David P. Boder Interviews Jürgen Bassfreund; September 20, 1946; München, Germany

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[In English] This is Spool 9-137Bâthe beginning of the interview with JÃrgen Bassfreund, or as it's given "I Did Not Interview the Dead," Jorn Gastfreund. Boder.

David Boder

Munich, Germany, September the 20th, 1946. The spool is at nine minutes. The interviewee is Mr. JÃrgen Bassfreund, twenty-two years old.

David Boder

[In German] Also JÃrgen, wollen Sie mir sagen, wo sind Sie geboren?

Jürgen Bassfreund

Ich bin am 30.9.23 in Bernkastel an der Mosel geboren.

David Boder

Was wollen Sie da sagen am 30. was?

Jürgen Bassfreund

Am 30 September.

David Boder

Am 30 Septemberâin welchem Jahr?

Jürgen Bassfreund

1923.

David Boder

Ja. Wo geboren?

Jürgen Bassfreund

In Bernkastel an der Mosel, das ist bei Trier.

David Boder

Also Sie sind deutscher AngehÃriger, nicht wahr?

Jürgen Bassfreund

Ja, ja, ich bin deutscher StaatsangehÃriger.

David Boder

Also wollen Sie mir dann erzÃhlen, was hat Ihnen passiert von der Zeit, hm, wo Hitler zur Macht kam? Wer waren Ihre Eltern?

Jürgen Bassfreund

Mein Vater war Doktor der Medizin, Manfred Bassfreund.

David Boder

Wo?

Jürgen Bassfreund

In Bernkastel ebenfalls.

David Boder

In Bernkastel, ja.

Jürgen Bassfreund

Ja. Und mein Vater starb schon ein Jahr bevor Hitler an die Macht kam, also im Jahre '32.

David Boder

'32, ja. Da waren Sie ungefÃhr wie alt?

Jürgen Bassfreund

Ich war acht Jahre alt als mein Vater starb.

David Boder

Und was hat ihre Mutter getan? Was war Ihrer Mutter's BeschÃftigung?

Jürgen Bassfreund

Mein Mutter hatte keinen Beruf.

David Boder

Ja.

Jürgen Bassfreund

Sieâwir lebten damals von dem Geld, hm, was mein Vater eben verdient hat und von der Hinterlassenschaft, nicht. Und im Jahr '33 dann zogen wir nach Trier.

David Boder

Trier?

Jürgen Bassfreund

Ja. Das ist 40 Kilometer von Bernkastel entfernt.

David Boder

Bernkastel neben welcher groÃen Stadt ist es?

Jürgen Bassfreund

Bernkastel ist in der NÃhe von Trier.

David Boder

Und Trier ist in der NÃhe von was?

Jürgen Bassfreund

Und Trier gehÃrt eigentlich zu der Reg . . . , zu, hm, das ist im Rheinland . . . gehÃrt zu dem Regierungsbezirk Koblenz.

David Boder

Ist das jetzt in der amerikanischen oder franzÃsischen Zone.

Jürgen Bassfreund

Das ist in der franzÃsischen Besatzungszone.

David Boder

Und das war also ganz nahe zu Frankreich?

Jürgen Bassfreund

Ja.

David Boder

Ja.

Jürgen Bassfreund

Sehr nah zu Luxemburg vor allen Dingen.

David Boder

Nun erzÃhlen Sie mir dann, JÃrgen, wie ist es Ihnen gegangen durch die Hitlerzeit bevor dem Krieg?

Jürgen Bassfreund

Also ich bin damals als einziger Jude auf das Gymnasium gekommen nach Trier. Und damals war's schon so, dass ein gewisser militaristischer Drillâeben von der Lehrerschaft ausâauf die SchÃler, hm, ausgeÃbt wurde, nicht. Es war so, dass wenn der Lehrer morgens in die TÃr reinkam, da grÃÃte er die SchÃler mit âHeil Hitlerâ und die SchÃler mussten ebenfalls âHeil Hitlerâ grÃÃen. SelbstverstÃndlich habe ich das als Jude nicht getan.

David Boder

Sie haben es nicht tun dÃrfen?

Jürgen Bassfreund

Ich habe es nicht tun dÃrfen und auch nicht getan.

David Boder

Ja.

Jürgen Bassfreund

Und . . .

David Boder

Was meinen Sie mit selbstverstÃndlich? Wie alt waren Sie denn?

Jürgen Bassfreund

Ich war damals acht Jahre, aber ich wusste schon damals von meinem Vater her, der damals selbst in den Orten . . . also als Hitler an die Macht kam, schon sehr viel Versammlungen in Lokalen hat aufheben lassen, wie man den Leuten angedroht hat, dass er eben den Juden sagen wÃrde, dass sie nicht mehr dort etwas verkaufen sollten, die Gegend lebt dort meistens vom Weinhandel, nicht, . . .

David Boder

Ja.

Jürgen Bassfreund

. . . und sehr viele auch dadurch beeinflusst waren, und auch die die Versammlungen haben nicht stattfinden lassen. Zur damaligen Zeit war das noch mÃglich, wÃhrend das ja nach drei und dreiÃig nicht mehr mÃglich war.

David Boder

Warum haben sie die Versammlungen nicht stattfinden lassen? Welche Versammlungen haben sie gemacht?

Jürgen Bassfreund

Also diese Naziversammlungen, diese Wahlpropagandareden.

David Boder

Und ja, die haben die anderen nicht stattfinden lasen?

Jürgen Bassfreund

Ja, auf Grund dessen, dass mein Vater gesagt hatte, weil dort die Leute alle vom Weinhandel lebten, . . .

David Boder

Ja.

Jürgen Bassfreund

. . . da wÃrden die Juden sehr viel dort an diese Leute verkauften, an diese Wirtschaften, hat er gesagt, dass er dann den ... den Leuten das sagen wird, dass sie dort nicht mehr verkaufen sollten, wenn sie dort irgendwie einen nazistischen Einfluss, hm, oder Propaganda betreiben wÃrden.

David Boder

Und nach '33 sagten Sie, war das nicht mehr mÃglich?

Jürgen Bassfreund

Nach '33 war es nicht mehr mÃglich.

David Boder

Nicht mÃglich, warum?

Jürgen Bassfreund

Denn es wusste jeder, dass wenn man irgendwie etwas sagte, dass man sofort ins Konzentrationslager kam oder irgendwie in Haft. Und jeder war sehr Ãngstlich und man, man durfte eben nicht auffallen.

David Boder

Ja. Und Ihr Vater starb in welchem Jahr?

Jürgen Bassfreund

Im Jahr '32. Da starb mein Vater, ja.

David Boder

Hm. Also Sie kamen nach Trier. Warum wurden Sie als einziger Jude aufgenommen ins Gymnasium?

Jürgen Bassfreund

Ja, es war damals . . . damals bestand ein gewisser Prozentsatz Juden, die noch ans Gymnasium durften. Und ich weià nicht, wie hoch der Prozentsatz war, jedenfalls war das auf die drei Schulen so verteilt, dass ich gerade noch mit hinein durfte.

David Boder

Haben Sie ein Examen machen mÃssen?

Jürgen Bassfreund

Bitte? Nein, nein, ich . . .das war eben nachdem die vier Grundschuljahre beendet waren, war es so bei uns, dass man dann auf die hÃhere Schule kam, nicht, also aufs Gymnasium. Und da meine Mutter mich Arzt werden lassen wollte, musste ich eine humanistische Bildung haben, also Latein undânichtâwie das so ist. Aber es war schon damals sehr schlimm, man wurde sehr angefeindet unter den SchÃlern, weil sie, hm, versuchten mÃglichst, hm, . . . sehr viel antisemitische Propaganda zu machen und haben einem natÃrlich das Leben sehr erschwert. Und als ich das eine Jahr hatte, wollte ich schon gar nicht mehr zur Schule gehen und habe meine Mutter gebeten, sie soll mich auf eine . . . auf eine jÃdische Schule gehen lassen. Und meine Mutter zog damals mir zu Liebe nach KÃln. Dort war noch ein jÃdisches Realgymnasium. Und ich hab dann . . . ich bin dann von Ãbergesiedelt nach KÃln und bin dort auf die Schule gegangen.

David Boder

Also sagen Sie mir mal, war das Realgymnasium in KÃln . . . ein jÃdisches Gymnasium von bevor dort?

Jürgen Bassfreund

Bitte?

David Boder

War das Gymnasium schon bevor Hitler ein jÃdisches Gymnasium dort?

Jürgen Bassfreund

Ja, ja, das war schon, das war schon vor Hitlers Zeit ein jÃdisches Gymnasium.

David Boder

Und man hat das bestehen lassen?

Jürgen Bassfreund

Ha, man hat das vorlÃufig noch bestehen lassen. Wie lange es bestanden hat, weià ich allerdings nicht mehr.

David Boder

Und also wie lange waren Sie dort in KÃln auf dem Gymnasium?

Jürgen Bassfreund

In KÃln auf diesem Gymnasium war ich bis zum Jahre 1936.

David Boder

Ja. Also wie viele Klassen haben Sie da durch gemacht?

Jürgen Bassfreund

Also ich war, ich ging bis zur Quarta damals und dann kam ich nach Coburg in ein jÃdisches Internat.

David Boder

Warum sind Sie von KÃln weggegangen?

Jürgen Bassfreund

Weil ich, hm, in KÃln . . . also in KÃln war es so, man lernte nur FranzÃsisch und Englisch und ich hÃtte gerne noch Latein gelernt.

David Boder

Ja.

Jürgen Bassfreund

Und diese MÃglichkeit bestand damals nicht und auÃerdem war es auch so, dass man schon in . . . dass es . . . also es wurde einem in einem jÃdischen Internat natÃrlich mehr geboten. Es war dort ein jÃdisches Leben, das bestand, nicht, und es war dort eben besser.

David Boder

Wie viele Kinder haben Ihre Eltern gehabt?

Jürgen Bassfreund

Meine Mutter hatte, also . . . auÃer mir habe ich noch eine Schwester, die in England lebt. Sie kam kurz vor dem Krieg im Jahre '39 nach England.

David Boder

Nun . . . und, hm . . . aber damals war Ihr Schwester noch hier?

Jürgen Bassfreund

Damals war meine Schwester noch hier, jawohl.

David Boder

Und wo ist sie zur Schule gegangen?

Jürgen Bassfreund

Mein Schwester ging ebenfalls dort in diese Schule, das war . . . fÃr die MÃdchen . . .

David Boder

Was das das Internat?

Jürgen Bassfreund

Nein, in diese Tagesschule in KÃln, das war eine gemischte Schule fÃr MÃdchen und Knaben.

David Boder

Ja und nachher?

Jürgen Bassfreund

Und nachher ging meine Schwester in den Haushalt.

David Boder

Was heiÃt ein Haushalt?

Jürgen Bassfreund

In eine Haushaltungsschuleâin eine jÃdische.

David Boder

In eine jÃdische Haushaltungsschule?

Jürgen Bassfreund

Ja, ja.

David Boder

Also weiter. Und haben Sie dann durch das Internat das Gymnasium beendet, haben Sie Ihre Matura gemacht?

Jürgen Bassfreund

Nein, ich konnte die Matura damals nicht mehr machen . . .

David Boder

Hm, hm.

Jürgen Bassfreund

. . . denn damals war es, war es schon sehr schwer und meine Mutter wollte mich, hm, weil sie sehr Ãngstlich war, weil Coburg bekannt war fÃr sehr antisemitische Stimmung, hat mich meine Mutter wieder zurÃckgeholt.

David Boder

War das Coburg-Gotha?

Jürgen Bassfreund

Ja, das ist dieses Coburg, das bekannt war durch diesen Hitlerputsch, glaube ich.

David Boder

Was?

Jürgen Bassfreund

Durch diesen Hitler Putsch damals in Coburg.

David Boder

War das neben MÃnchen?

Jürgen Bassfreund

Ja, da liegt also nicht sehr weit von Eisenach, zwischen . . . das ist Frankenâzwischen NÃrnberg und Eisenach liegt das.

David Boder

Ja, weiter. Also wie ist es Ihnen dort weiter gegangen?

Jürgen Bassfreund

Also, ich bin dann von dieser Schuleâich binâich war damals in der Untertertiaâbin ich fortgekommen und wir sind damals nach Berlin gezogen und ich habe dann eine Handwerkerschule besucht.

David Boder

Eine jÃdische Handwerkerschule?

Jürgen Bassfreund

Eine jÃdische Handwerkerschule, jawohl. Es war damals . . .

David Boder

Wer hat diese Handwerkerschule veranstaltet?

Jürgen Bassfreund

Diese Handwerkerschule wurde damals von der jÃdischen Gemeinde in Berlin veranstaltet.

David Boder

Und weiter.

Jürgen Bassfreund

Dann besuchte ich anschlieÃend, weil ich immer sehr groÃes Interesse an Fotographie hatte, hab ich einen fotographischen Kurs gleich anschlieÃend mitgenommen, der ebenfalls von der jÃdischen Gemeinde in Berlin veranstaltet wurde. Und wurde dann im Jahre 1941 einfach aus dieser Schule herausgenommen und man zwang mich, in einer Fabrik zu arbeiten. Das war damals schon dieser Kriegseinsatz, an dem die Juden auch, hm, zu dem die Juden hin mussten. Und ich bin damals in eine Fabrik gekommen und habe dort Leder transportieren mÃssen und meine Mutter war in derselben Fabrik und hat dort auch gearbeitet und Leder ausgestanzt. Also damals gab es das Ãberhaupt nicht, dass man irgendwie von der Arbeit hÃtte fernbleiben kÃnnen. Es war so, dass es eben eine Pflicht war und wenn man gefehlt hat, wurde es als Sabotage betrachtet, hm, und man wurde eben dementsprechend verhaftet oder . . .

David Boder

Ja.

Jürgen Bassfreund

. . . wie die meisten, man ist plÃtzlich verschwunden, nicht.

David Boder

Nun sagen Sie mal, wo ist dann Ihre Schwester geblieben?

Jürgen Bassfreund

Meine . . .

David Boder

War sie auch in der Fabrik?

Jürgen Bassfreund

Nein, meine Schwester kam schon im Jahre â39 glÃcklicherweise noch nach England, dank der Initiative meiner Mutter, die an ein Kinderkrankenhaus nach Newcastle upon Tyne geschrieben hatte und meine Schwester konnte dort als baby nurse, hm, . . .

David Boder

Arbeiten.

Jürgen Bassfreund

. . . arbeiten.

David Boder

Ist Ihre Schwester Ãlter?

Jürgen Bassfreund

Mein Schwester ist zwei Jahre Ãlter als ich.

David Boder

Ist sie jetzt in England auch?

Jürgen Bassfreund

Meine Schwester ist immer noch in England, jawohl.

David Boder

Und wo ist Ihre Mutter?

Jürgen Bassfreund

Meine Mutter, hm, . . . lebt wahrscheinlich nicht mehr. Wir wurden damals im Jahre 1943, das war am sieben und 27 Februar plÃtzlich von der Arbeit weg genommen. Ich arbeitete damals auf der Bahn und die Leibstandarte Adolf Hitler trieb uns in Autos hinein und wir wurden zu einem Sammellager gefahren.

David Boder

Wir kommen danach wegâspÃter. Also Sie haben beide in einer Fabrik gearbeitet? In welchem Jahre an?

Jürgen Bassfreund

Das war vom Jahre '41 ab.

David Boder

Also vom Jahre '41 da fingen Sie und Ihre Mutter an in einer Fabrik zusammen zu arbeiten?

Jürgen Bassfreund

Ja, das heiÃt wir mussten.

David Boder

Sie mussten! Hat man Sie fÃr die Arbeit bezahlt?

Jürgen Bassfreund

Ja, natÃrlich einen ganz geringen Lohn. Die Frauen erhielten 40 Pfennige die Stunde und ich war damals noch Jugendlicherâich bekam, hm, 43 oder 44 Pfennige.

David Boder

Und Sie haben zu Hause gelebt?

Jürgen Bassfreund

Ja, ich habe zu Hause noch gelebt, ja.

David Boder

Ja, Sie hatten einen Wohnung, wie groà war die Wohnung?

Jürgen Bassfreund

Ja, unsere Wohnung waren drei Zimmer.

David Boder

Ah, hm.

Jürgen Bassfreund

Drei Zimmer und KÃche.

David Boder

Nun weiter, also was war nachher?

Jürgen Bassfreund

Also nachher spitzte sich die Lager immer mehr zu. Es war schon . . .. dann kam diese Sache mit dem Judenstern auf, nicht. Und es war schon gefÃhrlich, Ãber die Strasse zu gehen. Naziagenten, Gestapoagenten liefen herum und verhafteten Juden auf der Strasse. Ich erinnere mich zum Beispiel an einen Freund von mir, der mit mir in der Fabrik arbeitete. Er wurde . . . sein Vater wurde abends von Polizei verhaftet. Und es wurde gesagt, dass in Berlin ein Attentat auf eine Naziausstellung verÃbt worden ist und, hm, diese Judenâes waren, glaub ich, 500 soweit ich noch mich erinnern kann, wurden dann in der SS-Kaserne in Lichterfelde erschossen. Und die AngehÃrigen dieser Leute wurden zwangsverschleppt. Also damals sagte man âevakuiertâ. Also, spÃter hat man erst gewusst, was es eigentlich ist.

David Boder

Hat man damals das nicht gewusst?

Jürgen Bassfreund

Nein. Und ich habe den Eindruck, dass selbst die jÃdische Gemeinde das nicht gewusst hat. Denn noch als ich, als ich verhaftet wurde, gab man uns noch Seife und KleidungsstÃcke mit, weil wir von der Arbeit ja nichts mit hatten, auÃer den, auÃer diesen Sachen, die wir anhatten. Hat uns die jÃdischen Gemeinde selbst noch Sachen gegeben und ich nehme an, wenn sie gewusst hÃtte, wo wir hinkommen, hÃtte sie das selbstverstÃndlich nicht getan.

David Boder

Nun ja, vielleicht . . . Wir kÃnnen das nicht diskutieren. Aber die jÃdische Gemeinde hat gewusst also . . . hat Ihnen Sachen mitgegeben. Und warum hat man gerade Sie herausgeholt von der Arbeit oder. . .?

Jürgen Bassfreund

Man hat alle geholt . . . das war . . .

David Boder

Alle?

Jürgen Bassfreund

. . . das war eine GroÃaktion. In Berlin hat man sÃmtliche Juden, die mit mir arbeiteten, es waren ungefÃhr 50 Mann auf unserem Bahnhof, hat man 40 verhaftet, wir wussten selbst nicht, wie uns geschah. PlÃtzlich waren wir umringt von der Leibstandarte, und wurden dann mit FÃÃen getreten und in Autos verladen.

David Boder

Ja, nun und wohin wurden Sie dann geschickt?

Jürgen Bassfreund

Wir wurden in ein Sammellager gebracht, das . . . das frÃher einmal, also, ein GebÃude der jÃdischen Gemeinde war.

David Boder

Ja.

Jürgen Bassfreund

Und dort lagen Matratzen und wir mussten dort drei, vier Tage von Polizei und SS bewacht, mussten wir dort zu bringen. Und dann kamen wieder Autos und wieder wurden wir von der Leibstandarte zu einem ganz entlegenen Bahnhof in Berlin gebracht und wurden dort einwagoniert und . . . und die Wagons wurden verschlossen. Und vorher wurde uns noch gesagt, dass wenn je . . . wenn ein Mensch aus dem Wagon flÃchten wÃrde, dass dann der ganze Wagon erschossen wird.

David Boder

Nun . . . hat Ihre Mutter gewusst, dass Sie verhaftet worden sind?

Jürgen Bassfreund

Nein, . . . ich weià es nicht. Ich selbst wusste nicht, dass meine Mutter verhaftet wurde, aber . . .

David Boder

Nein, hat ihre Mutter gewusst, dass Sie verhaftet worden sind?

Jürgen Bassfreund

Na, ich weià es nicht, weil ich meine Mutter nicht mehr gesehen habe seit diesem Zeitpunkt.

David Boder

Seit diesem Zeitpunkt haben Sie Ihre Mutter nicht mehr gesehen?

Jürgen Bassfreund

Nein.

David Boder

Also, nun wollen wir mal sehen, wohin wurden Sie dann geschickt von diesem abgelegenen Bahnhof? Wie heiÃt der Bahnhof?

Jürgen Bassfreund

Der Bahnhof ist der Verladebahnhof Putlitzstrasse und zu dieser Zeit damals wurden gefangene Russen meistens dort ausgeladen, also das war ein ganz entlegener Bahnhof in Berlin, er lag gegenÃber von einer groÃen RÃstungsfabrik, Thyssen [?].

David Boder

Ja. Nun und wohin . . . wie wurden Sie dann in diese Wagen eingeladen - vergessen Sie das. Wie viele Personen wurden Sie in einen Wagen eingeladen?

Jürgen Bassfreund

Wir waren damals ungefÃhr 50 Personen in einem Wagen. Und Frauen und MÃnner und Kinder durcheinander. Und die TÃren wurden zugemacht. Und wir sind weggefahren und sind nachmittags um fÃnf abgefahren und waren am anderen Abend um halb elf in Auschwitz.

David Boder

Hat man ihnen zu essen gegeben auf dem Weg?

Jürgen Bassfreund

Die jÃdische Gemeinde hat uns noch Brote mit gegeben, jawohl, und . . .

David Boder

Die jÃdische Gemeinde hat gewusst, dass sie weggeschickt werden?

Jürgen Bassfreund

Ja, selbstverstÃndlich hat die jÃdische Gemeinde das gewusst.

David Boder

Ja, wieso ist das so selbstverstÃndlich?

Jürgen Bassfreund

Wir haben es ja auch gewusst. In der Minute, wo wir auf die Bahn gesetzt wurden, wussten wir, dass wir wegkommen. Nur wir wussten nicht, wohin wir kommen.

David Boder

Und so hat die jÃdische Gemeinde Ihnen zu essen mitgegeben?

Jürgen Bassfreund

Ja.

David Boder

Was hat sie Ihnen gegeben?

Jürgen Bassfreund

Also wir bekamen damals, hm, sechs Scheiben Brot mit Margarine und KÃse. Weià ich noch.

David Boder

Das war alles?

Jürgen Bassfreund

Ja.

David Boder

Und was haben Sie getrunken?

Jürgen Bassfreund

Wir bekamen, in jeden Wagon wurde eine Kanne mit Wasser gestellt.

David Boder

Ja.

Jürgen Bassfreund

Also so ein groÃes GefÃÃ.

David Boder

Ja. Und die Wagons wurden zugeschlossen. Was fÃr Wagons waren die?

Jürgen Bassfreund

Es waren diese gewÃhnlichen Wagons, in denen man die Waren transportiert, also diese . . .

David Boder

Das sind Frachtwagons.

Jürgen Bassfreund

Frachtwagons, ja.

David Boder

Hatten Sie eine Toilette dort gehabt?

Jürgen Bassfreund

Nein, eine Toilette hatten wir nicht und das wurde sogar im Laufe des Tages war das eine sehr schlimme Angelegenheit, weil doch sehr viele Leute in der Aufregung auf Toilette mussten und es war doch keine MÃglichkeit, irgendwie etwas zu machen. Wir hatten eine SchÃssel im Wagon und es war natÃrlich unangenehm, die TÃren waren zu und die Luft wurde schlecht.

David Boder

Ja. Und da waren Frauen und Kinder und MÃnner alle zusammen?

Jürgen Bassfreund

Ja, Frauen und Kinder und MÃnner alles durcheinander.

David Boder

Sie sagten, sie waren 50 auf der Station. Waren das alle MÃnner, die 50 Leute in Ihrer Fabrik, waren das alle MÃnner, die dort verhaftet wurden?

Jürgen Bassfreund

Nein, es wurden verschiedene, es waren in den Wagonsâalso in diesen Wagons waren verschiedene, also manchmal die Frauen noch und die MÃnner mussten die Adressen von den Frauen sagen, weil sie nicht wussten, wo sie hingehen und man hat die Frauen dann zu Hause durch Polizei abholen lassen. Und ich hab noch etwas vergessen, was ich fÃr sehr wichtig erachte. Bevor wir abtransportiert wurden, mussten wir unterschreiben, dass wir wegen staatspolitischer und feindlicher Umtriebe Deutschland verlassen mÃssen.

David Boder

Aha. Das mussten Sie unterschreiben?

Jürgen Bassfreund

Ja, das mussten wir unterschreiben.

David Boder

Ihre Mutter hat ja mit Ihnen auf der Fabrik gearbeitet.

Jürgen Bassfreund

Ja, aber nachher nicht mehr. Meine Mutter . . . ich wurde dann zur Bahn geschickt und . . .

David Boder

Ja, aber sagen Sie . . . achâSie wurden zur Bahn geschickt!

Jürgen Bassfreund

Ja, ich wurde zur Bahn in die Arbeit geschickt und meine Mutter war noch in der Fabrik.

David Boder

Darum, wenn man Sie genommen hat, hat man noch ihre Mutter in der Fabrik nicht genommen.

Jürgen Bassfreund

Ja, doch. An diesem Tag machte man eine Aktion und sÃmtliche arbeitenden Leute wurden weggenommen. Ich glaube, das war in ganz Berlin verschieden.

David Boder

Also nun, Sie kamen wohin dann, nach Auschwitz?

Jürgen Bassfreund

Ja.

David Boder

Was hat dort passiert?

Jürgen Bassfreund

Also in Auschwitz wurden wir ausgeladen aus diesen Wagons und man . . .

David Boder

War das ein ganzer Zug?

Jürgen Bassfreund

Ja, es war ein ganzer Zug, es waren 1000 Menschen.

David Boder

Ja, wieso wissen Sie die Zahl?

Jürgen Bassfreund

Ja, also es war durchgesickert, dass jeder Transport 1000 Menschen betragen hat. Und der ungefÃhren SchÃtzung nach, also als die Leute, die vor den Wagons standen, ist es auch anzunehmen, dass es 1000 Menschen waren.

David Boder

Nun weiter.

Jürgen Bassfreund

Und wir wurden aus diesen Wagons herausgetrieben mit, hm, von SS- Leuten, die mit SpazierstÃcken auÃer ihren Gewehren bewaffnet waren und man fing an, auf uns einzuschlagen und als nun die Frauen auf die eine Seite mussten und die MÃnner auf die andere und . . . also wir getrennt wurden, erhob sich ein groÃes Geschrei und es war sehr schlimm. Es hÃrte sich anâalso, man kann es gar nicht wiedergeben. Ich werde dieses Schreien nie vergessen kÃnnen.

David Boder

Warum hat das Geschrei angefangen? Die Frauen waren ja nicht mit den MÃnnern verheiratet.

Jürgen Bassfreund

DochâselbstverstÃndlich waren sehr viele Ehepaare darunter. Und man hat die Kinder den . . . es war nun so, dass verschiedentlich die MÃnner die Kinder auf dem Arm hatten, und die Frauen mussten die Kinder nehmen. Nun fanden die MÃnner mannchmal in der dunklen Nacht und bei den vielen Menschen die Frauen nicht und dadurch war ein groÃes Geschrei. Vielleicht ahnten auch die Leute schon, was . . . was ihnen passieren wÃrde.

David Boder

Und was hat Ihnen passiert?

Jürgen Bassfreund

Also ich wurde zu den MÃnnern gestellt und ein SS-Mann fragte mich, ob ich gesund sei. Darauf hin sagte ich âjaâ, und dann sagte er, ich muss auf die andere Seite gehen. Und auf der anderen Seite standen alte und schwache MÃnner und meistens Frauen mit Kindern und Ãltere . . . Ãltere Personen. Und wir haben spÃter erst erfahren, dass dort, dass diese Frauen und diese Ãlteren MÃnner zur Vergasung gebracht wÃrden. Mir selbst fiel auf, als ich dort ankam . . .

David Boder

Sind Sie auf die andere Seite gekommen?

Jürgen Bassfreund

Bitte?

David Boder

Sind Sie auf die andere Seite gekommen?

Jürgen Bassfreund

Ich kam auf die rechte Seite und ich wusste selbst damals noch nicht, was das bedeuten sollte. Jedenfalls mussten wir warten. Ich sah . . . ich wollte mich orientieren und sah in der Ferne Ãberall TÃrme mit Posten besetzt, mit SS-Posten mit Maschinengewehr und sah in der Ferne ein sehr groÃes Feuer brennen. Ich wusste damals noch nicht, was es war und erfuhr erst spÃter, dass das die groÃen Krematorien von Auschwitz sind, wo diese ganzen Leute vergast und verbrannt wurden.

David Boder

Ja, also sind Sie als SchwÃchling auf die andere Seite rÃber gegangen?

Jürgen Bassfreund

Nein, ich kam auf die Seite der Leute, die arbeitsfÃhig sind.

David Boder

Aber der SS Mann hat ja gesagt, dass Sie schwach sind.

Jürgen Bassfreund

Nein, er fragte mich, ob ich gesund bin und daraufhin sagte ich âjaâ und dann musste ich auf die rechte Seite zu den arbeitenden Leuten gehen. Und dann wurden wir auf groÃe Lastwagen verladen und wurden nach Buna gebracht. Also Buna, das ist ein Nebenkonzentrationslager von Auschwitz selbst, das liegt ungefÃhr sechs, sieben Kilometer von Auschwitz entfernt. Und damals plante dort die I. G. Farben, eine synthetische Gummi- und Benzinfabrik zu errichten.

David Boder

Ja.

Jürgen Bassfreund

Und wir wurden damals zu diesen Arbeiten genommen. Also zuerst, als ich ankam, es war Nacht, wurden wir wieder geschlagen und dann mussten wir stehen bis morgens um fÃnf Uhr. Dann wurden wir in einen neuen . . .

David Boder

Warum wurden Sie geschlagen?

Jürgen Bassfreund

Ja, warum, das . . . das wussten die meisten Leute selbst nicht. Das war ein sogenannter LagerÃltester, das war der erste HÃftling des Lagers und das war ein Berufsverbrecher . . .

David Boder

War er ein Jude?

Jürgen Bassfreund

Nein, es war kein Jude. Es war ein Berufsverbrecher und er schlug auf die Leute ein. Ich erinnere mich noch, dass zum Beispiel, dass der Vater eines meiner Kollegen damals von ihm an einen . . . an einen Ofen gedrÃckt wurde, an eine Heizung, und dass er sich ein ganzes Loch aus dem Bein rausgebrannt hat.

David Boder

Ach, war die Heizung heiÃ?

Jürgen Bassfreund

Ja.

David Boder

In welchem Monat des Jahres war es?

Jürgen Bassfreund

Das war im Februar.

David Boder

Ja, nun?

Jürgen Bassfreund

Dann kamen wir in den Waschraum. Und dort mussten wir uns erst eiskalt baden und dann bekamen wir die Haare abgeschnitten.

David Boder

Wer hat das gemacht?

Jürgen Bassfreund

Das mussten HÃftlinge machen.

David Boder

Und dann haben sie die Haare abgeschnitten?

Jürgen Bassfreund

Also mit einer Rasiermaschineâganz kurz, nicht.

David Boder

Ja, auf dem ganzen KÃrper?

Jürgen Bassfreund

Ja, auf dem ganzen KÃrper, es war eine sogenannte âEntlausungâ, wie man dazu sagte. Also es wurden die Haare abgeschnitten, wir wurden mit Petroleum eingerieben und mussten dann kalt brausen, dann mussten wir nackt Ãber den Hof gehen . . .

David Boder

Und noch einmal kalt baden, nicht wahr?

Jürgen Bassfreund

Ja, danach noch mal baden und mussten dann nackt Ãber den Hof gehen und bekamen dann ein nasses Hemd, das war wohl noch aus der WÃschereiâganz nassâein nasses Hemd und eine StrÃflingsjacke und âhose, einen Pullover und . . .

David Boder

War das ein warmer Pullover?

Jürgen Bassfreund

Ja, ja, es war allerdings verschieden, manchmal war es ein dÃnner und manchmal war es ein dicker, wie man gerade GlÃck hatte, nicht.

David Boder

Waren die Sachen neu?

Jürgen Bassfreund

Nein, die Sachen waren abgetragen und es ist anzunehmen, dass war aus den frÃheren Transporten, wie das in Auschwitz meistens der Fall war; entweder von vergasten Leuten oder von Leuten, die also . . . die Sachen mussten wir ja alle an der Bahn liegen lassen, nicht, mitnehmen durften wir ja gar nichts. . .

David Boder

Und die Sachen, die Ihnen das jÃdische Komitee gegeben hat?

Jürgen Bassfreund

Ja, die mussten wir alle liegen lassen. Niemand durfte etwas mitnehmen. Es gab manche Leute, die selbstverstÃndlich nicht Ãberraschend wegkamen, das heiÃt, die zu Hause geholt wurden, die durften noch Koffer mitnehmen, aber sie haben die Sachen selbstverstÃndlich nie mehr gesehen, sondern die Sachen wurden beschlagnahmt und sie mussten alles stehen und liegen lassen. Und wer irgendetwas in der Hand hatte, wurde noch geschlagen und so, also es war besser, alles schnell weg zu werfen, bevor irgendwie ein SS-Mann irgendwie etwas gesehen hat.

David Boder

Haben Sie Geld mit sich gehabt?

Jürgen Bassfreund

Ja, Geld hatte ich mit mir, allerdings war es nicht viel; es waren ungefÃhr 50 Mark. Ich hatte auch einen Ring am Finger, den hat mir sofort ein SS-Mann abgezogen.

David Boder

Hm. Nun?

Jürgen Bassfreund

Als ich dann im Lager war, mussten wir dann . . . uns registrieren lassen. Wir bekamen dann diese bekannte TÃtowierung von Auschwitz in den Arm. Ich bekam die Nummer 106377.

David Boder

Ist das eine Eins?

Jürgen Bassfreund

Das ist eine Eins, Null, hundertsechstausenddreihundertsiebenundsiebzig.

David Boder

Siebenundsiebzig, und was bedeutet das Dreieck?

Jürgen Bassfreund

Dieses Dreieck wurde erst spÃter hinein gemacht, das heiÃt Jude. Also die . . .

David Boder

Wann spÃter . . . wurde das . . . ?

Jürgen Bassfreund

Das wurde drei Monate nachdem ich im Lager war, wurde das gemacht. Es war wahrscheinlich eine VorsichtsmaÃnahme, oder sie wollten genau wissen, wer Jude und wer nicht Jude ist, weil die polnischen HÃftlinge und die auslÃndischen Arbeiter ebenfalls tÃtowiert wurden, wollten sie eben die Juden noch besser kennzeichnen.

David Boder

Aha und die polnischen und die auslÃndischen Arbeiter wurden tÃtowiert?

Jürgen Bassfreund

Ja . . . und wir auch und wir erhielten danach dieses Dreieck, also . . . um damit zu sagen, dass wir Juden sind.

David Boder

Weiter. Nun?

Jürgen Bassfreund

Dann wurden wir zur Arbeit geschickt und wir . . . also schon am Morgen versuchten viele, Selbstmord zu begehen. Sie liefen aus der Reihe der Posten raus und wurden dann eben erschossen, net. Dann schrieb man die Nummer auf den Bauch mit einem Tintenstift und die Leute wurden liegen gelassen und wurden dann spÃter mit einem Wagen abgeholt . . . mit einem Auto wurden sie abgeholt.

David Boder

Welche Nummer schrieb man auf den Bauch?

Jürgen Bassfreund

Die Nummer, die man auf dem Arm hatte, schrieben sie noch mal auf den Bauch . . .

David Boder

Mit einem Tintenstift?

Jürgen Bassfreund

Mit einem Tintenstift, ja. Und dann wurden die Leute auf Autos verladen und zum Krematorium gebracht.

David Boder

Ja, nun?

Jürgen Bassfreund

Und damals wurde ich in ein Kommando gesteckt, das war Zementtragen. Und es war damals, es war so, wir mussten so arbeiten, dass wir . . . wir durften uns keine Minute ausruhen und selbst wenn einem die Hose rutschte, weil es natÃrlich selbstverstÃndlich alles verschiedene Hosen waren. Einer hatte eine Hose, die sehr gross war und ein anderer hatte wieder, die zu eng war. Also wir konnten noch nicht einmal die Hosen raufziehen und da stand ein Dings, ein Capo dabei und der schlug uns immer mit einer Eisenstange, wenn wir uns irgendwie ausruhen wollten oder . . .

David Boder

Ja.

Jürgen Bassfreund

. . . oder einmal Pause machen wollten. Und dann mittags um zwÃlf Uhr bekamen wir dann eine Suppe, das war Wasser mit so einem . . . mit BlÃttern so eine . . . es war unidentifizierbar, was es war und dann mussten wir wieder . . . diese Suppe mussten wir im Stehen essen. Und wir wurden dannâdirekt nachdem wir, direkt nachdem wir diese Suppe gegessen hatten, war schon der Mittag vorbei, weil es ja ein groÃes Kommando war. Es waren vielleicht 800 Menschen in diesem Kommando und wir mussten wieder weiter arbeiten und . . .

David Boder

Und das war in welchem Jahr?

Jürgen Bassfreund

Das war im Jahr '43 im Februar.

David Boder

Nun . . . und von Auschwitz wohin sind Sie gekommen?

Jürgen Bassfreund

Von Auschwitz . . . ich war erst in diesem Nebenlager und kam dann im Juni nach Auschwitz selbst.

David Boder

In '43?

Jürgen Bassfreund

Ja, im Juni '43 kam ich in das Hauptlager von Auschwitz.

David Boder

Nun?

Jürgen Bassfreund

Und in diesem Hauptlager von Auschwitz war es . . . insofern war man noch nÃher und an dieser ganzen Sache dran, man wusste genau was passiert. Man sah von dort auch schon die Krematorien auf den Arbeitsstellen und man hÃrte auch von diesen Transporten, wÃhrend man auf diesem Nebenlager weniger wusste. Es wurden Leute weggefahren und man sagte, sie kommen in ein anderes Lager, aber damals wusste man noch nicht so genau. Erst spÃter in Auschwitz habe ich dann erst kennengelernt, wie diese ganzen Sachen vor sich gehen. Also es wurden zum Beispiel Leute die krank waren, die im Krankenrevier lagen, wurden aufgeschriebenâangeblich, weil sie schlecht aussehen, damit sie mehr Brot bekÃmen. Aber es war nicht so. Am anderen Tag wurden sie auf Autos geladen und wurden dort in die Gasanstalt gefahren, nicht, und wurden dann vergast und am anderen Tag waren die Kleider von diesen Leuten, die die getragen haben, schon wieder in der WÃscherei zum Waschen. Ich hab auf diese Art selbst einmal einen Anzug von einem Freund von mir, der mit mir aus Berlin kam, selbst wieder erkannt, weil die Nummer noch oben war.

David Boder

Ah, hm. Nun? Also wohin sind Sie nach Buna gegangen?

Jürgen Bassfreund

Von Buna kam ich dann nach Auschwitz, in das Hauptlager. Wir wurden damals auf, auf . . . mit einem Auto hingefahren. Es waren sieben Menschen im Ganzen und zwar aus dem einfachen Grund, weil man behauptete ich sei zu schwach, deshalb hat man mich nach Auschwitz geschickt. Wir kamen damals in den sogenannten Krankenbau und dort wurde uns schon gesagt, dass wir uns mÃglichst schnell . . . dass wir mÃglichst schnell wieder fort gehen sollten, damit wir nicht auch in diese Vergasungstransporte kamen, die damals zu meiner Zeit fast vierzehntÃglich, manchmal auch anders, manchmal auch . . .

David Boder

Noch einmal, man hat gesagt, dass sie was tun sollten?

Jürgen Bassfreund

Ich soll mich schnell wieder zur Arbeit melden, damit ich der Vergasung entgehe.

David Boder

Nun und weiter.

Jürgen Bassfreund

Und das habe ich auch dann getan. Ich habe ihnen sofort gesagt, dass ich mich wieder gut fÃhle und . . . und ich mÃchte wieder arbeiten. Und daraufhin hat man mich dann aus diesem Krankenbau entlassen und ich kam dann auf eine Arbeitsstelle in einer Tischlerei. Und das war eine Tischlerei von dort . . . die lag zwischen Auschwitz und Birkenau. Und in diesem Birkenauâdas war dieses Lager, wo auch diese Krematorien waren. Und ich hab damals in der ersten Zeit, wir haben nachts gearbeitet, und nachts um zwÃlf Uhr ist mein Freund und ich immer raufgegangen in diesem hohen GebÃude und wir haben von oben gesehen dann, dass die . . . dass diese BrÃnde und . . . weil die Krematorien damals nicht ausgereicht haben . . .

David Boder

[In English] Munich, September the 20th, 1946 in a transient camp of UNRRA in the Funkenkaserne. We continue with the interview of JÃrgen Bassfreund, which we started on Spool 137, interrupted by the songs of the Mennonites, and now from . . . and now from eighteen minutes of Spool 138 we begin again.

David Boder

[In German] Also, JÃrgen, Sie haben erst in Bauarbeit getan, nicht wahr? Und dann wurden Sie zu einer Fischerei versetzt, hm?

Jürgen Bassfreund

Ja.

David Boder

Also Sie waren einerseits schwach und dann hatten Sie Angst gehabt, dass man Ihrer SchwÃche wegen, Sie mÃglichst, hm, umbringt und so sind Sie zurÃck zur Arbeit gegangen.

Jürgen Bassfreund

Ja.

David Boder

Nun weiter.

Jürgen Bassfreund

Und ich habe dann im September 1943, das war wohl zu der Zeit, als Italien kapitulierte, also als das faschistische System zusammenstÃrzte, da war natÃrlich die Wut sehr gross unter den Nazis und man hat sofort einen groÃen Vergasungstransport zusammengestellt und zu diesem Transport sollte ich auch kommen. Ich hab mich durch einen Trick da herausgerettet, und zwar sollte der Transport nach dem tÃglichen Appell, der abends stattfand, und an dem immer abgezÃhlt wurde, also nach der Arbeit, ob Leute weg gekommen sind, abhanden gekommen sind oder geflÃchtet sind. Und diese, diese Rapporte, wie man das im Konzentrationslager nannte, sind dem ObersturmfÃhrer gemeldet worden, dem Lagerkommandanten, dann bin ich einfachâanstatt zur Vergasung, zu der ich schon aufgeschrieben warâzur Arbeit gegangen.

David Boder

Das war in der Nacht?

Jürgen Bassfreund

Ja. Ich habe nachts gearbeitet in dieser WÃscherei, dort wurde Nachtschicht und Tagschicht gearbeitet.

David Boder

Also wiesoâwofÃr wurden Sie aufgeschrieben? Was hat man Ihnen gesagt?

Jürgen Bassfreund

Also man hat zu mir gesagt, es wird ein Transport zusammengestellt fÃr schwache Leute in ein anderes Lager, wo leichte Arbeit ist. Aber das hat nicht gestimmt, also an meinem Bett, wir hatten diese dreistÃckigen Betten, an meinem Bett war mit Kreide ein Kreuz gemachtâzur Erkennung, net, dass ich . . . dass ich in diesem Bett liege und dass ich fÃr diesen Transport bestimmt war. Und ich hab mich dadurch gerettet, dass ich nachts zur Arbeit ging. Und als ich morgens wieder ins Lager kam, da war dieser ganze Transport schon lÃngst vergast und die Kleider waren schon wieder zurÃck zum Waschen, wie das immer Ãblich war. Und ich hab mich dadurch aus diesem Transport. Also ich habe dadurch mir das Leben gerettet, denn sonst wÃre ich ja auch zu diesem Transport gekommen.

David Boder

Haben die denn bei der Arbeit nicht gewusst, dass Sie nicht mehr dort hingehÃren?

Jürgen Bassfreund

Na, selbstverstÃndlich, man hat es gewusst, aber ich hab es im Einvernehmen mit dem Capo hab ich das gemacht.

David Boder

Also der Capo hat es gewusst?

Jürgen Bassfreund

Ja, der Capo hat davon gewusst, ja. Und ich hab dann . . .

David Boder

War der Capo ein Jude?

Jürgen Bassfreund

Nein, der Capo war kein Jude.

David Boder

Was war er?

Jürgen Bassfreund

Der Capo war ein Deutscher, und war sogar ein, ein Berufsverbrecher . . .

David Boder

Ja.

Jürgen Bassfreund

. . . aber er hatte manchmal sehr gute Seiten an sich, und . . .

David Boder

Haben Sie ihm etwas dafÃr gegeben?

Jürgen Bassfreund

Nein, ich hab ihm nichts dafÃr gegeben. Ich hÃtte ihm auch nichts geben kÃnnen, weil ich gar nicht dazu in der Lage war, weil ich im Lager immer zu der Unterschicht gehÃrt habe, es gab nÃmlich im Lager, genau wie drauÃen auch verschiedene Schichten. Es gab die Capos und die BlockÃlteste, die alles im Ãberfluss hatten, nicht, und dadurch, dass sie eben . . . dass sie uns schikanierten und uns der SS auslieferten, wie das in vielen FÃllen passiert ist und andere wieder, das waren die Blockschreiber und so, die mit ihnen unter einer Decke waren, die hatten natÃrlich ein gutes Leben. Und dann gab es eben wieder eine Arbeiterschicht, zu der wir gehÃrten, die effektiv nur von dem gelebt haben, was sie bekommen haben und das war dieses StÃck Brot, diese zwei Scheiben trockenes Brot und die Suppe. Das war alles.

David Boder

Nun weiter.

Jürgen Bassfreund

Nun wollte ich eigentlich erzÃhlen, wie wir nachher, als schon die russischen Armeen Auschwitz sich nÃherten, von Auschwitz nach Dachau transportiert wurden. Das ist insofern sehr interessant, weil es eigentlich die grÃÃte Strapaze von allen war, die wir im Lager mitgemacht hatten. Wir waren sehr viel schon gewÃhnt, aber das war das Letzte, wo die meisten Menschen wahrscheinlich haben ihr Leben lassen mÃssen.

David Boder

Von wo ging der Transportâvon Auschwitz nach Dachau?

Jürgen Bassfreund

Von Auschwitz nach Dachau, ja.

David Boder

Also wollen Sie uns bitte Ãber diese Reise ausfÃhrlich, ganz ausfÃhrlich erzÃhlen.

Jürgen Bassfreund

Ja, ganz ausfÃhrlich erzÃhlen. Also am 18. Januar sahen wir nachts schon . . .

David Boder

Welches Jahr?

Jürgen Bassfreund

1945. Da sahen wir schon die Leuchtkugeln von der Front aufsteigen, also die Front war nicht weit von uns. Also Krakau war von uns 60 Kilometer entfernt und es waren schon GerÃchte durchgesickert, dass in Krakau schon die Russen sind. Nun wurden wir plÃtzlich wahllosâwurde alles auf Transport geschickt, morgens ging schon ein Transport. Wir mussten noch den Tag Ãber arbeiten und als wir abends ins Lager kamen, waren wir die letzten, die auf Transport gingen. Es war an dem Tag sehr kalt und wir bekamen etwas Verpflegung mit und wurden dann auf den Marsch geschickt. Also wir sind erst stundenlang durch die Nacht marschiert. Und zwarâwir sind . . .

David Boder

Das war im Januar?

Jürgen Bassfreund

Ja. Und kamen dann nach PleÃ. Unterwegs sind furchtbar viele Menschen erschossen worden, die nicht mehr weiter konnten und die schlapp gemacht haben; also jeder, der auf der Strecke liegen blieb, wurde erschossen, ob das Frauen oder MÃnner waren, das spielte keine Rolle. Wir sind nÃmlich mit dem Frauenlager zur gleichen Zeit weggegangen und trafen die Frauen vor Pleà und sahen auch unterwegs sehr viel Leichen von Frauen auf der Erde liegen, nicht. Und wir sind nachts marschiert, tagsÃber mussten wir rasten, damit die BevÃlkerung nicht gesehen hat, wie wir durchgefÃhrt werden. Und abends, wenn es dunkel war, sind wir wieder weitermarschiert.

David Boder

Im Januar?

Jürgen Bassfreund

Ja, das war im Januar.

David Boder

War da Schnee?

Jürgen Bassfreund

Ja, es war Schnee und es war sehr kalt. Es war direkt ein Schneesturm, man konnte die Augen gar nicht aufmachen.

David Boder

Und was fÃr eine Kleidung hatten Sie?

Jürgen Bassfreund

Wir hatten nichts weiter als unsere AnzÃge, als unsere StrÃflingsanzÃge. Und teilweise hatten wir sehr schlechte Schuhe. Also es war so: die erst gegangen sind, haben sich schon bessere Sachen wegnehmen kÃnnen, nicht, aber als wir mit dem letzten Transport gingen, war nur schon alles, was gerade noch so Ãbrig war. Das wurde uns dann gegeben, das heiÃt, man konnte es sich nehmen. Es war schon keine Ordnung mehr im Lager, die SS war schon . . . also schon auf dem Abmarsch. Alles wurde evakuiert. Die PferdestÃlle der SS mit den sehr wertvollen Reitpferden und alles . . . das war alles schon unterwegs. Und wir sind dann marschiert Ãber Pleà und kamen an einen kleinen Ort in Schlesien, der hieà LÃslau und dort wurden wir einwagoniert und fuhren dann nach GroÃ-Rosen, das auch ein sehr berÃchtigtes Konzentrationslager war, wo besonders viele Berufsverbrecher waren. Also dort wurden wir zu . . . zu . . .

David Boder

Welche Stadt in der NÃhe ist GroÃ-Rosen?

Jürgen Bassfreund

GroÃ-Rosen, das dÃrfte in der NÃhe von Breslau sein, genau weià ich es nicht, aber so in der Gegend muss es sein. Und wir sind dann dort in dieses Lager hereingekommen und dort steckte man uns in Baracken hinein. Es war eine Unmenge Menschen, man konnte noch nicht mal nachts schlafen. Wir haben alle aufrecht gesessenâalso es war einer an dem anderen. Und wenn man irgendwie ein bisschen sich bewegt oder bisschen rumgegangen ist, war immer schon ein Berufsverbrecher da mit einem groÃen HolzknÃppel und der hat dann wahllos in die Menge hinein geschlagen. Also, es war furchtbar. Und als plÃtzlich dann am zweiten Tag gesagt wurde, es ging wieder einen Transport, da habe ich mich schnell freiwillig gemeldet, weil ich mir gedacht habe, schlimmer kann es schon gar nicht mehr kommen wie in diesem Lager. Zum Essen bekamen wir Ãberhaupt sehr wenig, eine ganz dÃnne Wassersuppe, da waren manchmal noch nicht mal mehr KohlrÃben drin, wie es sonst Ãblich war, und ein StÃck Brot. Dann schickte man uns, sagte man uns, also das ist durchgesickert, dass dieser Transport nach Dachau geht. Also wir sind angetreten und bekamen noch einen Teller Suppe und dann sind wir von Begleitung von SS zur Bahn gegangenâalso an die Stationâund wurden dort einwagoniert. Es waren teilweise offene und teilweise geschlossene Wagons. Und wir dachten, die geschlossenen Wagons wÃren besser, aber es hat sich nachher herausgestellt, dass wir noch schlechter daran waren.

David Boder

[In English] Alright, continue.

Jürgen Bassfreund

[In German] Und als wir an diesen Wagons standen, da trieb uns die SS dann wieder in die Wagons hinein, und zwar 120 Menschen in einem Wagon. Also es war eine UnmÃglichkeit . . .

David Boder

In einem geschlossenen Wagon?

Jürgen Bassfreund

In einem geschlossenen Wagon. Die TÃren wurden zugemacht, Verpflegung hatten wir nicht mit und nun versuchten wir uns zu setzen. Aber es war nicht mÃglich. Wenn 80 Leute gesessen haben, konnten die Anderen schon nicht mehr stehen und es waren auch sehr viel Leute dabei, die sehr mÃde waren. Also es war nicht anders mÃglich, der Eine ist auf den Anderen drauf gestanden. Wir haben uns auf die Finger getreten und die Leute haben sich natÃrlich wieder gewehrt und haben geschlagen. Also es brach direkt eine Panik aus. Und es war so schlimm, dass Leute wahnsinnig wurden wÃhrend der Fahrt, aber wÃhrend wir gefahren sind, war sonstâunter anderem der erste Tote. Und wir haben nicht gewusst, wo wir die Toten hinlegen sollten; auf der Erde haben sie doch Platz weg genommen, weil sie doch lang gelegen haben. Und dann sind wir auf die Idee gekommen, wir hatten jeder eine Decke mit und da haben wir diesen Toten in diese Decke eingehÃllt. Und an diesem Wagon waren zwei EisenstÃbe, da haben wir ihn oben festgeknotet, nicht.

David Boder

Also wie eine HÃngematte?

Jürgen Bassfreund

Ja, wie in einer HÃngematte. Es war aber . . . wir haben aber bald eingesehen, dass das nicht geht, denn es wurden immer mehr Tote und durch die Hitze im Wagon fingen die Leichen auch schon zu riechen an. Also wir sind gefahren und damals waren diese Transporte, diese deutschen Truppentransporte, die zurÃck gingen von der Frontâweil doch die Front, hm, zurÃck ging, weil die Russen doch immer vorwÃrts gingen, waren die ganzen Geleise verstopft und wir mussten tagelang stehen und erst diese Truppentransporte durch lassen. Nachts haben wir natÃrlich Ãberhaupt nichts sehen kÃnnen und wir sind geschlagen worden und getreten worden. Bei mir war es, zum Beispiel, so, dass meine Hosen, meine HÃftlingshosen, wie ich getreten wurde, wurden sie plÃtzlich aufgerissenâder LÃnge nachâund ich konnte die Hose schon gar nicht mehr tragen und ich war nur noch in Unterhosen. Wir sind so ohne Verpflegung, also ohne einen Tropfen Wasser und ohne ein StÃck Brot, dass trotzdem wir geschrieen haben nach Wasser und drauÃen Schnee lag, hat uns die SS nichts gegeben. Und wir . . . da waren wahnsinnig viele Tote im Wagon als wir dann fÃnf Tage gefahren waren, waren wir in Regensburg. Und es war schon Nacht und da hat die SS die TÃr aufgemacht und hat gesagt, wenn wir die Toten raus werfen, kriegen wir was zu essen. Und da hab ich selbst mit meinem Freund zusammen 25 Tote aus diesem Wagon raus gezogen und drauÃen in den Schnee gelegt, net. Und dann haben wir ein StÃck Brot bekommen und einen kleinen Becher mit Suppe. Das hat damals dieses Rote Kreuz, die Verpflegungsstelle, also wir mussten vor den Wagons antreten und dann bekam dann jeder das so verabreichtâimmer wagonweise.

David Boder

Von wo haben Sie den Becher gehabt?

Jürgen Bassfreund

Den Becher, den hat das Rote Kreuz gestellt, das waren solche Pappbecher.

David Boder

Ja.

Jürgen Bassfreund

Die, die haben wir dann dort bekommen. Und nachdem wir das gegessen hatten, also . . .

David Boder

War das das deutsche Rote Kreuz?

Jürgen Bassfreund

Ja, das war das deutsche Rote Kreuz. Nachdem wir das gegessen hatten, mussten wir wieder in den Wagon zurÃckâalso ich war in Unterhosen und im Schnee. StrÃmpfe hatte ich schon keine mehr angehabt und ich weià auch nicht, was die Leute da gesagt habenâdie Schwesternâweià ich auch nicht, jedenfalls wir sind weiter gefahren.

David Boder

Konnten Sie sich keine neue Hose, eine andere Hose schaffen?

Jürgen Bassfreund

Nein, das war unmÃglich, ich hÃtte hÃchstens einem Toten die Hose ausziehen mÃssen, aber man war so entkrÃftet von der langen Fahrt und wenn man fÃnf Tage und fÃnf NÃchte nicht gegessen hat. Ich habe die ganze Zeit wÃhrend dieser Fahrt gestanden und habe mir nur dadurch das Leben gerettet, dass ich ein StÃck Schnur an den Wagon angebunden habe und mich daran festgehalten habe. Also, es war ein Ding der UnmÃglichkeit. Also, ein Freund von mir, der die ganzen Jahre in Auschwitz ausgehalten hat, ist wahnsinnig geworden wÃhrend der Fahrt. Er wollte mit einem Messer auf mich los gehen und wir haben ihn zu viert oder fÃnft sogar festhalten mÃssen, sonst hÃtte er noch Leute umgebracht. Also, es war direkt eine Panik. Wir hatten Angst vor der Nacht, weil man nachts doch nichts gesehen hat, wenn jemand auf Einem zu kam. Der ganze Wagon war in Aufruhr. Wir hÃrten spÃter, als wir in Dachau ankamen, dass es in den offenen Wagons Ãhnlich war. Also, es war wenigstens dort Luft, aber die Leute sind teilweise erfroren und also . . . Als wir in Dachau ankamen, waren fast mehr Leichen dort als . . . als Ãberlebende. Es waren eben die jÃngeren Leute, die dies ausgehalten haben. Und in Dachau selbst war ich im Ganzen drei Wochen. Und nachdem ich drei Wochen dort war . . . also ich wollte noch erzÃhlen, dass in Dachau zu meiner Zeit eine sehr groÃe Flecktyphus-Epidemie war und dass dort ganze Baracken ausgestorben sind. Und morgens auf Leiterwagen wurden die Totenâder Eine mit dem Kopf nach der Seite, der Andere mit den FÃÃen nach der Seiteâauf Wagen geschichtet und wurden dann zur Verbrennung gefahren. Ich weià heute selbst nicht, wieso wir damals von der Flecktyphus-Epidemie verschont geblieben sind, denn um uns herum, also unsere Baracke im Vordergrund und daneben direkt eine Baracke mit Flecktyphus; also es war furchtbar. Die meisten Leute haben . . . haben versucht so oft wie mÃglich sich jeden Tag zu waschen, um dieser Epidemie zu entgehen, denn es waren sehr viel LÃuse damals in Dachau. Und dann sind wir nach drei Wochenânachdem wir vor dem Lagerkommandanten von Dachau vorbei marschieren musstenâhat er entschieden, wer auf Transport geht und wer im Invaliden-Block bleiben muss. Und ich bin damals selbst auf Transport gegangen.

David Boder

Und was war das fÃr ein Transport?

Jürgen Bassfreund

Der Transport war nach einem Lager, MÃhldorf hieà es. MÃhldorf, das ist ein Ort in der NÃhe von Rosenheim. Es ist 78 Kilometer von MÃnchen und liegt in Oberbayern. Als wir in MÃhldorf ankamen, haben wir ein Lager gesehen, wie wir es selbst in Auschwitz nicht gesehen haben. Also es war an und fÃr sich kein Lager, es waren nur runde Papp-Zelte, so wie Finnen-Zelte, wie man sagt, die meisten Blocks waren so halb unterirdisch. Und Wasser gabâs in diesem Lager nur alle vier, fÃnf Tage. Bewacht waren wir von der SS und bei der Arbeit von der Organisation Todt, das war . . . das waren diese, diese . . .

David Boder

Der Organisation Tod?

Jürgen Bassfreund

Ja.

David Boder

Wer waren diese?

Jürgen Bassfreund

Das waren .auch . . . also in . . . brauner Uniform mit Hakenkreuz Binde, net. Und haben Einem vielleicht genau so gut schikaniert wie die SS. Also ein Unterschied bestand da nicht.

David Boder

Und was haben Sie dort gearbeitet?

Jürgen Bassfreund

Dort mussten wir Zement tragen. Das war eine Baustelle, dort wollte man einen Flugplatz anlegen. Und an diesem, an diesem Flugplatz mussten . . .wurden in drei Schichten gearbeitet. Und die Leute, also nachdem die Russen schon solche Gebiete von Deutschland besetzt hattenâalso Oberschlesien und so, gab es natÃrlich noch ein RationskÃrzung. Dann bekamen nur acht Mann ein Brot und das war sehr wenig natÃrlich, da kam ungefÃhr eine Scheibe Brot am Tag auf einen Mann, nicht.

David Boder

Wo wurde das Brot gebacken?

Jürgen Bassfreund

Das Brot wurde in MÃhldorf selbst gebacken, teilweise bei BÃckern, aber ich glaube, es war auch eine LagerbÃckerei dort. Und ich erinnere mich, dass bei einem Fliegerangriff dieses, dieses Brotdepot in Brand geraten ist und da haben wir vier Tage Ãberhaupt kein Brot bekommen, sondern jeden Tag drei, vier Pellkartoffel. Da kann ich mich auch noch darauf erinnern. Und dann in MÃhldorf selbst waren katastrophale ZustÃnde. Die Leute waren verlaust, man bekam keine WÃsche zum wechseln. Die Leute, die von Warschau schon damals in dieses Lager gekommen sind, hatten schon monatelang Ãberhaupt keine frische WÃsche bekommen. HandtÃcher gab es nicht, wenn man sich waschen wollte, musste man sich am Hemd abtrocknen. Und es war sehr, sehr schwer sich sauber zu halten, denn durch dieses Zement . . . dieses Zement-Tragen war man natÃrlich ganz weià und es war sehr schwer, weil es doch nur alle vier oder fÃnf Tage einmal Wasser gab. Also, es brach dort auch in groÃem Masse Typhus aus, von dem ich auch betroffen wurde und ich bin dann . . .

David Boder

Flecktyphus oder Magentyphus?

Jürgen Bassfreund

Flecktyphusâvon LÃusen, von den KleiderlÃusen. Und ich hab dann ungefÃhr vier, fÃnf Tage dort gelegen mit Flecktyphus, wir haben dort zu zweit in einem Bett gelegen, ein Hemd hatten wir nicht . Wir lagen nackt in den Betten und es war sehr kalt zu der Zeit, aber wir haben doch schon gewusst, dass bald Schluss sein wird, denn man hat schon tÃglich viele amerikanische Flugzeuge fliegen sehen und man hat schon keine SchÃsse mehr gehÃrt von Deutschen, also die, die Abwehr war schon Ãberhaupt nicht mehr in TÃtigkeit und wir haben jeden Tag, jede Stunde gewartet, dass bald die Befreiung kommt. Und am 2. Mai war es dann endlich so weit, man hat schon SchieÃen gehÃrt. Manche Leute haben erzÃhlt, die SS sei schon weg. Ich wusste es natÃrlich nicht, weil ich dort mit Fieber gelegen hab. Jedenfalls weià ich, dass am 2. Mai morgens die ersten Amerikaner ins Lager hinein kamen.

David Boder

In welchem Lager war das?

Jürgen Bassfreund

MÃhldorf am Inn. Und nachdem, nachdem wir zwei Stunden noch im Lager waren, wurden wir bereits in Rote Kreuz-Autos verladen und nach Ampfing gefahren. Das ist ein kleiner Ort neben diesem Lager. Dort wurden wir in HÃusern der Organisation Tod untergebracht, da hat man uns ein Lager zurecht gemacht.

David Boder

Ein Lager zurecht gestellt. Und?

Jürgen Bassfreund

Und wir wurden sehr gut verpflegt und es war sehr gut.

David Boder

[In English] With exception of a half a sentence, this record is completeâwe simply let this spool overrun that time in the Funkenkaserne. Eh, one has to check up whether the next spool has the ending of itâthere is a previous spool that has JÃrgen Bassfreund's story. Whether we have gone over to another one, I will have to check. This final remark was made December the 13, 1946 at my home, while analyzing the records. December 13, 1946. It's a remark made in Chicago, not in Munich.

Herman Barnett

Spool 29â . . . Spool 139, recording starts in about one minute. Spool 139, recording starts in about one minute. This is Hermann Barnett.

David Boder

Spool 139, continuation of Spool 138 and 137. We have JÃrgen Bassfreund continuing his report. Munich, September 20th, 1946. Rather late in the evening at the camp for displaced people . . . managed by the UNRRA.

David Boder

[In German] Also, Sie hatten Typhus bekommen und Sie wurden vom Roten Kreuz nach der Befreiung nach einem anderen Krankenhaus geschafft?

Jürgen Bassfreund

Ja. Und dort war die Verpflegung . . . es war sehr gut. Die Amerikaner haben sich sehr, sehr bemÃht um uns. Wir wurden Ãrztlich sehr gut betreut und die . . . wir bekamen Blutinjektionen. Ich wog damals 64 Pfund, als ich aus dem Lager heraus kam und wir wurden gleich . . . wir bekamen Traubenzuckerinjektionen und Vitamintabletten und es wurde sehr gut fÃr uns gesorgt. Wir bekamen sehr gut zu essen. Und ich hab dann nach vierzehn (14) Tagen, als ich aufstand, wieder einen RÃckfall bekommen und ich musste mich wieder hinlegen. Aber es war natÃrlich jetzt etwas ganz Anderes. WÃhrend man im Lager Ãberhaupt keine . . . keine Medikamente oder irgendwelche Abwehrmittel gegen eine Krankheit erhalten hat, war natÃrlich hier ein Flecktyphus eine ganz andere Sache. Wir wurden . . . wir bekamen Tabletten und wir wurden tÃglich drei, vier Mal vom Arzt, hm, besucht und gemessenâdas Fieber, die Temperatur wurde gemessen und so war es dann auch kein Wunder, dass wir uns bald wieder erholten. Und eigentlich kann ich sagen, dass von den Leuten, die von den amerikanischen Truppen befreit wurden, wenig noch gestorben sind, nachher. Es sind EinzelfÃlle gewesen, wo Leute eben schon so schwach waren, dass wirklich keine Hilfe mehr mÃglich war, aber im GroÃen und Ganzen sind wir alle wieder gesund geworden und sind dann ungefÃhr nach dreimonatigem Aufenthalt in diesem Hospital dann entlassen worden.

David Boder

Ich mÃchte einige nÃhere Einzelheiten, hm, bei der Beschreibung von den Hospital-Bedingungen im Lager haben, bevor die Amerikaner rein kamen. Sie hatten Typhus gehabt, nicht wahr?

Jürgen Bassfreund

Ja.

David Boder

Beschreiben Sie das Zimmer, wo Sie gelegen sind, und so weiter.

Jürgen Bassfreund

Also wir lagen in einem runden Zelt und in diesem Zelt waren drei Betten Ãber einander. Wir lagen zu zweit im Bett, es war unangenehm, zum Beispiel, wenn jemand verstorben war, wollte der BlockÃlteste von diesem Block natÃrlich noch die Brotportion und die Suppe und was eben war, wollte er noch haben und deshalb musste der, durfte der Tote erst einen Tag spÃter als tot gemeldet werden, damit die Verpflegung noch eingetroffen ist fÃr ihn. Und da mussten wir eben so lange mit diesem Toten zusammen noch im Bett liegen. Und es . . .

David Boder

Sie sagten âwirâ. Ist es Ihnen passiert?

Jürgen Bassfreund

Ja, mir selbst ist es einmal passiert, dass ich mit einem toten Franzosen einen Tag liegen musste noch. Und zwar starb er damals an Bauchtyphus, also an Durchfall und ich musste einen Tag noch mit ihm zusammen noch liegen und dann erst ist er . . .

David Boder

In welcher Etage waren Sie?

Jürgen Bassfreund

In der ersten Etage.

David Boder

Unten? Ganz oben?

Jürgen Bassfreund

Nein, in der ersten Etage, erst war das Unterbett und im Mittelbett war ich.

David Boder

Ach so, das untere Bett hat einfach Unterbett gehieÃen?

Jürgen Bassfreund

Ja, das Unterbett, das Eine, das Mittelbett und dann war das Oberbett noch.

David Boder

Aha, ah so! Und Sie waren im Mittelbett?

Jürgen Bassfreund

Ich war im Mittelbett gelegen, ja. Und es war insofern, also es war grauenvoll nachts, erstmals waren die Toten ganz abgezehrt und sahen furchtbar aus. Dann haben Sie meistens . . . noch unter sich gemacht im letzten Moment. Also es war ein sehr unÃsthetisches. . . unÃsthetische Sache. Und ich hab da, hm, im Lager selbst oft solche FÃlle gesehen, also in dem Krankenrevier, dass, zum Beispiel, Leute, die an einem Phlegmon, einer Eiterung gestorben sind, das . . . da war das ganze Bett voller Eiter, nicht, und da war jemand, der vielleicht weniger krank war, der vielleicht nur eine kleine Wunde hatte und der hat sich dann wieder infiziert daran und so. Und wie es Ãberhaupt bei uns im Lager so war, wenn wirklich schon einmal ein Arzt morgens Visite machte, der hatte Ãberhaupt keine Hilfsmittel weiter, mit einer Schere wurden zum Beispiel, die grÃÃten Eiter . . . Eitergeschwulste aufgeschnitten und mit derselben Schere wurde dann am NÃchsten, der vielleicht weniger hatte, der vielleicht nur eine geringe Verletzung hatte, wurde dann mit derselben Schereâohne, dass die vorher irgendwie gereinigt wurde oder wasâwurde dann, hm, der Andere mit behandelt. Und Verbandsstoff gab es ja insofern Ãberhaupt nicht; es gab ganz wenig und das war alles Papierverbandsstoff, also wenn der Verband wirklich schon einmal eine Stunde drauf war, dann war das schon sehr viel, weil das doch immer wieder gerutscht ist und so. Und Tabletten gabâs Ãberhaupt nicht in der letzten Zeit mehr . . .

David Boder

Was fÃr Tabletten?

Jürgen Bassfreund

Also zum Beispiel, gegen FieberâAspirin oder solche Sachen. Das gabâs zum Schluss Ãberhaupt nicht mehr und der Zustand war ebenâje, je mehr, also je mehr wir abgeschnitten waren, umso katastrophaler war der Zustand, nicht. Nachher war schon alles ein Drunter und DrÃber im Lager. Man hat schon Ãberhaupt keine Verpflegung mehr gehabt. Die SS haben geschaut, dass sie weg kamen bevor die Amerikaner kamen und die stellten dann einfach deutsche Polizei oben auf die WachtÃrme und da war Ãberhaupt . . .da waren HÃftlinge, die haben wieder das, hm, das Proviantlager ganz ausgeplÃndert . . .

David Boder

Wie die, wie die Deutschen weggingen?

Jürgen Bassfreund

Ja, wie die SS wegging.

David Boder

Und die Amerikaner noch nicht da waren.

Jürgen Bassfreund

Und die Amerikaner noch nicht da waren.

David Boder

Und mit dem AusgeplÃnderten, was wollen sie damit machen?

Jürgen Bassfreund

Ja, sie habenâs gegessen diese VorrÃte, was noch da war. Weil die Leute waren so ausgehungert, ein StÃck Brot war dort eine groÃe Kostbarkeit, net. Das ist doch selbstverstÃndlich, wenn Leute so ausgehungert sind, dass sie gesehen haben . . . die Kranken, die mussten eben, die konnten nicht aufstehen und wir konnten es uns nicht zumuten, wÃhrend die Anderen, die noch auf warenâalso nicht krank warenâkonnten sich wenigstens aus dem Vorratslager Wurst oder was drin war holen, net.

David Boder

Nun sagen Sie, wie lange hat diese Zwischenzeit gedauert, wo die SS weg waren und die Amerikaner noch nicht da waren?

Jürgen Bassfreund

Ja, also das kann ich nicht genau sagen, weil ich damals sehr im Fieber gelegen hab. Meiner SchÃtzung waren es ungefÃhr ein bis zwei Tage, der ganze Zustand.

David Boder

Ja. Und waren unterdessen ein Arzt dort geblieben?

Jürgen Bassfreund

Ja, ein . . . es waren jÃdische Ãrzte, also HÃftlingsÃrzte, wie man sagte, die waren schon dort. Weil alles was noch gehen konnte, wollten die Nazis wieder weiter auf Transport schicken und nicht den Amerikanern ausliefern. Ich habe also jetzt in der Funkkaserne mit einem Freund von mir gesprochen, den ich zufÃllig dort traf, und er erzÃhlte mir, dass sie noch sehr viel mitmachen mussten. Sie wurden einwagoniert, dann sagte die SS, sie kÃnnen weglaufen, weil die Amerikaner schon da waren. Und als sie mitten im Lauf waren, fing hinter ihnen eine SchieÃerei an und man hat sie wieder eingefangen teilweise und hat die Leute wieder in Wagons und hat sie wieder weiter geschoben. Und dann ist die SS weg gelaufen und dann haben die Amerikaner nicht gewusst, was in den Wagons drin war.. Und es ist noch ein Tieffliegerangriff gewesen, da sind noch HÃftlinge ums Leben gekommen und. . . Also es muss ein katastrophaler Zustand gewesen sein. Zuerst hieà es . . . zuerst hieà es, dass die Kranken erschossen wÃrden, aber . . . es war wohl . . . nachher hatte der Lagerkommandant doch Angst, weil zu so vorgerÃckter Stunde wollte er es vielleicht nichts mehr machen und wir sind einfach so liegen geblieben.

David Boder

Hm, hm. Also nun und, so sind Sie nachherânach Ihrem RÃckfallâim amerikanischen Hospital gewesen?

Jürgen Bassfreund

Ja.

David Boder

Und dann haben Sie sich drei Monate erholt und was ist dann passiert?

Jürgen Bassfreund

Nachdem ich mich dort nach drei Monaten erholt hatte, mussten wir also fort von diesem Lager . . . und wir sind dann nach, nach, hm, MÃnchen gekommen und von MÃnchen aus versuchten wir dann nach Hause zu fahren. Wir hatten uns erst von der MilitÃrregierung PÃsse besorgt; ich habe, zum Beispiel, zuletzt in Berlin gewohnt und ich wollte nach Berlin fahren, und sehen, was meine Eltern, ob meine, ob meine Mutter noch lebt. Und hab, hm, . . . bin aber dann nicht gefahren, weil es doch sehr schwierig war und die Transportverbindungen war doch noch nicht so gut. Also ich bin in Bayern geblieben da, damals.

David Boder

Nun erzÃhlen Sie mir mal, wieviel wissen Sie und was wissen Sie von Ihrer Mutter?

Jürgen Bassfreund

Ich weià eigentlich von meiner Mutter gar nichts. Ich weià so viel, dass meine Mutter nicht mehr aus dem Lager zurÃck gekommen ist.

David Boder

Wissen Sie, dass sie wegtransportiert wurde?

Jürgen Bassfreund

Ja, das weià ich.

David Boder

Wer hat Ihnen das gesagt?

Jürgen Bassfreund

Das erzÃhlte mir ein, ein jÃdisches MÃdel, also die eine christliche Mutter hatte, schon in dem Sammellager war, meine Mutter auch noch gesehen hatte. Und dann wieder frei kam, weil sie eine christliche Mutter hatte, und nicht als VolljÃdin gegolten hat und daher von dem Transport fernbleiben sollte.

David Boder

Aha. Und, hm, Sie haben es probiert nach Berlin zu schreiben?

Jürgen Bassfreund

Ja.

David Boder

Oder verschiedenen Stellen sich zu verbinden?

Jürgen Bassfreund

Ja, ja, natÃrlich, ich hab mich selbstverstÃndlich mit der jÃdischen Gemeinde in Berlin in Verbindung gesetzt, zumal dort der Leiter dieser Gemeinde ein HÃftling war, der mit mir zusammen im Lager war. Und ich hab den Bescheid bekommen, dass meine Mutter nicht dort eingetroffen ist und auch nicht registriert ist. Und es ist wahrscheinlich anzunehmen, dass sie nicht mehr lebt. Denn ich nehme bestimmt an, wenn meine Mutter noch leben wÃrde, dass sie doch jeden Hebel in Bewegung gesetzt hÃtte, um mich zu finden. AuÃerdem hÃtte bestimmt meine Schwester in England doch irgendwie eine Nachricht bekommen.

David Boder

Korrespondieren Sie mit Ihrer Schwester?

Jürgen Bassfreund

Ja, ich korres . . . ich korrespondiere mit meiner Schwester und meine Schwester hat mir geschriebenâsie musste selbstverstÃndlich zuerst meine Adresse nicht und es hat lange gedauert, bis wir wieder Verbindung bekamen.

David Boder

Haben Sie Ihre Schwesters Adresse gewusst?

Jürgen Bassfreund

Ja, ich habe die alte Adresse meiner Schwester gewusst, aber es hat sich insofern verÃndert, dass meine Schwester nachher in die, in die englische Armee eingetreten ist und nach London gekommen ist und die Briefe, die ich nach Newcastle geschrieben habe, sind zurÃck gekommen. Ich lernte aber dann im Schutt einen amerikanischen Soldaten kennen, der selbst in Newcastle Verwandte hat und der hat dann die Verbindung hergestellt und hat dann erfahren, dass meine Schwester gar nicht mehr dort ist, sondern in London.

David Boder

Und dann haben Sie Ihre Schwester in London gefunden?

Jürgen Bassfreund

Dann habe ich meine Schwester in London gefunden, ja.

David Boder

Haben Sie sie gesehen?

Jürgen Bassfreund

Nein, sehen konnte ich sie doch nicht.

David Boder

Sie konnten nicht nach London rÃber fahren?

Jürgen Bassfreund

Nein.

David Boder

Und Sie fahren jetzt weg, ohne Ihre Schwester gesehen zu haben?

Jürgen Bassfreund

Ich fahre jetzt nach Amerika und zwar hat auch meine Schwester mir geschrieben, dass sie es besser findet, wenn ich nach Amerika fahre, denn sie schreibt, dass sie selbst es sehr schwer hat, trotzdem sie jetzt eingebÃrgert worden ist. Aber dass es sehr schwer ist, erstens einmal die AuswanderungsmÃglichkeiten sind nicht so gut und es ist schwerer nach England zu kommen, als nach den Vereinigten Staaten.

David Boder

Und wie haben Sie . . . nun, also da haben Sie sich mit Ihrer Schwester in Verbindung gesetzt. Also, wie sind Sie, wo sind Sie gewesen zwischen dieser Entlassung vom Hospital und das Ihre Ankunft hier in diesem UNRRA, hm, Verteil . . . Verteilungslager oder Transitlager?

Jürgen Bassfreund

Also ich bin gleich nachdem nach FÃrth gefahren. In FÃrth hatte ich eine Tante, die Lehrerin war und ich glaubte, dass sie noch leben wÃrde. Aber ich habe dann von Augenzeugen gehÃrt, dass sie in Riga erschossen worden ist.

David Boder

In Riga?

Jürgen Bassfreund

Ja.

David Boder

Wie ist Ihre Tante nach Riga gekommen?

Jürgen Bassfreund

Mein Tante ist schon im Jahre â41 nach Riga gekommen. Und zwar war das damals auch einer dieser Evakuierungstransporte. Und in Riga hat man dann nach kurzer Zeit Leute zum ErschieÃen genommen, also meistens Ãltere Personen und so und da war meine Tante auch darunter, wie mir gesagt worden ist. Also ich habe meine Tante nicht getroffen und ich wollte gerne in der amerikanischen Besatzungszone bleiben. Also bin ich in FÃrth geblieben. Ich habe dort durch die jÃdische Gemeinde ein Zimmer bekommen und ich hab dort an meine Verwandten nach Amerika geschrieben und habe wieder die Verbindung aufgenommen. Und hatte dann das GlÃck, dass ich von meinem Onkel ein Affidavit bekam und heute hier in der Funkkaserne sein kann und auf den Abtransport warten kann. Und ich habe auch . . . in der Zwischenzeit, ich habe mir gedacht, dass es doch gut ist, wenn man jetzt etwas lernt, weil doch die ganzen Jahre so, so wechselvoll waren und man kam nie dazu richtig sich einer Sache zu widmen. Und ich bin in ein Kino als VorfÃhrer gegangen.

David Boder

Was fÃr ein Kino?

Jürgen Bassfreund

In ein Kino fÃr Zivilpersonen, dass einem Juden gehÃrte, der auch im KZ war.

David Boder

Wo?

Jürgen Bassfreund

In FÃrth selber. Und habe dort gelernt und habe geglaubt, dass es besser ist selbstverstÃndlich, wenn man doch irgendetwas kann und dass man nachher nicht so abhÃngig ist von seinen Verwandten, dass man seinen Lebensunterhaltâwenn es auch primitiv istâdoch immerhin selbst fristen kann.

David Boder

Nun und sagen Sie mal, wie haben Sie die Adressen Ihrer Verwandten gefunden? Haben Sie die immer gewusst?

Jürgen Bassfreund

Nein, selbstverstÃndlich sind sie mir entfallen, aber meine Schwester hat sie mir von England aus geschrieben und von dort aus habe ich dann selbst hin geschrieben. AuÃerdem sagte mir auch meine Schwester die Adresse einer frÃheren Freundin von ihr, die schon im Jahre â36 oder â37 nach den Staaten ausgewandert ist und die in Frankfurt bei der Information Control Division als, hm, als BÃrokraft tÃtig ist und sie hat dann direkt ihre Schwester, die auch hier bei der Besatzungsarmee warâist gleich nachdem sie wieder zurÃck war zu meinen Verwandten gegangen und hat meine Lage geschildert und hat . . .

David Boder

Als sie wieder in Amerika war?

Jürgen Bassfreund

Ja und hat auch, glaube ich, die nÃtigen Schritte unternommen, jedenfalls habe ich danach, kurz nachdem sie dort war von Frankfurt von der HIAS diese Nachricht bekommen, . . .

David Boder

Von der HIAS haben Sie diese Nachricht bekommen?

Jürgen Bassfreund

. . . dass ich, dass ich ein Affidavit habe und ich hab dann noch, ich hab dann noch eine CIC-PrÃfung . . . da habe ich noch vier oder fÃnf Wochen gewartet und bekam dann die Einberufung in die Funkkaserne.

David Boder

Aha. Wer hat Sie in die Funkenkaserne einberufen?

Jürgen Bassfreund

Das UNRRA-Headquarter.

David Boder

Die UNRRA, wie haben die das erfahren, dass Sie wegfahrenânach Amerika fahren?

Jürgen Bassfreund

Ja, nachdem, ich glaube, der Weg ist so: nachdem ich . . . die CIC eine PrÃfung unternommen hat . . .

David Boder

Was ist CIC?

Jürgen Bassfreund

CIC ist das Counter Intelligence Corps. Und man wird dann geprÃft und man muss einen Fragebogen, ob man politisch einwandfrei ist und was da alles drum und dran hÃngt mit einer Auswanderung. Das wird dann geprÃft und wird dann zum Konsulat geschickt und danach wird eben, wird vom Konsulat aus, also die Funkkaserne benachrichtigt, dass man soweit ist, um hier einberufen zu werden, um . . .

David Boder

Also Sie wurden von FÃrth einberufen, nicht wahr?

Jürgen Bassfreund

Von FÃrth aus, ja.

David Boder

Wie weit ist FÃrth von hier?

Jürgen Bassfreund

FÃrth ist von hier . . . also genau die Kilometer weià ich nicht, jedenfalls mit der Bahn zu fahren ungefÃhr drei Stunden.

David Boder

Und wer hat Ihnen die Passage bezahlt?

Jürgen Bassfreund

Wieâdie Passage von . . . >

David Boder

Das Billetâwer hat das bezahlt?

Jürgen Bassfreund

Nach Amerika?

David Boder

Nein, nein, nein von FÃrth nach Frankfurtânach MÃnchen.

Jürgen Bassfreund

Das hab ich doch von dem, was ich im Kino verdient habe, selbst . . .

David Boder

Haben Sie selbst bezahlt?

Jürgen Bassfreund

Habe ich selber bezahlt.

David Boder

So. Und Sie haben einen Onkel in Atlanta, nicht wahr?

Jürgen Bassfreund

Ja.

David Boder

Hm, was tut der dort?

Jürgen Bassfreund

Mein Onkel hat dort eine GÃrtnerei und ein BlumengeschÃft.

David Boder

Eine GÃrtnerei und ein BlumengeschÃft?

Jürgen Bassfreund

Ja.

David Boder

Und Sie fahren direkt zu ihm?

Jürgen Bassfreund

Ja, also ich will erst nochmal in New York zu meinem Onkel und meinen Vetter besuchen

David Boder

Was machen sie dort?

Jürgen Bassfreund

Sie meinen mein Vetter arbeitet bei der Jewish Telegraph Agency.

David Boder

Oh, ja.

Jürgen Bassfreund

Und ist schon, glaube ich, zehn Jahre dort beschÃftigt.

David Boder

Ja und?

Jürgen Bassfreund

Und es ist doch selbstverstÃndlich, wenn ich in New York ankomme, dass ich ihn auch dort besuchen will.

David Boder

Ja. KÃnnen Sie schon ein bisserl englisch?

Jürgen Bassfreund

Ja, ich hab ein bisschen gelernt schon in der ganzen Zeit. Wir haben Kurse gehabt und es waren teilweise Amerikaner dort, die sich sehr bemÃht haben.

David Boder

Wo?

Jürgen Bassfreund

In FÃrthâwar unter anderen ein Lehrer, der dort im Courthouse in NÃrnbergâdas ist FÃrth und NÃrnberg, das ist eine Doppelstadt, nicht, der hat abends immer sich noch Zeit genommen, um uns Englisch Unterricht zu geben und wir haben eigentlich sehr schÃn schon dort gelernt. Es ist natÃrlich noch nicht sehr viel, aber man hat immerhin . . . die Grundbegriffe kennen wirschon und es ist doch immerhin schon besser, als wenn man so . . .

David Boder

Sagen Sie mal . . .

Jürgen Bassfreund

Ja?

David Boder

Sagen Sie mal, sind Sie nach Ihrer Befreiung mit Stockdeutschen zusammen gekommen?

Jürgen Bassfreund

Ja, ich bin mit Christen auch zusammen gekommen, selbstverstÃndlich, und zwar hab ich, muss ich sagen, dass bei diesen Leuten also teilweise das VerstÃndnis fÃr unsere Lage vollkommen fehlt. Also es gibt manche Leute, wenn man da gesagt hat, man kommt aus dem KZ, da haben sie, zum Beispiel, gesagt: âJa, meine AngehÃrigen sind durch Bomben umgekommen, das ist genau so schlimm.â Aber es gab einen Teil wieder, die wollten sich da vÃllig abwenden, die wussten davon nichts, was in den Konzentrationslagern passiert und, hm, wenn sie das gewusst hÃtten und das Volk, da hÃtten sie gar nichts sagen dÃrfen, denn sie waren Ãngstlich, dass sie selbst ins Lager kommen und so. Es ist verschieden die Auffassung. Also ich muss sagen eigentlich ein EingestÃndnis von Seiten der Deutschen, dass man sagen kann, dass sie sagen âja, es war falschâ oder âes war nicht richtig, was wir gemacht habenâ, hat man selten gehÃrt.

David Boder

Ja. Nun sagen Sie, wie verstehen Sie das mit guter Einsicht, was erwarten eigentlich die Deutschen in der Zukunft? Was ist, hm, was ist die Auffassung der Deutschen jetzt von der ganzen Situation?

Jürgen Bassfreund

JJa, also es ist sehr schwer zu sagen. Die Deutschen glauben nun natÃrlich, die Amerikaner mÃssen . . . werden sie wieder herauf heben. Also sie glauben, zum Beispiel, habe ich auch vielfach schon die Meinung gehÃrt: âSage, Du bist Jude, Du gehst heute nach Amerika, Du wirst sehen, es werden Juden aus Amerika noch einmal hierher kommen, damit der Handel wieder auflebt.â Und solche kindischen und naiven Ansichten haben ein groÃer Teil dieser Leute. Und sie kÃnnen auch nicht verstehen, dass uns zum Beispiel eigentlich Deutschland gar nichts bedeutet, auÃer dass wir dort geboren sind und so. Es ist doch selbstverstÃndlichâein Land, wo man alles, was man besessen hat, die Eltern vor allen Dingen, ein Wert, der doch gar nicht zu ersetzen ist, wenn Einem das genommen worden ist, dann kann man Ãberhaupt keine GefÃhle mehr haben fÃr, fÃr so ein Land.

David Boder

Sagen Sie mirâwie weit Sie es wissenâhm, sind welche deutschen Juden also zurÃckgekommen oder haben sich welche deutschen Juden angefangen, hier nieder zu lassen, um wieder zu arbeiten und wieder zu ihrem Gewerbe zurÃck zu gehen?

Jürgen Bassfreund

Ja, also ich muss sagen, es sind ganz, ganz wenige darunter, die wirklich wieder GeschÃfte aufgemacht haben oder, oder Kinos aufgemacht haben. Aber der Prozentsatz ist so gering und, hm, ich glaube trotzdem, die meisten, die ich gesprochen habe, sagen, sie machen es nur vorÃbergehend, um sich hier noch unterhalten zu kÃnnen, wollen aber auch versuchen, mÃglichst bald von hier fort zu kommen.

David Boder

Nun sagen Sie mal, zum Beispiel, der Mann, wo sie im Kino gearbeitet haben, wo war er wÃhrend des Krieges?

Jürgen Bassfreund

Er war auch im Konzentrationslager.

David Boder

Und wer hat im Kino gehabt?

Jürgen Bassfreund

Bitte?

David Boder

Und wer hat im Kino gehabt?

Jürgen Bassfreund

Das Kino hat einem ehemaligen Nationalsozialisten gehÃrt, dem, dem wurde es abgenommen. Und er hat daraufhinâauf Grund dessen, dass er so lange im Konzentrationslager war, hat er das Kino von der MilitÃrregierung vom Nachrichtenkontrolloffizier, also, bekommen.

David Boder

Von welchem Kontrolloffizier?

Jürgen Bassfreund

In NÃrnbergâvom Nachrichtenverbindungsoffizier.

David Boder

Was heiÃt das Nachrichten?

Jürgen Bassfreund

Nachrichtenverbindungsoffizier.

David Boder

Ah, Nachrichtenverbindungsoffizier. Ah, hat er das Kino zurÃckbekommen?

Jürgen Bassfreund

Nein, es hat ihm vorher nicht gehÃrt. Er hat vorher in Breslau gewohnt und ist dann eben nachher nach Bayern gekommen und hat das Kino bekommen dort.

David Boder

Oh, es war nicht sein Kino.

Jürgen Bassfreund

Nein, es war nicht sein Kino.

David Boder

Also wieso hat er das Kino bekommen?

Jürgen Bassfreund

Ja, ich weià auch nicht, er hat es vielleicht . . .

David Boder

Also das Kino wurde nie von ihm weg genommen?

Jürgen Bassfreund

Nein, es wurde nicht von ihm weg genommen.

David Boder

Also sie haben ihm einfach das Kino gegeben, dass er anfangen kann . . .

Jürgen Bassfreund

Ja, aber es ist nicht nur, dass man es einem Juden gibt. Man gibt es Christen, zum Beispiel auch. Ich kenne in FÃrth, zum Beispiel, eine Dame, die bei der . . . die lange in Amerika war und eine Zeit lang bei der MilitÃrregierung als Dolmetscher gearbeitet hat . . .

David Boder

Bei den amerikanische MilitÃrregierung, nicht?

Jürgen Bassfreund

Ja, ja. Und sie hat auch ein Kino bekommen, wenigstens so als TreuhÃnderin, wie man so sagt.

David Boder

Aha, als Verwalterin.

Jürgen Bassfreund

Ja, als Verwalterin.

David Boder

Ist sie eine Amerikanerin oder eine Deutsche?

Jürgen Bassfreund

Nein, sie ist eine Deutsche.

David Boder

Aha. Nun und wie kriegen die anderen ihre GeschÃfte zurÃck? Haben andere Juden angefangen zu praktizieren, welche Advokaten, welche Ãrzte?

Jürgen Bassfreund

Nein, soweit ich im Bilde bin, also ich . . . ich weià keinen zu nennen. Es ist mÃglich, dass vielleicht in MÃnchen oder so etwas existiert, aber bei uns war es nicht der Fall.

David Boder

Leben die jÃdischen Gemeinden wieder auf, zum Beispiel, in FÃrth hat man die Synagoge erÃffnet?

Jürgen Bassfreund

Ja, in FÃrth hat man eine Synagoge, da hat man die Synagoge wieder erÃffnet und zwar war auch wesentlich daran beteiligt die amerikanischen Chaplins, diese Armee-Rabbiner haben sehr viel dazu beigetragen durch Geldspenden. Und sie haben sich sehr darum bemÃht, sie haben dafÃr gesorgt, dass hebrÃische BÃcher wieder kamen, dass wieder Tora-Rollen in die Synagogen kamen und so.

David Boder

Nun, Sie sind ja also schon Amerikaner!

Jürgen Bassfreund

Nein, leider noch nicht.

David Boder

Na ja, Sie sind schon drÃben. Ich will Ihnen sagen, einen guten Rat: Es soll Ihnen keiner einreden, dass die Bildung in Amerika sehr kostlich ist. Es gibt kostliche Schulen, es gibt mittelmÃÃige Schulen, es gibt freie Schulen, es gibt Korrespondenzkurse. Junge Leute studieren, Ãltere Leute studieren. Sie werden schon den richtigen Weg finden. Es wÃrde vielleicht gut fÃr Sie sein, dass Sie in Amerika, nachdem Sie sich ausgeruht haben und ein bisschen sich umgesehen haben, dass Sie zu einer Stelle hingehen, wo man Berufsberatung gibt.

Jürgen Bassfreund

Ja.

David Boder

Psychologische und gewerbliche Berufsberatung. Und sie kÃnnen dann vielleicht etwas fÃr Sie finden, dass Sie am leichtesten lernen sollen.

Jürgen Bassfreund

Ja.

David Boder

Da gibt es solche und die ORT hat auch angefangen in Amerika und Ihre Verwandten wahrscheinlich werden auch Ihnen Hilfe geben und wenn Sie fleiÃig sind und sich an das Leben dort gewÃhnen, dann wird es Ihnen schon gut gehen. Also, danke sehr Herr JÃrgen, und sie werden wahrscheinlich in Amerika bevor mich, hm, bevor ich hinkomme, sein. Und, hm, ich werde Ihnen meine Adresse geben. Sie kÃnnen mir mal schreiben, wie es Ihnen geht.

Jürgen Bassfreund

Ja, vor allen Dingen danke ich Ihnen dafÃr, dass Sie mir Gelegenheit gegeben haben, hier einmal Ãber diese ganzen Erlebnisse aus dem Lager zu sprechen und damit die Leute, damit man ihnen man mal ein Bild geben kann, von dem was wirklich geschehen ist, und das, was ich gesagt hab, sind nur einzelne FÃlle und es ist nicht Ãbertrieben, das kann ich mit gutem Gewissen sagen. Im Gegenteil man kann es nicht so schildern, wie es wirklich gewesen ist.

David Boder

[In English] This concludes the interview with JÃrgen Bassfreund, which starts on Spool 137, was interrupted somehow, and completes here twenty minutes of Spool 139. Munich, the 20th of September 1946âin late in the evening at the displaced persons camp, where about counted five thousand people are . . . live as transients and are expecting transportation to a list of countries that covers practically the whole geography. Hm, only tonight, coming in I saw a group of people waiting at the gate, kind of a group of inter-departmental football, where a organization knowing that the camp is totally overfilled and that there is a menace of possible "revolt" of the . . . â"revolt" in quotation marks of courseâof the inhabitants. New crowds are coming in, the so-called infiltrees; people are now running away from Poland or from other zones coming to the blessed American zone. An Illinois Institute of Technology wire recording.

David Boder

Chicago, November 1st, 1949. This is a duplicated spool for the Library of the Public Health Service. The spool is cut here because it concludes the study of JÃrgen Bassfreund, and begins the new interview with Captain Zeplit, which we shall rewind on a new spool, number 9-139B. David P. Boder.

var english_translation = { interview: [ David Boder

[In English] This is Spool 9-137Bâthe beginning of the interview with JÃrgen Bassfreund, or as it's given "I Did Not Interview the Dead," Jorn Gastfreund. Boder.

David Boder

Munich, Germany, September the 20th, 1946. The spool is at nine minutes. The interviewee is Mr. JÃrgen Bassfreund, twenty-two years old.

David Boder

[In German] Now, JÃrgen, will you please tell me where were you born?

Jürgen Bassfreund

I was born on the thirtieth, ninth, '23 in Bernjastel on the Mosel.

David Boder

What does that mean on the thirtieth, ninth? The thirtieth of September?

Jürgen Bassfreund

The thirtieth of September.

David Boder

And what year?

Jürgen Bassfreund

1923.

David Boder

Yes, and where?

Jürgen Bassfreund

In Bernjastel on the Mosel; that is near Trier.

David Boder

Then you are a German subject?

Jürgen Bassfreund

Oh yes, yes. I am a German citizen.

David Boder

Will you then tell me what happened to you from the time Hitler came to power? Who were your parents?

Jürgen Bassfreund

My father was a doctor of medicine, Manfred Bassfreund.

David Boder

Where?

Jürgen Bassfreund

Also in Bernjastel. And my father had died a year before Hitler came to power, that is in the year of 1932.

David Boder

1932. How old were you then?

Jürgen Bassfreund

I was eight years old when my father died.

David Boder

And what was your mother doing? What was your mother's occupation?

Jürgen Bassfreund

My mother had no profession. We lived from the money that my father has earnedâour inheritance, and in the year 1933 we moved to Trier.

David Boder

Trier?

Jürgen Bassfreund

Yes. That is about forty kilometers from Bernjastel.

David Boder

Near what big city is Bernjastel?

Jürgen Bassfreund

Bernjastel is near Trier.

David Boder

Trier is near what?

Jürgen Bassfreund

Trier belongs to the Rhine province of Koblenz.

David Boder

Is that now in the American zone?

Jürgen Bassfreund

No, that is in the French zone. It was very near to France. Very near to Luxembourg. I visited there twice.

David Boder

Now tell me, JÃrgen, how were things with you in the time of Hitler, before the war started?

Jürgen Bassfreund

I was then admitted as the only Jewish child to the Gymnasium in Trier. And already then a certain military routine was adopted by the teachers in dealing with the children. When the teacher would enter in the morning he would greet the children at the door with "Heil Hitler," and the children had to respond with "Heil Hitler." Of course, I as a Jew did not do it.

David Boder

You did not do it, or you were not permitted to do it?

Jürgen Bassfreund

I was not permitted to do it. And, of course, I wouldn't have done it.

David Boder

What do you mean of course? How old were you then?

Jürgen Bassfreund

I knew already from my father that Hitler was coming to power. He himself broke up quite a few meetings. He threatened people with boycott, that the Jews will not trade with them, and since that region lives mainly from the sale of wine, many were impressed by his threats and would not permit the meetings to take place. In those times it was still possible, but after 1933 that would have been an impossibility.

David Boder

What do you mean the meetings would not take place? To what meetings are you referring?

Jürgen Bassfreund

The Nazi meetings, the aggression propaganda.

David Boder

And these meetings were not permitted by other Germans?

Jürgen Bassfreund

Yes, because my father told them that the Jews will not trade with them, and since all these people trade in wine and the Jews were trading with these farmers a great deal, he threatened that he will tell them not to trade with them anymore if they should tolerate in their midst Nazi influence and Nazi propaganda.

David Boder

And of course as you say, after 1933 that was not possible any more.

Jürgen Bassfreund

After 1933 that was impossible. One knew that if one permits himself to say one word he will get into a concentration camp, or would be detained in some other way and everybody was very much afraid, and at any rate one could not dare to be conspicuous.

David Boder

And in what year did your father die?

Jürgen Bassfreund

He died in 1932.

David Boder

And so you came to Trier. Now tell me how were you accepted in the Gymnasium as the only Jew?

Jürgen Bassfreund

Well, in those times a certain Jewish quota was still in force and a few could still be admitted to the Gymnasium and I don't know how large the quota was. At any rate it was so distributed over the three schools that I still could be admitted.

David Boder

Did you have to pass an examination?

Jürgen Bassfreund

I beg your pardon? Oh no, the regulations were such that if one had graduated from the elementary school one could be admitted directly to the Gymnasium and since my mother had in mind that I should become a physician I had to choose a humanistic curriculum such as Latin and the other subjects, you know. Already then things were very bad. One constantly was driven into conflicts with the Germans because the anti-Semitic propaganda was very intense, and of course, life became very hard. After a year I did not want to go anymore to such a school, and so I started pleading with my mother to send me to a Jewish school. My mother moved to Cologne. Here there was still a Jewish Real-gymnasium. And so we moved from Trier to Cologne and there I went to school.

David Boder

Now tell me was that a Jewish Real-gymnasium from previous times? Was that Real-gymnasium already a Jewish School before Hitler?

Jürgen Bassfreund

Yes, yes, that was a Jewish Gymnasium already before Hitler's time.

David Boder

And they permitted it to continue?

Jürgen Bassfreund

Yes, for the time being they permitted it to continue. How long it continued to exist I, of course, don't know.

David Boder

Now tell me, how long were you in the Gymnasium in Cologne?

Jürgen Bassfreund

I continued at the Gymnasium in Cologne until 1936.

David Boder

How many grades did you go through?

Jürgen Bassfreund

I went through to the fourth grade and from there I found myself in Coburg, in a Jewish boarding school.

David Boder

Why did you leave Cologne?

Jürgen Bassfreund

Well, in Cologne we studied only French and English and I wanted very much to study Latin as well. And in Cologne one could not do that, and besides a Jewish boarding school had much more to offer. There we lead a Jewish life, and in general it was better there.

David Boder

How many children did your parents have?

Jürgen Bassfreund

Well, besides me I have a sister who lives in England. She managed to get over to England shortly before the war, in 1939.

David Boder

But at that time your sister was still over there.

Jürgen Bassfreund

Yes, at that time my sister was still here.

David Boder

Well, where did she go to school?

Jürgen Bassfreund

My sister also went to the same school.

David Boder

The boarding school?

Jürgen Bassfreund

No, to the Gymnasium. That was a coeducational school, for girls and boys. And afterwards my sister was transferred to a school of domestic science, a Jewish school.

David Boder

To a Jewish school of domestic science. Well, continue. And did you complete the course of the Gymnasium in that boarding school?

Jürgen Bassfreund

No. That time one could not graduate any more. At least it was very difficult. And since my mother was very apprehensive because Cologne was noted for its anti-Semitic mood she took me back to Coburg.

David Boder

Was that in Gotha?

Jürgen Bassfreund

Oh, it was the Coburg, famous I think on account of the Hitler Putsch.

David Boder

Was that near Munich?

Jürgen Bassfreund

Oh well, it is located not far from Eisenach in Franconia between Nuremberg and Eisenach.

David Boder

Well, what happened to you afterwards?

Jürgen Bassfreund

I was transferred from that school. I was already in the sixth grade and we moved to Berlin and I started to attend a trade school.

David Boder

A Jewish school?

Jürgen Bassfreund

A Jewish trade school.

David Boder

Who maintained such a school?

Jürgen Bassfreund

This trade school was supported by the Jewish community of Berlin. Since I always was interested in photography I took at the same time a course in photography which was also operated by the Jewish community in Berlin. In 1941 I was forcibly taken from school and was compelled to work in a factory. That was already the military labor service into which the Jews also were taken. I was assigned to a factory where I was working at shells and my mother was also working there, punching shells. In those times one could not escape work. It was compulsory and if one would try to avoid it, it was considered sabotage and one was consequently arrested, or, as it happened to many, one just disappeared.

David Boder

Now tell me then what happened to your sister? Was she too working at the factory?

Jürgen Bassfreund

No. Fortunately my sister managed to get over to England in 1939. That was arranged by my mother and wrote to England to a children's hospital and my sister was accepted as a baby nurse. My sister is two years older than I.

David Boder

And she is now in England?

Jürgen Bassfreund

Yes, my sister is still in England?

David Boder

And where is your mother?[long pause]

Jürgen Bassfreund

My mother apparently is not alive any more. On the 27th of February, 1943 we were all at once taken away from work. I worked at that time on the railroad and the Hitler guard packed us into a truck and we were all driven to a distribution camp.

David Boder

We will come to that later. From what year did you and your mother work in a factory?

Jürgen Bassfreund

That started in 1941.

David Boder

So in 1941 you and your mother started working in the factory. Did they pay for the work?

Jürgen Bassfreund

Yes, a little. The women were getting forty pfennigs an hour and IâI was still considered a juvenileâgot something like forty-three or forty-four pfennigs an hour.

David Boder

And you lived at home?

Jürgen Bassfreund

I still lived at home.

David Boder

You had an apartment. How big was your apartment?

Jürgen Bassfreund

We had an apartment of three rooms. Three rooms and a kitchen. The situation became more and more acute and it started with the order to wear the Jewish star. It became dangerous to walk on the streets. Nazi agents, Gestapo agents would arrest Jews on the streets. For instance, I had a friend who worked with me. His father was arrested one evening. It was said that an attempt was made on a Nazi installation and these JewsâI think there were five hundred of them, as far as I can rememberâwere all shot in the SS armory in Lichterfelde. And the relatives of these people were forcibly dragged away. They called it that time "evacuation." Only later we get to know what that really meant.

David Boder

Didn't you know the truth at that time?

Jürgen Bassfreund

No. And I have the impression that even the Jewish Community Council did not know because, even later when I was arrested, they supplied us with soap and pieces of clothing, since we were taken from work and we had nothing with us except the things on our body. And so the Jewish Community Council supplied us with some things and I think that if they had known where we were going they, of course, wouldn't have done that for us.

David Boder

Well, possibly. Well, let's not discuss it . . . But as you say, the Jewish Community Council knewâwell, they supplied you with a few things. Well, why were you picked up and taken away from your work?

Jürgen Bassfreund

Oh, that time they took everybody and it was a great "action." In Berlin nearly all Jews were at once arrested. Some forty Jews who worked nearby in the station were taken. We just didn't know what all at once what happened to us. All at once we were surrounded by the Elite Guard. We were trampled and kicked, loaded into trucks.

David Boder

And where were you sent then?

Jürgen Bassfreund

We were taken to a distribution camp which was just a building of the Jewish community. There they had mattresses and we had to spend there under guard three-four days. And again came the trucks, and again the guard took us to a far-outlying railroad depot. We were moved into railroad cars. The cars were locked and we were forewarned that if any one person should escape from the car the whole carload would be shot.

David Boder

Now, wait a moment. Did your mother know you were arrested?

Jürgen Bassfreund

NoâI don't know. I myself don't know whether my mother was arrested.

David Boder

I am asking whether your mother knew at the time that you were arrested.

David Boder

No, because since that time I haven't seen my mother any more.

David Boder

So from that time you haven't seen your mother any more?

Jürgen Bassfreund

No.

David Boder

No let's see. Where were you sent from this outlying railroad station? What was the name of that station?

Jürgen Bassfreund

This was the freight station on Butlitz street and that time mostly Russian prisoners were shipped through that station. It was a railroad station on the far outskirts of Berlin located across the street from a big Thyssen war plant.

David Boder

Well. And how many people were loaded into one railroad car?

Jürgen Bassfreund

At that time we were about fifty people to a car. Women, men and children all together. The doors were locked. We left at about five o'clock in the afternoon and next evening about half past ten we arrived in Auschwitz.

David Boder

Did they feed you?

Jürgen Bassfreund

Well, the Jewish Community Council had supplied us with bread and a container of water.

David Boder

So the Jewish community knew that you were sent away?

Jürgen Bassfreund

Of course the Jewish Community Council knew.

David Boder

Why is that so "of course"?

Jürgen Bassfreund

Yes, they knew that when we were put on trains we were going to be sent away. They only didn't know where we were being sent to.

David Boder

And so the Jewish Community supplied you with food. What did they give you?

Jürgen Bassfreund

Well, they gave us that time six slices of bread with margarine and cheese.

David Boder

That was all. What did you drink?

Jürgen Bassfreund

In each car they placed a can with water. A large vessel, and the cars were locked.

David Boder

What kind of cars were they?

Jürgen Bassfreund

The usual cars for transport.

David Boder

They were freight cars?

Jürgen Bassfreund

Yes, freight cars.

David Boder

Did you have a toilet?

Jürgen Bassfreund

No, we had no toilet and during the day it became a very acute problem, because due to the excitement many people had to use the toilet but there wasn't any. We had a kind of a dish pan in the car and it was very uncomfortable and the air became bad.

David Boder

And there were women and children and men altogether.

Jürgen Bassfreund

Women and children and men altogether.

David Boder

You say there were fifty of you at the railroad station, at work. Were all the people in the car arrested there?

Jürgen Bassfreund

No, by that time there were all kinds of people in the railroad cars. The men were compelled to give the addresses of their wives because they presumably had to know where they were going and then the women were fetched from the homes by the police. And now I have forgotten something that I consider very important. Before being sent away we had to sign affidavits that we have to leave Germany on account of our disloyalty and hostility to Germany.

David Boder

And that you had to sign?

Jürgen Bassfreund

That we had to sign.

David Boder

Your mother worked with you at the factory.

Jürgen Bassfreund

Yes, but afterwards I was sent to the railroad.

David Boder

Oh, you were sent to work on the railroad.

Jürgen Bassfreund

Yes, I was sent to the railroad and my mother remained working in the factory.

David Boder

And that is why your mother was not taken from the factory when you were taken.

Jürgen Bassfreund

Still there was an "action" on that day and all working Jews were taken away. I think that happened all over Berlin.

David Boder

And so you arrived in Auschwitz? Well, what happened there?

Jürgen Bassfreund

In Auschwitz we were disembarked from the cars.

David Boder

The whole train?

Jürgen Bassfreund

The whole train. We were a thousand people.

David Boder

Well, how do you happen to know the number?

Jürgen Bassfreund

Well, there was such a rumor, and moreover seeing the number of people standing before each car one can estimate that there were a thousand people.

David Boder

Go on.

Jürgen Bassfreund

And we were driven out of the cars by SS men who in addition to their firearms were armed with walking sticks and they just started clubbing us and the women were compelled to go over to one side and the men to the other side and we were separated. There were screams and wails which were terrible to listen to and which one cannot describe. I shall never forget those screams.

David Boder

Why did they start screaming? Were these women the wives of the men?

Jürgen Bassfreund

Oh, certainly. There were many couples, and then it was so that the men had the children in their arms and the women were compelled to take the children from the men. In the crowd and in the dark they were unable to find their wives, and that is why the screams were so terrible, and possibly the people had a premonition of what is going to happen to them. Well, I was among the men and an SS man asked me whether I was in good health, and I replied "yes," so he told me that I must go to the "other" side. And on the other side there stood old and feeble men and mostly women and children and all kind of elderly people. Much later we learned that these women and elderly people were taken to be gassed. It also appeared strange to me.

David Boder

Did you go over to the other side?

Jürgen Bassfreund

I went to the right side. I couldn't understand what it all meant. I looked around and I saw the turrets all manned by guards, SS guards with machine guns and at a distance I saw great fires. I didn't know what that was. Only later I learned that these were crematories of Auschwitz and all these masses of people were gassed and burned.

David Boder

So you were put on the "other" side as a weak person?

Jürgen Bassfreund

No, I was assigned to the side where the workers were located.

David Boder

But the SS man said you were not strong enough.

Jürgen Bassfreund

No, he asked me whether I was in good health. I said "yes" and then I had to go to the right side where the ones fit for work were lined up. And then we were loaded on big trucks and taken to Buna. You see Buna is an auxiliary concentration camp of Auschwitz and is located about seven kilometers away from Auschwitz. At that time the I. G. Farben planned to install there a factory of synthetic rubber and gasoline, and we were assigned to this work. First of all, that night when we arrived we were again beaten and then we had to stand there until five in the morning.

David Boder

Why were you beaten?

Jürgen Bassfreund

Why? Most people didn't know why. There was a so-called trusty who was one of the first prisoners of the lager. He was a professional criminal.

David Boder

Was that a Jew?

Jürgen Bassfreund

No, that was not a Jew. And he beat the people indiscriminately. For example, I still remember that the father of one of my friends was pushed by him towards an open stove and he burned a big hole into his legs.

David Boder

Was that a hot stove?

Jürgen Bassfreund

Yes.

David Boder

In what month was that?

Jürgen Bassfreund

That was in February. Then we were led to the bathing room. There we had to bathe with ice cold water and they cut our hair. That was done by prisoners.

David Boder

How did they cut your hair?

Jürgen Bassfreund

With a shearing machine, very short.

David Boder

From the whole body?

Jürgen Bassfreund

From the whole body. We were submitted to what they called a delousing process. They cut our hair, we were rubbed with kerosene, we had to take a cold shower, we had to walk naked across the yard, and take another cold shower and again we went naked across the yard and then we were given a damp shirt that came just from the laundry. It was all wet, and we were given the prisoner's coat and pants and pull-over [he uses the English term].

David Boder

Was it a warm one?

Jürgen Bassfreund

That differed. Some of them were thin, some were heavy. That depended on how lucky a fellow was.

David Boder

Were the things new?

Jürgen Bassfreund

No, the things were all worn and they were taken from the previous transport as was customary in general in Auschwitz. The things belonged to those who were taken to the gas chambers and the like. You see we had to leave all our things at the station.

David Boder

And the things the Community Council had given you?

Jürgen Bassfreund

Oh yes, we had to leave them too at the station. Nobody was permitted to take anything with him. There were people who were not sent away by surprise, who were found at home. They were permitted to take with them their things, but of course they never saw their things again because the things were all taken away and if somebody would try to take something with him he was beaten in addition, and it was advisable to run away from the things as soon as possible before an SS man could notice anything.

David Boder

Did you have any money with you?

Jürgen Bassfreund

Yes, I had some money with me. Of course, it wasn't much. I had fifty marks. I also had a ring on my finger and that was taken off immediately by an SS man. And so when I was sent to the lager we had to register. We were tattooed with the Auschwitz numbers. I was given the number 106,377.

David Boder

Now let me read that, there is a one, zero,

Jürgen Bassfreund

106,377.

David Boder

77, and what does that triangle mean?

Jürgen Bassfreund

The triangle was added later and that means a Jew.

David Boder

How much later?

Jürgen Bassfreund

That was done three months after I arrived to the lager. It possibly was done for precaution, or they wanted to be sure who was a Jew and who wasn't a Jew, because the Polish prisoners and the foreign workers were also tattooed and so they wanted to mark the Jews distinctly.

David Boder

So the Polish and foreign workers were also tattooed?

Jürgen Bassfreund

And so were we, and later we were marked with the triangle to know that we were Jews. And then we were sent to work, already the next morning. Many attempted to commit suicide. They would run out of the formation and would be shot. Their number was then written on their stomach with an indelible pencil and later these people were picked up by a truck.

David Boder

What were they writing on their stomachs?

Jürgen Bassfreund

The same number that they had on their arms, with an indelible pencil, and then the people were loaded on trucks and transported to the crematories. I was assigned to a gang that was in charge of carrying cement. We had to work without stopping even if somebody's pants would slide down and of course the pants were not fitting well. In most cases people had pants that were too big for them. Others had pants that were too tight for them. We couldn't pull up our pants and there was always a capo who would beat us with an iron rod as soon as one would make an attempt to rest or to interrupt the work. And at twelve o'clock noon we were given a soup, water with some kind of leaves in it, I don't know what it was. It appeared impossible to eat and we had to eat the soup standing up. Barely had we eaten our soup, and the "dinner hour" was over, because it was a big crew. There were about eight hundred people and we had to proceed with our work.

David Boder

And in what year was that?

Jürgen Bassfreund

It was in 1943, in February.

David Boder

And where did you go from Auschwitz?

Jürgen Bassfreund

At first I was in the auxiliary lager [Buna] and in June I was transferred to the main Auschwitz lager.

David Boder

In 1943.

Jürgen Bassfreund

Yes, in June, 1943, I was transferred to the main lager of Auschwitz. And in this main lager of Auschwitz one was near to everything. One knew what was going on, while in the auxiliary lager we knew nothing. We knew that people were taken away in trucks. We were told they were taken to other lagers. But nobody knew exactly what was happening to them. Only later in Auschwitz I learned how these things were proceeding. For instance, people were sick. They were in the sick-barracks. Their names were taken down supposedly because they were to be given more bread, on account of their poor state of health. That was not so. The next day they would be loaded on trucks and taken to the gas chambers. There they were gassed and the next day the clothing that these people were wearing was already back in the laundry. It was in this manner that I recognized the clothes of one of my colleagues who came with me from Berlin. His number was marked on the clothes.

David Boder

So where did you go from Buna?

Jürgen Bassfreund

From Buna I came to Auschwitz, the main lager. We were transferred that time by truck. We were seven people altogether, and we were taken for the simple reason that they asserted I was too weak. We came into the so-called sick people's building and we were told that we should try to get out of there as quick as possible so that we should not get into the gas chambers, because fortnightly transports were taken from Auschwitz. Sometimes even oftener.

David Boder

What did they tell you to do?

Jürgen Bassfreund

I was told [he doesn't say whether by prisoners or by guards] that I should report as soon as possible for work in order to escape being gassed. I acted accordingly. I immediately reported that I feel well again and that I want to return to work. And on the strength of that report they released me from the sick-barracks and I was assigned to a carpenter shop. This carpentry shop was located between Auschwitz and Birkenau. And Birkenau was the camp where the crematories were located. In the beginning we worked nights and soon my friends and I would climb up at twelve at night into the upper story of the carpenter shop and from there we could see how the fires were burning, since the crematories were not of sufficient capacity . . . [spool ends in mid-sentence]

David Boder

[In English] Munich, September the 20th, 1946 in a transient camp of UNRRA in the Funkenkaserne. We continue with the interview of JÃrgen Bassfreund, which we started on Spool 137, interrupted by the songs of the Mennonites, and now from . . . and now from eighteen minutes of Spool 138 we begin again.

David Boder

[In German] And so, JÃrgen, at first you have been doing construction work. Is that so? And then you were transferred to a fishery. [He apparently made the remark about the fishery while the spools were being changed.]

Jürgen Bassfreund

Yes.

David Boder

For some time you were weak and then you were afraid that on account of this weakness you may be killed; and so you returned to work.

Jürgen Bassfreund

Yes.

David Boder

Go ahead.

Jürgen Bassfreund

And so in September, 1942, around the time when Italy capitulated, and the Fascist system had broken down, the anger of the Nazis became very great and immediately they assembled a large transport to be gassed, and to this transport I also was assigned. But I extricated myself by a trick. The transport had to leave after the daily appellâwhich usually occurred in the eveningâthat is after work when a count was taken daily to see whether some people had disappeared, have gone astray or have run away. And when these reportsâas they were called in the concentration campâwere transmitted to the "ObersturmfÃhrer", the commander of the lager, I simply marched off to work instead of the gas killing for which I was assigned.

David Boder

At night?

Jürgen Bassfreund

Yes, I worked at night in the fishery; they had a day shift and a night shift.

David Boder

But to what were you assigned? What were you told you were assigned for?

Jürgen Bassfreund

Well, they told me that a transport is being formed for weak people to go to another lager where there is lighter work. But that was incorrect. At my bunkâwe had three-level-high bunksâat my bunk there was a cross mark made with chalkâthat this bedâwell, meaning that I am occupying this bed, and that I am being assigned for this transport. I saved myself by going that night to work. When I returned next morning to the lager this whole transport was already gas-killed [vergast] and their clothing was already back for the laundry according to custom. In this way I had saved my life because otherwise I too would have been on this transport.

David Boder

Did the people at work know that you did not belong there anymore?

Jürgen Bassfreund

Of course, it was known, but I did it in collusion with the capo.

David Boder

You mean the capo knew about it?

Jürgen Bassfreund

Yes, the capo knew about it, and Iâ

David Boder

Was the capo a Jew?

Jürgen Bassfreund

No, the capo was not a Jew. The capo was a German. He even was a professional criminal [BVer] But at times he showed some very good traits. And . . .

David Boder

Did you give him something for it?

Jürgen Bassfreund

No, I gave him nothing. I couldn't give him anything because I was not in a position to do soâbecause I always belonged to the lower strata in the lagerâbecause there were in the lager, exactly like outside, also different strata. Here were the capos and the block elders who had everything in abundance, you see? Because they did chicanery and betrayed us to the SS as it happened in many cases. And then there were the others, the block clerks, who were with them "under the same blanket," and they, of course, had a good life. And then there was a stratum of workers to which we belonged who in effect lived only from what was given to them, which was that piece of breadâthose two slices of dry bread and the soup. That was allâ

David Boder

Go ahead.

Jürgen Bassfreund

Now I want to tell you how afterwards, when the armies of the Russians were already approaching, we were transported from Auschwitz to Dachau, and that is interesting because this was the greatest torture of all we had undergone in the lager. We were accustomed to a lot, but this was the worst and probably most of the people have lost their lives.

David Boder

From Auschwitz to Dachau?

Jürgen Bassfreund

From Auschwitz to Dachau.

David Boder

Will you please tell us about this trip in all the details?

Jürgen Bassfreund

Yes, I will narrate it with all the details. And so, on the 18th of January . . .

David Boder

What year?

Jürgen Bassfreund

1945. We saw already the flare bombs going off at the front. You see the front was not far from us. You see Cracow was within sixty kilometers from us and rumors trickled through that the Russians were already in Cracow. Now, all at once, we were all put to transport. In the morning a transport had left already. We still had to work during the day, and we returned in the evening to the lager. We were the last ones to go to transport. It was very cold that day. We were given some food to take with us and then sent on the march. We first marched through the night, for hours.

David Boder

That was in January?

Jürgen Bassfreund

Yes. And arrived in Pless. En route many, many people were shot who could not keep up. Those who stopped, everyone who would fall on the road, was shot, no difference whether it was a man or a woman. You see, we left after the women, and we overtook them, and we saw en route many dead bodies of women lying on the ground. We marched at night and we had to rest during the day, so that the people should not see us being led through, and evenings when it was dark we marched on again.

David Boder

That was in January?

Jürgen Bassfreund

Yes, it was in January. It snowed; it was very cold. It was a real snowstorm; one couldn't keep his eyes open.

David Boder

What kind of clothing did you wear?

Jürgen Bassfreund

We had nothing else but our usual clothes. Many had very bad shoes. You see it was this way. Those who left first were able to pick out better things but we who went with the last transport, got only things that were left over. That is, we could take them. There was no more order in the lager. The SS was in retreat. Everything was being evacuated. The stables of the SS, the precious saddle horses, all were en route already, and we marched through Pless and arrived in a small town in Silesia called Loslau and there we were "wagonized" [put into railroad cars] We departed to Gross-Rosen. That was also a well-known concentration camp, in which there were very many professional criminals. And there we remained.

David Boder

Near what city is Gross-Rosen?

Jürgen Bassfreund

Gross-Rosen is apparently near Breslau. I don't know exactly but it is somewhere in that district, and we got into that lager. We were shoved into barracks. There was an immense crowd of people. One couldn't sleep nights. We were simply all sitting up and leaning against each other, and when one just barely moved or made an attempt to walk around, there appeared immediately a BVer with a big club and began to strike indiscriminately into the crowd. It was terrible. And then the second day we were told that a transport is getting ready. I quickly volunteered for it because I thought that it can't be worse than in this lager. We were getting very little food, a very thin watery soup, and even the customary turnips were often missing, and a piece of bread. Then we were sent away. It leaked out that this transport was going to Dachau. We stepped forward, we were given a plate of soup, and accompanied by SS we were sent to the station and were loaded into wagons. They were in part gondolas, in part closed cars. We thought that the closed cars were better, but later it resulted that we were worse off . . .

David Boder

[In English] Alright, continue.

Jürgen Bassfreund

[In German] We were standing at the cars and soon the SS drove us into the cars, 120 people into each car. It was just impossibleâ

David Boder

You, yourself, were in a closed car?

Jürgen Bassfreund

Yes, in a closed car. The doors were shut. We had no food with us, and now we tried to sit down. When eighty people sat down the others had no place where to stand, and there were many people who were very tired. It was not possible otherwise; one stood "over" another. We trampled on other people's fingers, and these people, of course, resisted and were striking at others, and so a panic ensued. It was so terrible that people went crazy during the trip and soon we had the first death among us. And we didn't know where to put the deadâon the floor they were taking up spaceâbecause they had to lie stretched out. And there it occurred to usâwe had a blanket with us, so we wrapped the dead man into the blanket, and there were two iron bars in the car and so we tied him on above us.

David Boder

Like a hammock?

Jürgen Bassfreund

Yes, like in a hammock. But soon we understood that that won't do because we had more and more dead due to the heat in the car, and the bodies began to smell. And that is how we were travelling. There were the German troop transports retreating from the front because the front was receding, and they had to retreat further. All the tracks were blocked and we had to stand for days to let the troop transports through first, and at night one could not see a thing. And one was beaten and trampled. In my case it was so that my trousers, my prisoner's trousers, were torn longwise and I couldn't wear my trousers any more. And I remained in my underpants. And so without any nourishment, without a drop of water, and there was snow outside, the SS gave us nothing. And weâthere was a mass of insane and dead people in the car and after continuous travelling for five days we arrived in Regensburg. And it was already night and the SS opened the doors and said if we throw out the dead bodies we shall get some food. And so I myself, together with a friend, removed twenty-five dead bodies from this car and laid them outside in the snow, you see? And then we were given a piece of bread and a little beaker of soup. The Red Cross had there their feeding point so we had to line up before the cars and each was given some, car after car.

David Boder

Where did you get the beakers from?

Jürgen Bassfreund

The beakersâthey were supplied by the Red Cross. They were such paper beakers that were given to us. And after we had eaten it . . .

David Boder

Oh, was that the German Red Cross?

Jürgen Bassfreund

Yes, that was the German Red Cross. After we have consumed it, we had to get back into the cars and so I was in my underpants and in the snow. I had no more socks on, and I don't know what the people there may have thoughtâthose sisters [nurses] but at any rate we traveled on.

David Boder

Couldn't you get yourself another pair of pants?

Jürgen Bassfreund

No, that was impossible unless I would have taken them from a dead man. But one was so exhausted from the long trip, if one hasn't eaten anything for five days and nights. I have been standing all the way during this trip and I saved my life only because I had fastened to the car a piece of rope and held on tight. It was indeed utterly impossible. For instance, a friend of mine who withstood all these years in Auschwitz, went insane during the trip and attempted to attack us with a knife and four of us, even five, had to hold him, otherwise he would have killed somebody. It was decidedly a panic. We always were afraid of the night because at night we couldn't see when one approached the other. The whole car was in a tumult, and we heard later when we arrived in Dachau that in the open cars it was the same. At least there they had air, but part of the people froze [to death]. And when we arrived in Dachau there were more dead bodies than survivors. It were the younger people who withstood it. In Dachau itself I was altogether three weeks. I still want to tell you that in Dachau raged at my time the great epidemic of spotted typhus, and entire barracks were dying out. In the morning the dead were put on hay-carts, one with the head on this side, the other with the feet on this sideâloaded on the hay wagons and driven for cremation. I don't know today, myself, how the epidemic of spotted typhus had spared us, because around our barracks, in front and on the sides there were barracks with spotted typhusâit was terrible. Most of the people have tried to wash themselves as often as possible during the day to escape this epidemic because there were swarms of lice at that time in Dachau. And three weeks later, after we marched past the commandant of the lager of Dachau, he made the selection, who goes to transport and who remains in the block of invalids. And I myself chose to go to transport.

David Boder

And what was this transport?

Jürgen Bassfreund

The transport went to a lager called MÃhldorf. MÃhldorf is a locality near Rosenheim. It is seventy-eight kilometers from Munich in upper Bavaria. When we arrived in MÃhldorf we saw a lager of the kind we have not seen in Auschwitz. It really was not a lager at all. There were only round paper tentsâthe so-called Finnish tents. And most of the blocks lay half underground. Water was available at this lager only every four or five days. We were guarded by SS and at work by the Organization Tot [Death]. These were . . .

David Boder

The Organization Tot? Who were they?

Jürgen Bassfreund

Yes. They were men in brown uniforms with swastika arm bands and did as much chicanery as the SS. There was not difference.

David Boder

And what kind of work were you doing there?

Jürgen Bassfreund

There we had to carry cement. There was some construction going onâthey intended to build an airport. At this airport the work was proceeding in three shifts. And the people receivedâafter the Russians had occupied large districts of Germanyâlike upper Silesia and othersânaturally there came about another reduction in rations. We were then given only one loaf of bread for eight people and that was of course very little. We were given one slice of bread a day per person.

David Boder

Where was that bread baked?

Jürgen Bassfreund

The bread was baked in MÃhldorf, in part by bakers and I believe there was also a bakery in the lager. And I remember that during an air attack this bread depot was set afire and for four days we didn't get any bread at all, just three or four boiled potatoes. I still remember that. And the conditions in MÃhldorf were catastrophic. People were covered with lice. We received no underwear to change. The people who arrived at the lager from as far as Warsaw did not receive for months fresh underwear. There were no towels. If one wanted to wash himself he had to dry himself with his only shirt. And it was very difficult to keep clean because in the lugging of cement one would get completely white, and it was very difficult to endure, since water was available only once in four or five days. Typhus began to rage on a large scale, and I was also struck.

David Boder

Was it spotted typhus or intestinal typhus?

Jürgen Bassfreund

Spotted typhus, from lice, from those clothes lice. And I was lying for four or five days with spotted typhus. We were lying there two in one bedâwe had no undershirts. We were lying naked in the bedsâit was very cold at that time but we knew already that the end will come soon, because daily we saw numerous American planes and one did not hear anymore the shooting of the Germans. The defense was not active anymore. And with longing we were expecting daily, the advent of liberation. And the 2nd of May we could hear already the shooting. Some people were telling that the SS had gone, but I myself was unable to know it because I was lying in fever. At any rate I know that on the 2nd of May, all at once in the morning, the first American entered the lager.

David Boder

In what lager was it?

Jürgen Bassfreund

In MÃhldorf. MÃhldorf at Ampfing. And two hours after we were loaded into automobiles of the Red Cross and transported to Ampfing; that is a little place next to this lager. We were placed in the houses of the Organization Tot and were well taken care of.

David Boder

Right next to the lager?

Jürgen Bassfreund

And we were given food and it was very good . . . [ends abruptly]

David Boder

[In English] With exception of a half a sentence, this record is completeâwe simply let this spool overrun that time in the Funkenkaserne. Eh, one has to check up whether the next spool has the ending of itâthere is a previous spool that has JÃrgen Bassfreund's story. Whether we have gone over to another one, I will have to check. This final remark was made December the 13, 1946 at my home, while analyzing the records. December 13, 1946. It's a remark made in Chicago, not in Munich.

Herman Barnett

Spool 29â . . . Spool 139, recording starts in about one minute. Spool 139, recording starts in about one minute. This is Hermann Barnett.

David Boder

Spool 139, continuation of Spool 138 and 137. We have JÃrgen Bassfreund continuing his report. Munich, September the 20th, 1946. Rather late in the evening at the camp for displaced people . . . managed by the UNRRA.

David Boder

[In German] And so you contracted typhus and after liberation you were removed by the Red Cross to another hospital.

Jürgen Bassfreund

And there we were very well taken care of. The Americans cared for us very, very well. The medical treatment was excellent. We were given blood transfusions. I weighed at the time I was liberated from the camp sixty-four pounds [could he mean sixty-four kilograms?]. We were given glucose injections and vitamin tablets. They cared for us very well. We got very good food. And fourteen days after getting up, I suffered a relapse and had to go to bed again. But now it was an entirely different story. While in the lager we didn't receive any medicine or any means for prevention of disease, here spotted typhus was treated altogether differently. We were given tablets, we were examined by the physician three, four times a day, our temperature was being measured, and so it was no wonder that we soon recuperated, and I may say in general that, of the people who were liberated by the Americans only a few died afterwards. There were, of course, some special cases. There were people so weak that no help could do them any good, but as a rule most of us got well and after about three months in this hospital we were discharged.

David Boder

Would you please give me a more detailed description of the hospital conditions in the lager before liberation. You had typhus.

Jürgen Bassfreund

Yes.

David Boder

Describe the room in which you were lying and so on.

Jürgen Bassfreund

We were lying in a round tent, and in this tent the beds were mounted in three levels one over the other. We were lying two in each bed. And it was very unpleasant. For example, if one would die he could not be removed before twenty-four hours had elapsed because the block trusty wanted, of course, to get the bread ration and the soup which was allotted to this person, and for this reason the dead person would be reported dead only twenty-four hours later so that his ration would still be allotted. And so we had to lie all that time in bed together with the dead person.

David Boder

You said we. Did that really happen to you personally?

Jürgen Bassfreund

Yes. That happened once to me personally, when I had to lie in bed a whole day with a dead Frenchman. And he died that time from intestinal typhus, from diarrhea, and I had to lie with him a whole day.

David Boder

And on what level was your bunk?

Jürgen Bassfreund

We were on the middle level. And that was a very gruesome situation. Especially at night. First of all the dead men were badly emaciated and they look terrible. In most cases they would soil themselves at the moment of death and that was not a very aesthetic event. I saw such cases very frequently in the lager, in the sick-barracks. People who died from phlegmonous, suppurative wounds, with their beds ever-flowing with pus, lying together with somebody whose illness was possibly more benign, who had possibly just a small wound, and would now become infected. And that was the situation in the lager. And sometimes a physician would happen to make a round in the morning. He would come without any drugs or instruments. With plain scissors large suppurative wounds would be opened and with the same scissors without previously cleaning them he would attend another patient who had possibly just a small wound. Bandages were almost non-existent. The bandages were of paper and they would last a maximum of an hour. There were no tablets at all at the end.

David Boder

To what kind of tablets are you referring?

Jürgen Bassfreund

Remedies against fever such as aspirin and the like. We did not have such things at all and the more we were surrounded [by the Allied troops] the more catastrophical the situation became. At the end things became totally disorganized in the lager. The conditions became so catastrophic that we were not given any more food. The SS got busy with their getaway, trying to escape before the Americans arrived. A special German police was put on the watch towers and then the stores of supplies were looted by the prisoners.

David Boder

You mean when the Germans departed?

Jürgen Bassfreund

Yes, when the SS departed, while the Americans had not yet arrived.

David Boder

What did you do with the loot?

Jürgen Bassfreund

Well, they ate it. People were completely famished and a piece of bread was a great delicacy. These famished people could loot something from the remaining stores, but we the sick were unable to get up and we got nothing.

David Boder

Now tell me, how long did that interim situation last?

Jürgen Bassfreund

From the time that the SS departed until the arrival of the Americans? I couldn't tell you that exactly because I was lying sick with fever. According to my estimates it must have been a day or two.

David Boder

Did a physician remain with you?

Jürgen Bassfreund

Yes, there were some Jewish doctors, so called doctors-prisoners. They remained there. The Nazis intended to drag away "on transport" all those who were able to walk at all so that they should not fall into American hands. I recently met here at the Funkenkaserne a friend who was there with me. He told me that they went through an awful lot. They were embarked into trains and the SS told them they may run away because the Americans were already near, and while they were running they started to shoot them in the back and they were again rounded up, again embarked in railroad cars and driven away for some distance. Then the SS fled and the Americans didn't know who were on the train and there was still a dive bomber attack that cost the lives of a large number of prisoners and from all I heard it was a catastrophic event. At first it was ordered that the sick be shot, but then the lager commander got scared, because at this "late" hour he was afraid to comply with the order, and we simply remained lying there.

David Boder

And so after the relapse you remained in the American hospital for about three months, and what happened then?

Jürgen Bassfreund

After three months we had to leave that lager. We came to Munich and from Munich we tried to get home. We provided ourselves with passports from the military government. For instance I formerly lived in Berlin, and I wanted to return to Berlin to see whether my parents, whether my mother was still alive, but I finally refrained from doing so because it was very complicated and the means of communication were bad. So I remained in Bavaria.

David Boder

Now tell me, what do you know about your mother?

Jürgen Bassfreund

I really know nothing about my mother. I know that she did not return from the concentration camp.

David Boder

Do you know that she was sent away?

Jürgen Bassfreund

Yes. That I know.

David Boder

Who told you that?

Jürgen Bassfreund

That was told to me by a Jewish girl who had a Christian mother who was also in the distribution lager and has seen my mother, and then was liberated because her mother was a Christian and she was not considered full Jewish, which saved her from deportation.

David Boder

Did you try to write to Berlin or to contact any organizations?

Jürgen Bassfreund

Yes, of course, I contacted the Jewish community in Berlin since the present director of the Community Council was a former prisoner, who was together with me in the lager. Then I was informed that my mother neither has arrived there nor was she in any way registered there and one would have to assume that she is not alive anymore; because I am pretty sure that if my mother would have been alive she would not have left a stone unturned to find me. At least my sister in England would have received some word from her.

David Boder

Do you correspond with your sister.

Jürgen Bassfreund

Yes. I correspond with my sister, and my sister has written to meâof course at the beginning she did not know my address. It took a long time before we found each other.

David Boder

Did you know the address of you sister?

Jürgen Bassfreund

Yes, I knew her old address, but things have changed since then. My sister had entered service with the English army and was sent to London and my letters which I sent to Newcastle came back undelivered. Subsequently, I made the acquaintance of an American soldier who had relatives in Newcastle and he re-established our contact. He found out that my sister wasn't there any more, that she was in London. Then I found my sister in London.

David Boder

Have you seen her?

Jürgen Bassfreund

No. I had no chance to see her.

David Boder

You were unable to go to London?

Jürgen Bassfreund

No, I could not go.

David Boder

And you are leaving now without having seen your sister?

Jürgen Bassfreund

I am going now to America and my sister has written to me that it is better for me to go to America because as she writes, things are very hard for her in spite that she has become a British citizen; and the conditions of immigration are not good, and it is harder to get into England than into the United States.

David Boder

And so, you made contact with your sister. Tell me now, where were you since your discharge from the hospital until you arrived here in the UNRRA distribution camp.

Jürgen Bassfreund

I left immediately for FÃrth. In FÃrth I had an aunt who was a teacher and I hoped she still might be alive. But then I was informed by eye-witnesses that she was shot in Riga.

David Boder

In Riga? How did she get to Riga?

Jürgen Bassfreund

My aunt was sent to Riga already in 1941. It was one of these deportation transports and shortly after in Riga the people were shot, mostly elderly people and the like and my aunt was among them. That I was told. And so I did not find my aunt. I was eager to remain in the American zone of occupation and so I remained in FÃrth. Through the efforts of the Jewish community I was given a room, and from there I wrote to my relatives in America and picked up again my contacts. And I was fortunate to receive an affidavit from my uncle, and am able to stay here at the Funkenkaserne while waiting for the opportunity to embark. I decided that it may be the right thing to learn something while waiting because during these years of constant change one had to chance to apply himself to anything, and I took a job as an operator in a motion picture house.

David Boder

What kind of motion picture house?

Jürgen Bassfreund

A motion picture house for civilians that belonged to a Jew who was also in a concentration camp.

David Boder

Where was that?

Jürgen Bassfreund

In FÃrth, and there I learned the job. I thought of course that it is better if one is able to do something so he should not have to depend on his relatives, so that he be able to support himself if only in a modest way.

David Boder

Now tell me, how did you find your relatives. Did you know their addresses?

Jürgen Bassfreund

No, of course they escaped my memory, but my sister has written to me from England and then I wrote myself. My sister also gave me the address of an old friend of hers who already in 1936 or 1937 emigrated to the United States and who was now employed in Frankfurt in the information control division, and her sister who also was here in the army of occupation went to my relatives, and described my situation.

David Boder

You mean upon their return to America?

Jürgen Bassfreund

Yes. And she apparently took some necessary steps. At any rate, shortly after her arrival [in the U.S.] I received word from Frankfurt through the HIAS [Hebrew Immigrant Aid Society, a Jewish-American immigrant aid service] that an affidavit has arrived for me, and four or five weeks later I was called to the Funkenkaserne.

David Boder

Who summoned you to the Funkenkaserne?

Jürgen Bassfreund

The UNRRA headquarters.

David Boder

The UNRRA headquarters, so they got word that you are able to go to America?

Jürgen Bassfreund

Yes. It happened this way. I went through an examination of the CICâthe Counter-Intelligence-Corps. And one is being examined and one has to fill out a questionnaire whether one is not politically objectionable; after these formalities referring to immigration the papers are sent to the Consulate and the Consul notifies the Funkenkaserne, to summon the person to this camp.

David Boder

They called you from FÃrth. How far is FÃrth from here?

Jürgen Bassfreund

Well, I couldn't tell you exactly in kilometers, but by train it is about three hours.

David Boder

And who took care of your travel expenses? From FÃrth to Munich?

Jürgen Bassfreund

Well, that I paid for myself from the money I earned in the motion picture house.

David Boder

And you have an uncle in Atlanta. What is he doing there?

Jürgen Bassfreund

My uncle is a florist. He has a garden and a flower shop.

David Boder

And you are going directly to him?

Jürgen Bassfreund

Yes. Well, I first want to visit my cousin in New York.

David Boder

What is he doing there?

Jürgen Bassfreund

My cousin works for the Jewish telegraph agency and he is about ten years with them; and it is of course obvious that passing through New York I should visit him.

David Boder

Do you know already some English?

Jürgen Bassfreund

Yes. I learned a bit during this time. We had courses. There were some Americans who were greatly interested in us.

David Boder

Where?

Jürgen Bassfreund

In FÃrth there was among others a teacher who worked at the courthouse in Nuremberg. You see FÃrth is a suburb of Nuremberg and he would manage to find time in the evening to teach us English and we diligently studied there. So far I don't know very much but at any rate I know the fundamentals and that is much better than . . .

David Boder

Did you have any contact after your liberation with real Germans?

Jürgen Bassfreund

Yes. I had contacts with Christians and I must tell you that these people have almost no understanding for our situation. When you tell some people that you are coming from a concentration camp they say, "Well my relatives were killed by bombs and that is just as bad." And then there are others who say that they didn't know what was going on in the concentration camps and if they would have known they couldn't say anything anyway, because they would have been afraid that they themselves could be taken to concentration camps. There are quite divergent viewpoints. I must tell you, however, that one hears but very rarely an admission on part of the Germans that these things were wrong.

David Boder

As far as you understand it, what do the Germans expect in the future? How do the Germans appraise the whole situation?

Jürgen Bassfreund

That is hard to tell. The Germans believe that the Americans will build them up again. For instance I have heard quite often the opinion: "Well, you are a Jew; you are going now to America; see to it that the Jews from America should come here and revive our trade." And these are their naive and childish views. At least a large part of them think so. And they cannot understand that Germany now doesn't mean anything to us in spite of the fact that we are born there. It is clear that in a country where one has been deprived of everythingâfirst of his parents, a loss that is of course irreparable, if one has lost them, one cannot have any sentiment for such a country.

David Boder

Now tell me to the best of your knowledge: did some German Jews return, did some German Jews return and take up residence and resumed doing business here or have taken up their trade?

Jürgen Bassfreund

I can tell you that there are only very, very few who resumed their trade or for example have opened up again their motion picture houses. The percentage of such people is very small. And most of them with whom I have talked say they are doing it only temporarily. Only in order to be able to support themselves here and they are trying to get away from here as soon as possible.

David Boder

Now tell me, for example, the man in whose picture house you were working, where was he during the war?

Jürgen Bassfreund

He too was in a concentration camp.

David Boder

And who had that movie house during that time?

Jürgen Bassfreund

The theater belonged to a former Nazi and it was taken away from him. Because that man was for such a long time in a concentration camp he was given this movie house by the American military government and by the communication service.

David Boder

You mean they returned it to him.

Jürgen Bassfreund

No, it did not belong to him before. He lived before in Breslau. He subsequently came to Bavaria and here they gave him this movie house.

David Boder

Then it was not his theater.

Jürgen Bassfreund

No, it was not his theater.

David Boder

Then how come they gave it to him?

Jürgen Bassfreund

That I really don't know.

David Boder

Then this motion picture house wasn't taken away from him at one time.

Jürgen Bassfreund

No.

David Boder

They simply gave him this motion picture house so that he will be able to make a living?

Jürgen Bassfreund

They gave theaters not only to Jews. They gave some to the Gentiles too. There was in FÃrth for instance a lady who lived for a number of years in America and she worked for a time as an interpreter with the military government and she too got a motion picture house, at least as a trustee as they call it.

David Boder

As a manager?

Jürgen Bassfreund

Yes.

David Boder

Is she an American woman or a German?

Jürgen Bassfreund

No, she is a German woman.

David Boder

And how do other people get their businesses back? Have some professional people started to practice? Some lawyers, physicians?

Jürgen Bassfreund

Well, as far as I know the situation I wouldn't be able to name you a single one. It is possible that there are some in Munich but in our city it was not the case.

David Boder

Did the Jewish community come back into existence? For instance did they open the synagogues?

Jürgen Bassfreund

Oh, yes. In FÃrth they reopened the synagogue and the American chaplains were especially instrumental in this activity. The rabbis of the American army have contributed a lot through gifts of money. They did not spare any effort to make it possible that Hebrew books came back again, also the Torah scrolls were again placed in the synagogues.

David Boder

Well, you are now almost an American.

Jürgen Bassfreund

Unfortunately, not altogether yet.

David Boder

Well, you soon will be across. Let me give you some good advice. Don't let anybody tell you that education is expensive in America. There are expensive schools and average priced schools and there are free schools. There are courses by correspondence. Young people study, older people study, and you will find a way. It might be good for you, upon arrival in America, after having taken a rest, after having looked around a bit, that you go to a place where they give vocational advice.

Jürgen Bassfreund

Yes.

David Boder

Psychological and occupational advice. And they may find something for you to do that you may learn without difficulty. There are such places, and the ORT is also active in America and your relatives probably will assist you, and if you work hard and get accustomed to the life there, things will be all right. And so I thank you indeed, JÃrgen. I suppose you will arrive in America before I shall return. I will give you my address. Drop me a line sometimes, telling me how you have managed to arrange things for yourself.

Jürgen Bassfreund

I wish to thank you first of all for giving me the opportunity to talk about my experiences in the lager so that people should get a picture of that which has really happened. What I have told you are only isolated incidents, and I can tell it with a clean conscience that nothing is exaggerated. On the contrary one cannot describe these things the way it really happened.

David Boder

[In English] This concludes the interview with JÃrgen Bassfreund, which starts on Spool 137, was interrupted somehow, and completes here twenty minutes of Spool 139. Munich, the 20th of September 1946âin late in the evening at the displaced persons camp, where about counted five thousand people are . . . live as transients and are expecting transportation to a list of countries that covers practically the whole geography. Hm, only tonight, coming in I saw a group of people waiting at the gate, kind of a group of inter-departmental football, where a organization knowing that the camp is totally overfilled and that there is a menace of possible "revolt" of the . . . â"revolt" in quotation marks of courseâof the inhabitants. New crowds are coming in, the so-called infiltrees; people are now running away from Poland or from other zones coming to the blessed American zone. An Illinois Institute of Technology wire recording.

David Boder

Chicago, November 1st, 1949. This is a duplicated spool for the Library of the Public Health Service. The spool is cut here because it concludes the study of JÃrgen Bassfreund, and begins the new interview with Captain Zeplit, which we shall rewind on a new spool, number 9-139B. David P. Boder.