where were you lying? In the hospital?

Fela Nichthauser

No, absolutely no. We were not being treated. When it was known that there are many people sick with typhus, they wanted it that way. Sure, every day a few soldiers would come in to see that the bodies were thrown out in front of the block.

David Boder

How many dead were there lying in front of the block?

Fela Nichthauser

They were not immediately transported to the crematories.

David Boder

What do you mean in front of the block? Weren't the dead people removed?

Fela Nichthauser

Yes, there were four special women. Four Hungarian women whose job it was to do it. When a woman would die, that was immediately reported. The four women who received a bit of soup for it, because they were still reasonably strong, would take a grey blanket, put the dead person on the blanket and throw her out in front of the block. And so these bodies would lie sometimes two weeksâsometimes two weeks, sometimes three weeks, till there had accumulated fifty, one hundred, two hundred dead, till there came the Jews, men under guard, and transported them to the crematory. And often I, when I would pass the crematories . . .

David Boder

You mean to say the dead ones were lying there many weeks outside?

Fela Nichthauser

Yes, they were lying there with nothing on. Often I would pass the crematory because at night we had to fetch these kettles with soup; every day there was another shift. We passed the crematories and we saw mounds and mounds, it was unbelievable, of dead, of dead with thom the crematory could not keep up. There were mountains of dead, and from the air came all the sickness, these typhus diseases swept through the lager where people lived, where thousands and thousands were still moving around. People went out to pick up some potato peelings, they went around begging for something. There was cooking going on in the kitchen and one could come and beg for a bit of soup. So one would see all those terrible things.

David Boder

And so who freed you?

Fela Nichthauser

The English. In April, when we didn't expect it at all. We didn't expect any liberty. We absolutely did not know that liberation was so near. And it comes to us. We didn't have any contact with anybody. All at once we saw the SS men and the SS women carrying white bands on their arms.

David Boder

What does that mean?

Fela Nichthauser

Armbands. That meansâthey surrender.