David P. Boder Interviews Adam Krakowski; July 30, 1946; Paris, France

  • David Boder: [In English] This is the record of Adam Krakowski taken at the Schools of the ORT in Paris, July 30, 1946. There is some interference. A typewriter is knocking in the other room and noise comes from the streets of Paris, but we do not have studio facilities and we will have to make the best of it, at least considering the conditions are the natural ones.
  • David Boder: [In German] Hm, hm, wie alt sind Sie, Mr. Krakowski?
  • Adam Krakowski: Ein und zwanzig Jahr.
  • David Boder: Sie sind ein und zwanzig (21) Jahr und Sie sind geboren in Lodz?
  • Adam Krakowski: In Lodz.
  • David Boder: Sagen Sie mal, was waren Ihre Eltern?
  • Adam Krakowski: Mein Vater hat gearbeitet im Geschäft von Textilwaren.
  • David Boder: Er hat gearbeitet in einem Geschäft, er hat nicht ein eigenes Geschäft gehabt?
  • Adam Krakowski: Nein.
  • David Boder: Nein. Und haben Sie Brüder und Schwestern?
  • Adam Krakowski: Yes. Ich hab in Paris noch einen Bruder.
  • David Boder: Sie haben in Paris noch einen Bruder.
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: Ist er mit Ihnen von Polen gekommen?
  • Adam Krakowski: Nein, er war . . . er ist schon zwanzig (20) Jahre in Frankreich.
  • David Boder: Er war schon zwanzig Jahre in Frankreich.
  • Adam Krakowski: Die Familie in Polen ist . . . sind alle tot.
  • David Boder: Wieso wissen Sie das?
  • Adam Krakowski: Sie waren im Lager . . .
  • David Boder: Hm.
  • Adam Krakowski: . . . im Vernichtungslager.
  • David Boder: Vernichtungslager . . . was ist das?
  • Adam Krakowski: Hm, Krematorium . . . Gaskammern.
  • David Boder: Aha. Wo waren diese Lager?
  • Adam Krakowski: In Polen . . . in Belzec.
  • David Boder: Wo?
  • Adam Krakowski: In Belzec.
  • David Boder: Belzec.
  • Adam Krakowski: Ja, bei Lublin.
  • David Boder: Bei Lublin.
  • Adam Krakowski: [unverständlich; murmelt] und Eltern weg, da hab ich einen Bruder gehabt . . .
  • David Boder: Ja.
  • Adam Krakowski: . . . eine Schwester noch.
  • David Boder: Also gut . . . wollen Sie mir erzählen an was Sie sich erinnern von dem Tag, wie die Deutschen sind nach Polen gekommen. Gehen Sie und erzählen Sie uns so viel als Sie können, sprechen Sie bitte wie Sie können. Bitte weiter.
  • Adam Krakowski: Für die ersten paar Monate bin ich noch in die Schule gegangen . . . im Jahr neun und dreißig (39).
  • David Boder: Wann sind die Polen . . . wann sind die Deutschen nach Lodz gekommen?
  • Adam Krakowski: Im September neun und dreißig (39).
  • David Boder: Ja, haben Sie gewusst, dass die Deutschen werden kommen?
  • Adam Krakowski: Nein, als die polnische Armee zusammenbrach, da habe ich das gewusst. Aber da war es schon zu spät. . . .
  • David Boder: Aha.
  • Adam Krakowski: . . . um weg zu laufen.
  • David Boder: Ja! Sind da viele Leute weg gelaufen?
  • Adam Krakowski: Nein, nicht viele. Erst später sind viele Leute nach Russland gelaufen.
  • David Boder: Aha, alright, so die Deutschen sind gekommen, also erzählen Sie weiter, was ist dann passiert?
  • Adam Krakowski: Für ein paar Monate bin ich noch zur Schule gegangen und dann hat man alle Juden von Lodz raus. Eine Gruppe von SS Offizieren ist gekommen, sie haben uns genommen zum Lager, zum provisorischen Lager und darauf dann ausgesiedelt zum Janowska Lager in Galizien.
  • David Boder: Sagen Sie, haben Sie gekannt in Lodz einen Dr. Falk?
  • Adam Krakowski: Falk?
  • David Boder: Ja, Ludwig Falk.
  • Adam Krakowski: Nein.
  • David Boder: Sie haben ihn nicht gekannt. Alright. Gehen Sie weiter. Also was meinen Sie, man hat sie ausgesiedelt?
  • Adam Krakowski: Man hat uns nur einen Rucksack nehmen lassen und man hat uns geschickt in eine andere Stadt, weil Lodz war im Dritten Reich und Lodz war [unverständlich; murmelt] . . .
  • David Boder: Was?
  • Adam Krakowski: Ein Teil von Polen haben die Deutschen angegliedert als ein Teil von Deutschland . . .
  • David Boder: Ja.
  • Adam Krakowski: . . . als ein Teil von Deutschland und der Rest war General Gouvernement.
  • David Boder: Ja und wo hat man die Juden hin geschickt?
  • Adam Krakowski: Einen Teil von die Juden hat man geschickt in verschiedene Städte im General Gouvernement—nicht alle.
  • David Boder: Aha, nun?
  • Adam Krakowski: Und der Rest ist geblieben in Lodz im Ghetto.
  • David Boder: Aha. Wie haben sie das Ghetto dort arrangiert? Wie hat man das da gemacht das Ghetto . . .
  • Adam Krakowski: Man hat die schlimmste Gegend von der Stadt genommen und man hat dort zusammen gedrückt alle Juden. Das waren so ungefähr hundert vierzig tausend (140000) Mann in einem ganz kleinen Viertel.
  • David Boder: Und wer hat dort bevor gewohnt in diesem Viertel?
  • Adam Krakowski: Verschiedene Leute. Da hat man die Arier ausgesiedelt und die Juden dort alle zusammen gedrängt.
  • David Boder: Und die Polen hat man die auch genannt Arier?
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: Ja. Und was habe die Polen getan?
  • Adam Krakowski: Die hat man umgesiedelt in die jüdischen Wohnungen in der Stadt—außerhalb vom Ghetto.
  • David Boder: Ja. Waren die Polen . . . die Polen freundlich zu die Juden?
  • Adam Krakowski: [lacht etwas] Nicht so.
  • David Boder: Nicht so freundlich.
  • Adam Krakowski: Nicht so freundlich.
  • David Boder: Also gut. Nun wo sind Sie hin gegangen dann?
  • Adam Krakowski: Nach [Name unverständlich; klingt wie Mosrande].
  • David Boder: Wohin?
  • Adam Krakowski: Nach [Name unverständlich; klingt wie Mosrande] in Galizien
  • David Boder: Nach Neustadt in Galizien—alright, Sie sind dort hingekommen und was hat dann passiert?
  • Adam Krakowski: Dann war ich dort in der Stadt, hm, vier (4) Monate.
  • David Boder: Aha.
  • Adam Krakowski: Und so nachher bin ich in ein Lager gegangen und die Eltern sind dort geblieben in der Stadt.
  • David Boder: Wo? In?
  • Adam Krakowski: In Neu [Rest unverständlich].
  • David Boder: In Neu [Rest unverständlich].
  • Adam Krakowski: Und ich bin in ein Arbeitslager gegangen arbeiten.
  • David Boder: Ja, und was haben Sie die vier (4) Monate in Neu [Rest unverständlich] getan?
  • Adam Krakowski: Zuerst habe ich gearbeitet so frei . . . die ersten paar Monate.
  • David Boder: Für wen?
  • Adam Krakowski: Für sich.
  • David Boder: Ich meine, was haben Sie getan?
  • Adam Krakowski: Ich habe, zum Beispiel, Kindern gelernt . . .
  • David Boder: Ja?
  • Adam Krakowski: Privat Unterricht.
  • David Boder: Sie haben privat unterrichtet die Kinder?
  • Adam Krakowski: Unterrichtet.
  • David Boder: Jüdische Kinder?
  • Adam Krakowski: Jüdische Kinder.
  • David Boder: Ja, was haben Sie denen gelehrt?
  • Adam Krakowski: Normal. Es waren keine Schulen für Juden.
  • David Boder: Hm.
  • Adam Krakowski: Normalerweise . . . was auch immer.
  • David Boder: Und wie haben die Leute bezahlt?
  • Adam Krakowski: Nicht gut, aber doch—es war genug.
  • David Boder: Von wo haben sie das Geld genommen zu bezahlen?
  • Adam Krakowski: Jeder hat gehabt von vorher, von vor dem Krieg.
  • David Boder: Hm, so Sie haben unterrichtet da. Nun gut. Und dann sind sie nach ein Arbeitslager gegangen?
  • Adam Krakowski: In ein Arbeitslager.
  • David Boder: Warum? Hat man Sie gezwungen zu gehen?
  • Adam Krakowski: Ja, alle jungen Leute sind darauf gegangen.
  • David Boder: Alright. Nun erzählen Sie mir . . .
  • Adam Krakowski: Ich war siebzehn (17) Jahre alt.
  • David Boder: Was? Sie waren damals siebzehn Jahre alt. So, erzählen Sie weiter, nun?
  • Adam Krakowski: Dort war ich zwei (2) Jahre in dem Lager.
  • David Boder: Hm.
  • Adam Krakowski: Dann war eine Aussiedlung von der Stadt und es sind alle Leute ausgesiedelt worden in ein Vernichtungslager.
  • David Boder: Nun erzählen Sie mir etwas mehr über diese zwei (2) Jahre in dem Lager. Wie hat man dort gelebt und was hat man dort getan?
  • Adam Krakowski: Es gibt nicht viel zu erzählen.
  • David Boder: Erzählen Sie mir alles was Sie können.
  • Adam Krakowski: Arbeit und noch einmal Arbeit.
  • David Boder: Ja, was haben Sie gearbeitet?
  • Adam Krakowski: Straßenbau zu der Zeit.
  • David Boder: Straßenbau?
  • Adam Krakowski: Straßenbau.
  • David Boder: Warum haben die die Strassen gebaut?
  • Adam Krakowski: Die haben die Strassen gebraucht, das war eine große . . . hm, Wasser . . . Wasserkraftwerk.
  • David Boder: Ja.
  • Adam Krakowski: In Roznov.
  • David Boder: Ja.
  • Adam Krakowski: Sie haben dort eine extra breite Strasse gebraucht.
  • David Boder: Hm, das war in welcher Stadt?
  • Adam Krakowski: In Roznov?
  • David Boder: Roznov. In welchem Bezirk war das? Was das in Polen?
  • Adam Krakowski: Roznov—nicht weit von Krakau.
  • David Boder: Nicht weit von Krakau. Nun gut, erzählen Sie mir dann. Also wie haben Sie gelebt im Lager? Wo haben Sie gelebt, wo haben Sie geschlafen?
  • Adam Krakowski: Wir haben geschlafen in Baracken. Da waren, da waren keine Fenster sogar in den Baracken, bloß eine Tür . . .
  • David Boder: Ja.
  • Adam Krakowski: . . . und eine ganze Reihe von Betten.
  • David Boder: Aha. Und wer hat die Baracken gebaut?
  • Adam Krakowski: Auch die selben Juden.
  • David Boder: Also, sagen Sie—eine Reihe von Betten? Und war waren das für Betten?
  • Adam Krakowski: Hölzerne Betten und darauf Stroh.
  • David Boder: Ein Bett für jede Person?
  • Adam Krakowski: Nein, es war eine ganze Reihe für zwanzig (20), dreißig (30) Personen.
  • David Boder: Also es war nicht ein Bett, es war eine . . .
  • Adam Krakowski: Pritsche.
  • David Boder: Oh, eine Pritsche. Und so, weiter erzählen, alright. Und wie viele Leute haben auf solch einer Pritsche geschlafen?
  • Adam Krakowski: Zwanzig (20), dreißig (30)—es war verschieden, manche waren kleiner, manche grösser.
  • David Boder: Und wie nahe zu einander haben Sie geschlafen?
  • Adam Krakowski: Oh, sehr nah—einen Meter vielleicht.
  • David Boder: Ein Meter zwischen den . . .
  • Adam Krakowski: Nein, jeder Einer hat einen Meter breit gehabt.
  • David Boder: Einen Meter breit?
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: Aha. Und wie hat man die Leute aus einander gehalten? Wie hat man sich gefühlt? Wie hat man . . .
  • Adam Krakowski: Es war sehr schmutzig dort und Ungeziefer und . . .
  • David Boder: Ungeziefer. Was für ein Ungeziefer?
  • Adam Krakowski: Flöhe, Läuse waren damals noch keine.
  • David Boder: Wieso?
  • Adam Krakowski: Noch . . .
  • David Boder: Hat man Gelegenheit gehabt sich zu waschen?
  • Adam Krakowski: Nicht viel. Da war ein Brunnen für das ganze Lager—für acht hundert (800) Mann.
  • David Boder: Waren dort Wanzen?
  • Adam Krakowski: Nein, Wanzen nicht, nein.
  • David Boder: Nein, also hauptsächlich Flöhe.
  • Adam Krakowski: Flöhe
  • David Boder: Alright. Nun und wo hat man sich, wo hat man da geschlafen und am Morgen—wenn ist man aufgestanden?
  • Adam Krakowski: Um vier (4) Uhr morgens ist man aufgestanden, da war ein Appell, 2 Stunden.
  • David Boder: Wie hat man das auf deutsch auch genannt Appell?
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: Appell. Und?
  • Adam Krakowski: Und dann um sieben (7), halb acht (8) . . .
  • David Boder: Also was war der Appell? Was haben Sie als Erstes gemacht nach dem Appell?
  • Adam Krakowski: Man hat uns auf Autos verladen und wir sind zur Arbeit gegangen.
  • David Boder: Nicht so schnell. Warten Sie ein Moment. Haben Sie sich angekleidet?
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: Haben Sie sich gewaschen?
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: Alright. Hat man Sie abgezählt?
  • Adam Krakowski: Ja und dann zur Arbeit geschickt.
  • David Boder: Haben Sie kein Frühstück bekommen?
  • Adam Krakowski: Nein, wir haben abends bloß Brot bekommen und das war schon genug für Frühstück auch.
  • David Boder: Hm. Alright. Also dann hat man Sie . . . erzählen Sie . . . man hat sie auf . . .
  • Adam Krakowski: Auf den Bau geführt.
  • David Boder: Hm.
  • Adam Krakowski: Und dann haben wir bis zwölf (12) Uhr gearbeitet.
  • David Boder: Ja.
  • Adam Krakowski: Um zwölf (12) Uhr war Mittags, das haben sie auch gebracht von dem Lager auf dem Auto. Wir haben auf dem Bau gegessen.
  • David Boder: Aha.
  • Adam Krakowski: und dann . . .
  • David Boder: Wieder gearbeitet . . .
  • Adam Krakowski: wieder gearbeitet bis sieben (7) Uhr.
  • David Boder: Alright, nun sagen Sie mir das. Man hat Ihnen das Mittagessen gebracht. Was hat man Ihnen gegeben?
  • Adam Krakowski: Es war so eine . . . eingedickte Suppe.
  • David Boder: Hat jeder eine separate Schüssel gehabt?
  • Adam Krakowski: Ja. Jeder hat eine Schüssel bekommen und einen Löffel und darauf hat er . . . gegessen.
  • David Boder: Und hat davon gegessen. Nun, alright, und dann hat man gearbeitet bis . . . ?
  • Adam Krakowski: Bis sieben (7) Uhr.
  • David Boder: Bis sieben (7) Uhr und dazwischen von zwölf (12) bis sieben (7) Uhr . . . haben Sie was zu essen bekommen?
  • Adam Krakowski: Nein, nichts.
  • David Boder: Alright und was hat man getan um sieben (70?
  • Adam Krakowski: Um sieben (7) Uhr zurück ins Lager, noch einmal ein Appell.
  • David Boder: Ja.
  • Adam Krakowski: Wurden gezählt und Nachtmahl bekommen.
  • David Boder: Was hat man Ihnen gegeben zum Nachtmahl?
  • Adam Krakowski: Hm, Brot, also ein Achtel Teil von einem Bot. Acht waren ein Brot.
  • David Boder: Und wieviel hat das Bot gewiegt?
  • Adam Krakowski: Ich . . . ich glaub ein Kilo und ein halb.
  • David Boder: Aha.
  • Adam Krakowski: Tausend fünf hundert (1500)Gramm.
  • David Boder: Ein tausend fünf hundert (1500)Gramm . . . so hat jeder 200 Gramm Brot bekommen und was noch?
  • Adam Krakowski: Na, zwei (2), drei (3) Mal in der Woche da war drauf ein bisschen Margarine.
  • David Boder: Oh. Und dann ist man was . . . zu Bett gegangen?
  • Adam Krakowski: Zu Bett gegangen, ja.
  • David Boder: Haben Sie etwas gehabt zu lesen?
  • Adam Krakowski: Ach, das war unmöglich. Es war kein Licht in den Baracken.
  • David Boder: Was?
  • Adam Krakowski: Es war kein Licht in den Baracken.
  • David Boder: Es war kein Licht in den Baracken. Haben Sie die Möglichkeit gehabt sich hin zu setzen, zu reden mit den Anderen?
  • Adam Krakowski: Nein, bloß liegen. Es waren zweistöckige Pritschen.
  • David Boder: Oh, konnte man sprechen zu einander?
  • Adam Krakowski: Sprechen, ja, hat man.
  • David Boder: Hat man Ihnen erlaubt zu singen?
  • Adam Krakowski: Nein, das hat man nicht erlaubt; Ruhe musste herrschen.
  • David Boder: Ruhe musste herrschen. Haben Sie Sonntag frei gehabt?
  • Adam Krakowski: Bis Mittag haben wir am Sonntag gearbeitet.
  • David Boder: Sonntag hat man gearbeitet bis Mittag?
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: Alright. Was hat man nachmittags gemacht>
  • Adam Krakowski: Nun es war frei. Jeder konnte sich waschen, die Wäsche gewaschen.
  • David Boder: Haben Sie Seife gehabt?
  • Adam Krakowski: Nein, das habe ich von zu Hause noch bekommen.
  • David Boder: Was meinen Sie „von zu Hause“? Hat man es Ihnen geschickt?
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: Hat man . . . haben sie erlaubt ihnen zu schicken?
  • Adam Krakowski: Es war nicht erlaubt, aber es war doch . . . es war so.
  • David Boder: Haben sie etwas Geld Ihnen bezahlt?
  • Adam Krakowski: Nein, kein Geld.
  • David Boder: Kein Geld. So, was haben die Leute getan, die rauchen wollten?
  • Adam Krakowski: Die, was von zu Hause bekommen haben, die haben geraucht. Und die was nichts bekommen haben, die haben nicht geraucht.
  • David Boder: Nun, sagen Sie mir, wie hat man dort die Post bekommen? Hat man jeden Tag die Briefe verteilt?
  • Adam Krakowski: Nein, es war keine Post dort.
  • David Boder: Ja.
  • Adam Krakowski: Wir dürfen keine Briefe bekommen und wir dürfen keine Briefe schreiben.
  • David Boder: So, wie hat man was von zu Hause bekommen?
  • Adam Krakowski: Man hat jemanden geschickt, ein Pole meistens, der hat es gebracht.
  • David Boder: Wo hat man solch einen Polen getroffen?
  • Adam Krakowski: In der Stadt.
  • David Boder: Wann sind Sie zur Stadt gegangen?
  • Adam Krakowski: Meine Eltern, zum Beispiel, die haben so einen Polen getroffen und sie haben ihn geschickt.
  • David Boder: Aha. Und dann . . . hat er die Möglichkeit gehabt Sie zu sehen?
  • Adam Krakowski: Ja, auf die Bau.
  • David Boder: Oh, auf dem Bau, auf der Strasse.
  • Adam Krakowski: Auf dem Bau.
  • David Boder: Auf dem Bau, dort haben Sie es bekommen. Nun und wi waren die Deutschen mit Ihnen, die auf Sie aufpassten?
  • Adam Krakowski: Die waren verschieden.
  • David Boder: Ja. Waren das gute Leute?
  • Adam Krakowski: Ein Paar doch, aber nicht Viele.
  • David Boder: Es waren Anständige dabei.
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: Und wer hat den Bau übersehen? Ingenieure oder wer?
  • Adam Krakowski: Ja, da waren deutsche Ingenieure auch.
  • David Boder: Hat man jüdische Aufseher dort gehabt?
  • Adam Krakowski: Nein, es gab keine jüdischen Aufseher. Es war nachher jüdische Selbstverwaltung in dem Lager, aber keine Aufseher, bloß die Essenverteilung, die Küche war jüdisch.
  • David Boder: Das war eine Selbstverwaltung. Nun erzählen Sie mir weiter.
  • Adam Krakowski: Nun war die Aussiedlung von der Stadt, das war im August zwei und vierzig (42). Da hat man alle Leute in Transport . . . das heißt man hat einen Transport gemacht und alle Leute ins Vernichtungslager geschickt; und bis heute . . .
  • David Boder: Hat man Ihnen gesagt, dass man sie geschickt hat in ein Vernichtungslager?
  • Adam Krakowski: Nein, wir haben das nachher erst erfahren.
  • David Boder: Ja.
  • Adam Krakowski: Von den Polen, was haben es uns erzählt.
  • David Boder: Aha. Wohin hat man sie geschickt?
  • Adam Krakowski: Nach Belzec.
  • David Boder: Nach Belsen?
  • Adam Krakowski: Belzec
  • David Boder: Belzec, wo ist das?
  • Adam Krakowski: Ich glaube, es ist hundert siebzig (170) Kilometer von Lublin, zwischen Lublin und Lemberg.
  • David Boder: Ja, in dem Lager, wo Sie waren, wo Sie gearbeitet haben, waren dort Frauen?
  • Adam Krakowski: Nein.
  • David Boder: Nur Männer?
  • Adam Krakowski: Nur Männer.
  • David Boder: Alright. Und dann sind Sie nach Belzec gekommen?
  • Adam Krakowski: Nein, wir nicht. Das waren die Transporte von der Stadt und die Leute, was im Lager waren, sind . . .
  • David Boder: Ja.
  • Adam Krakowski: . . . sind geblieben. Und wir sind noch dort gewesen ein paar Tage. Dann hat man uns in ein anderes Lager geschickt wieder . . . ein . . . Holz Bauplatz.
  • David Boder: Was haben Sie dort gemacht?
  • Adam Krakowski: Dort hat man Baracken gebaut. Wir haben Teile von Baracken gemacht.
  • David Boder: Ja?
  • Adam Krakowski: Aus Holzteilen.
  • David Boder: Sind Sie nicht dann in ein Vernichtungslager gegangen?
  • Adam Krakowski: Ich nicht, aber die Familie ist damals gegangen.
  • David Boder: Ha. Ach so, man hat Ihre Familie . . .
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: . . . man hat sie weg geschickt in ein Vernichtungslager.
  • Adam Krakowski: Ein Vernichtungslager.
  • David Boder: und, hm, wo war das Lager?
  • Adam Krakowski: In Belzec.
  • David Boder: In Belzec. Und wieso haben Sie gewusst, dass man sie nach Belzec geschickt hat?
  • Adam Krakowski: Wir haben es erst nachher erfahren.
  • David Boder: Wie?
  • Adam Krakowski: Die Polen haben es uns später erzählt . . .
  • David Boder: Aha.
  • Adam Krakowski: . . . wohin sind die Transport gegangen.
  • David Boder: Aha. Nun sagen Sie mir dies . . . und sie haben nichts gehört von denen?
  • Adam Krakowski: Nun das war schon alles. Erst nachher sind Leute gekommen zu uns, wie ich schon in einem anderen Lager war und es waren Leute auch, was in dem Vernichtungslager waren—in Treblinka. Ja und das sieht genau so dort aus.
  • David Boder: Ja. Und wie sind sie von Treblinka weg gekommen?
  • Adam Krakowski: Diese Leute—es war ein Außenkommando, die man . . . geschickt hat nach Treblinka zur Arbeit.
  • David Boder: Hm.
  • Adam Krakowski: Und sie sind dann gekommen nach Budzina.
  • David Boder: Ja.
  • Adam Krakowski: Ein anderes Lager. Und von Budzina sind sie nach Rzeszov gekommen—Rzeszov—noch ein . . . das war schon damals das dritte (3.) Lager.
  • David Boder: Ja. So waren Sie in dem dritten (3.) Lager?
  • Adam Krakowski: In Rzeszov [unverständlich] . . . das Lager.
  • David Boder: Wo ist das?
  • Adam Krakowski: In der Mitte zwischen Krakau und Lemberg.
  • David Boder: Aha.
  • Adam Krakowski: Und das war eine Fabrik, ein Flugmotoren Werk.
  • David Boder: Ja.
  • Adam Krakowski: Und dort war ich gerade zwei (2) Jahre.
  • David Boder: Und was haben Sie dort gearbeitet?
  • Adam Krakowski: Wir haben dort mit die Flugzeugmotoren gearbeitet. Meistens war das Hilfsarbeit.
  • David Boder: Hilfsarbeit. Ja. Und wo haben Sie gelebt? Und wo haben Sie geschlafen?
  • Adam Krakowski: In der Fabrik war ein kleines Lager. Wir waren so drei, vier hundert (3, 400) Mann.
  • David Boder: Ja.
  • Adam Krakowski: Und dort waren schon die Umstände etwas besser.
  • David Boder: Ja.
  • David Boder: Wir haben dort nur zwölf (12) Stunden gearbeitet und nachher war frei und Sonntag war auch frei.
  • David Boder: Sagen Sie mir, da waren so viele Männer dort. Haben Sie einmal Frauen gesehen oder . . .
  • Adam Krakowski: Nein, nie.
  • David Boder: Und, hm . . . wie haben die Männer gefühlt, dass sie waren weg von den Frauen?
  • Adam Krakowski: Ganz schlecht, aber . . .
  • David Boder: Hm.
  • Adam Krakowski: . . . aber es war kein Ausweg.
  • David Boder: Eh, hat es diese Form bekommen . . . alright. Nun sagen Sie mir dies . . . hm, und dort waren Sie zwei (2) Jahre?
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: Bei welchem Jahr war das?
  • Adam Krakowski: Von zwei und vierzig (42) bis vier und vierzig (44).
  • David Boder: Bis vier und vierzig (44).
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: Sommer oder Winter vier und vierzig (44)?
  • Adam Krakowski: Sommer.
  • David Boder: Also weiter.
  • Adam Krakowski: Und da sind die Russen vorgekommen und wir wurden evakuiert. Wir waren schon sehr nah bei der Front.
  • David Boder: Ja.
  • Adam Krakowski: Die Front war vierzig (40) oder (50) Kilometer vor uns.
  • David Boder: Ja.
  • Adam Krakowski: Und da haben sie uns weg geschickt in ein Lager Plaszov, bei Krakau.
  • David Boder: Ja.
  • Adam Krakowski: Dort waren zwei oder drei und zwanzig tausend (2 oder 23000) Juden/
  • David Boder: Aha.
  • Adam Krakowski: Es waren auch Frauen schon dort.
  • David Boder: Ja.
  • Adam Krakowski: Dort waren wir nur zwei (2) Tage, dann hat man uns geschickt in ein anderes Lager—Wieliczka, auch dreißig (30) Kilometer von Krakau. Da auch wieder nur ein paar Tage und dann nach Flossenberg, das erste Lager in Deutschland.
  • David Boder: Ja . . . und von dort?
  • Adam Krakowski: Dort war ich wieder drei (3) Wochen, dann bin ich nach Frankreich gekommen in ein Lager Colmar..
  • David Boder: Oh, sie haben Sie nach Frankreich geschickt.
  • Adam Krakowski: Ja und nachher noch ein anderes Lager Undis. Wir haben wieder gearbeitet in einem Tunnel—wieder Flugmotoren.
  • David Boder: Hm.
  • Adam Krakowski: In einem Tunnel unter der Erde—das war vier (4) Kilometer lang.
  • David Boder: Ja.
  • Adam Krakowski: Dort waren wir zwei (2) Monate bis die Amerikaner sind gekommen. Dann wieder evakuiert und nach Sachsenhausen geschickt.
  • David Boder: Hm.
  • Adam Krakowski: DAa waren wir drei (3) Wochen und nach Braunschweig in ein Bomben- und Granatenwerk.
  • David Boder: Ja?
  • Adam Krakowski: Das waren die Hermann Göring Werke.
  • David Boder: Ja?
  • Adam Krakowski: Stahlwerke Braunschweig. Dort war ich seit einem halben ( ½ ) Jahr, bis April vier und vierzig (44). Wenn die Amerikaner wieder vor gekommen sind, waren wir evakuiert nach Ravensbrück. Wir sind zehn (10) Tage in Wagons gesessen, wir waren hundert (100), hundert zwanzig Mann pro Wagon.
  • David Boder: Ah hm.
  • Adam Krakowski: Und dann in Ravensbrück wieder zwei Wochen. Da ist ein Delegat aus Schweden gekommen und hat uns erzählt, dass alle Juden fahren jetzt nach Schweden.
  • David Boder: Ja?
  • Adam Krakowski: Sie haben uns auf einen Zug ge . . .
  • David Boder: Gesetzt?
  • Adam Krakowski: . . . gesetzt und wir sind gefahren vier (4) oder fünf (5) Tage. Am fünften (5.) Tag hat man uns in ein anderes Lager wieder gebracht, Wöbbelin von Ludwigslust und wir kommen nicht nach Schweden. Und nach zwei Wochen sind dann schon die Amerikaner gekommen und haben uns . . .
  • David Boder: Befreit.
  • Adam Krakowski: . . . befreit.
  • David Boder: Sagen Sie mir, wenn sie so viele Leute in Vernichtungslager geschickt haben, wie erklären Sie das, dass man Sie mit die anderen Leute so viel herum gefahren hat und herum geschleppt hat?
  • Adam Krakowski: Wir haben damals für die gearbeitet. Sie haben uns nötig gehabt.
  • David Boder: Sie haben Sie nötig gehabt, ah hm. Sagen Sie mir dies, Sie sagten, Sie haben mit Leuten gesprochen, die in Vernichtungslagern gewesen sind
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: Was erzählen die Leute von dort?
  • Adam Krakowski: Es waren Lager im Wald, Treblinka, zum Beispiel.
  • David Boder: Ja.
  • Adam Krakowski: Und wenn die Transporte gekommen sind, hat man alle aussteigen lassen und zuerst in ein Bad geführt.
  • David Boder: Hm.
  • Adam Krakowski: Dann hat jeder sich ausziehen müssen und dann sein . . . sein . . . das alles legen auf die Seite. Und dann hat bekommen ein Stückchen Seife , ein Handtuch und ist in eine große Halle rein gegangen.
  • David Boder: Ja.
  • Adam Krakowski: Und dort haben sie Gas genossen . . .
  • David Boder: Hm.
  • Adam Krakowski: . . . in der Halle und wenn dann alle tot waren, hat man sie transportiert zum Krematorium und dort hat man alle verbrannt.
  • David Boder: Hm.
  • Adam Krakowski: Ich glaube ein tausend (1000) Mann hat auf einmal gehalten diese Halle und so eine Halle konnte täglich bis vierzig tausend (40000) Mann erledigen.
  • David Boder: Hm. Nun sagen Sie mir dies, Sie haben gearbeitet in, hm, einer Arbeitsgruppe. Wenn . . . wenn jemand krank war, war dort ein Doktor?
  • Adam Krakowski: Manchmal durfte man für eine Woche krank sein.
  • David Boder: Und wenn . . .
  • Adam Krakowski: Und wenn man acht (8) Tage, zum Beispiel, schon krank war, dann haben sie erschossen.
  • David Boder: Und . . .
  • Adam Krakowski: Die Gestapo wurde gerufen und er wurde gleich erschossen.
  • David Boder: Sie meinen dort im Lager?
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: Haben . . . haben die Anderen das gewusst . . .
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: . . . dass man das tut?
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: Was . . . haben sie das gesagt?
  • Adam Krakowski: Ja, das haben sie gesagt. Sieben (7) Tage darf man krank sein, aber nicht länger.
  • David Boder: Nun—so, wenn jemand Typhus gehabt hat?
  • Adam Krakowski: Damals hat man ihn gleich erschossen. Das war bis Jahre drei und vierzig (43).
  • David Boder: Bis drei und vierzig (43).
  • Adam Krakowski: Bis drei und vierzig (43), nachher schon nicht mehr.
  • David Boder: Was hat dann . . .
  • Adam Krakowski: Da haben wir schon . . . ein Revier hat es geheißen. So ein Krankenhaus, ein provisorisches Krankenhaus im Lager . . .
  • David Boder: Ja.
  • Adam Krakowski: . . . das war in einer Baracke und dort waren schon die Kranken, die sie gehalten haben.
  • David Boder: Von die Deutschen.
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: Aha.
  • Adam Krakowski: Dort waren auch deutsche Häftlinge—separat.
  • David Boder: Deutsche Häftlinge? Waren dort jüdische Ärzte?
  • Adam Krakowski: Es waren auch Jüdische da.
  • David Boder: Und, hm, Andere?
  • Adam Krakowski: Andere auch.
  • David Boder: Aha. Hm . . . und wie sind Sie nach Frankreich gekommen?
  • Adam Krakowski: Jetzt?
  • David Boder: Ja, also, die Amerikaner haben Sie befreit.
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: In welchem Lager?
  • Adam Krakowski: In Wöbbelin bei Ludwigslust. In Mecklenburg.
  • David Boder: Ja und was haben Sie dann getan? Erzählen Sie mir, was hat passiert zwischen die Deutschen, wenn die Deutschen also sind weg gegangen und die Amerikaner sind gekommen? Also haben die Deutschen schon gefühlt, dass sie schon verloren haben, also wie war das?
  • Adam Krakowski: Es war am ersten (1.) Mai fünf und vierzig (45).
  • David Boder: Ja.
  • Adam Krakowski: Da haben sie uns verladen wieder auf Wagons. Sie haben gesagt, dass die Amerikaner, hm . . . kommen und wir müssen wieder evakuiert werden.
  • David Boder: Ja.
  • Adam Krakowski: Und da sind wir gesessen vier und zwanzig (24) Stunden in den Wagons. Nachher haben sie uns aussteigen lassen. Es gibt keine Schienen mehr, haben sie gesagt. Wir müssen zu Fuß gehen.
  • David Boder: Ja.
  • Adam Krakowski: Und wie wir zurück ins Lager rein gegangen sind, sind alle SS verschwunden.
  • David Boder: Aha.
  • Adam Krakowski: Das hat vielleicht fünfzehn (15) Minuten gedauert, dann haben wir das bemerkt, dass sie in den Wald gelaufen sind. Und wir haben ihre Gewehre genommen und wir wollten die, hm . . . [unverständlich]
  • David Boder: Ja.
  • Adam Krakowski: Von der Zeit . . . und von der Zeit, wo die SS weg gelaufen ist und die Amerikaner gekommen sind, hat es vielleicht eine halbe ( ½ ) Stunde gedauert. Und es waren schon die amerikanischen Fallschirmtruppen.
  • David Boder: Die Fallschirmtruppe?
  • Adam Krakowski: Die Fallschirmtruppen, ja.
  • David Boder: Die Fallschirmtruppen. Und nun?
  • Adam Krakowski: Gleich sind sie . . . gleich sind sie im Lager gewesen. In kurzer Zeit haben wir auch andere Patrollen gesehen.
  • David Boder: Hm.
  • Adam Krakowski: Mit Motor car.
  • David Boder: Und wann haben Sie zum ersten Mal amerikanisches Essen bekommen?
  • Adam Krakowski: Oh, Essen haben wir erst später bekommen noch . . . zwei (2), drei (3) Wochen. Also wir haben schon . . . organisiert, hat das geheißen. Wir sind in das Dorf gegangen und holen es von dort weg.
  • David Boder: Was meinen Sie, Sie haben es geholt? Sie haben es weg genommen
  • Adam Krakowski: Nein, wir haben gesagt den deutschen Leuten dort, dass wir sind weg vom Lager gekommen, wir sind hungrig und sie sollen uns was geben und sie haben gegeben.
  • David Boder: Aha. Und, hm, waren da nur Juden im Lager?
  • Adam Krakowski: Nein, da waren vier tausend (4000) Leute, vielleicht acht, neun hundert (8, 900) Juden und der Rest war andere Nationen.
  • David Boder: Zum Beispiel?
  • Adam Krakowski: Da waren Franzosen, Italiener, Russen, Polen und Tschechen und Rumänier, Engländer, Dänen . . . [unverständlich; beide sprechen]
  • David Boder: . . . vielleicht von Dänemark. Wieso waren da Dänen? Waren da deutsche Juden auch?
  • Adam Krakowski: Waren auch, aber nicht viel.
  • David Boder: Und haben sich die deutschen Juden mit den polnischen Juden gut vertragen?
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: Ja.
  • Adam Krakowski: War schon Solidarität.
  • David Boder: Ja.
  • Adam Krakowski: Wir haben uns vertragen.
  • David Boder: Aha. So, hm . . . so . . . die, hm . . . erst zwei (2) oder drei (3) nachdem die Amerikaner rein gekommen sind, haben die Amerikaner angefangen Sie zu . . .
  • Adam Krakowski: Ja, zum ernähren . . .
  • David Boder: Haben die einzelnen Soldaten, die Amerikaner, Ihnen ausgeholfen irgendwie?
  • Adam Krakowski: Ja, ganz oft.
  • David Boder: Ja.
  • Adam Krakowski: Schokolade haben sie gegeben, Zigaretten, ganz oft.
  • David Boder: Aber sonst haben Sie zum Dorf gehen müssen?
  • Adam Krakowski: Ja. Aber es sind Juden gewesen zwischen den Amerikanern, die haben auch geholfen.
  • David Boder: Aha. Wie kann ein kleines Dorf oder eine kleine Stadt vier tausend (4000) Leute jeden Tag füttern?
  • Adam Krakowski: Nicht alle vier tausend (4000) waren . . . fähig zu gehen. Die Leute sind nicht gut beisammen gewesen, die konnten nicht alleine gehen.
  • David Boder: Warum nicht?
  • Adam Krakowski: Schwach, krank.
  • David Boder: Aha.
  • Adam Krakowski: So dass nur ein tausend (1000) Leute selber gehen konnten.
  • David Boder: Und, hm . . . wer hat für die Kranken gesorgt?
  • Adam Krakowski: Andere Kameraden.
  • David Boder: Aha. Hm, haben die Amerikaner wenigstens Medizin gleich gebracht?
  • Adam Krakowski: Nein, erst nachher. Nach einer (1) Woche, zwei (2) Wochen hat man sie in Krankenhäuser genommen—die alle Kranken.
  • David Boder: So, es war nicht so bald sie rein gekommen sind?
  • Adam Krakowski: Nein, nein.
  • David Boder: Was?
  • Adam Krakowski: Es sind noch viele Leute gestorben nach dem Befreiungstag.
  • David Boder: Ah hm. Nun . . . in welchem Lager war das?
  • Adam Krakowski: Ludwigslust, in der Nähe von Ludwigslust.
  • David Boder: Ludwigslust, ah hm! Und wer hat Sie nach Frankreich gebracht/
  • Adam Krakowski: Ich war nachher ein paar Monate in Polen. Und nachher habe ich die Nachricht bekommen, dass mein Bruder in Frankreich lebt.
  • David Boder: Ja.
  • Adam Krakowski: Und da bin ich weg von Polen.
  • David Boder: Wie sind sie rauf gefahren? Hat man es Ihnen erlaubt?
  • Adam Krakowski: Nein, ich bin geschmuggelt durch die Grenze.
  • David Boder: Welche Grenze haben Sie sich . . .
  • Adam Krakowski: Zwischen Stettin und Berlin.
  • David Boder: Ja, so dann sind Sie reingekommen in das russische Polen.
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: Na, hat man Sie dort nicht abgehalten?
  • Adam Krakowski: Nein. Von dort bin ich wieder in die amerikanische Zone in Berlin
  • David Boder: Ja.
  • Adam Krakowski: Und von dort war ein Transport von UNRRA.
  • David Boder: Ja.
  • Adam Krakowski: Mit Autos . . .
  • David Boder: Hm.
  • Adam Krakowski: . . . bis nach Hannover und nachher bis Frankfurt.
  • David Boder: Aha. Und UNRRA hat die Leute auch mit genommen?
  • Adam Krakowski: Ja. Die so gehen konnten.
  • David Boder: Ja.
  • David Boder: Und wie sind Sie herein gekommen, hm . . . nach . . . sagen Sie mal, Sie waren in Polen . . . Warten Sie. Die Amerikaner haben Sie befreit . . . wo?
  • Adam Krakowski: In Deutschland.
  • David Boder: Und warum sind Sie zurück nach Polen?
  • Adam Krakowski: Ich hatte gedacht, dass vielleicht noch jemand von der Familie lebt.
  • David Boder: Aha. Haben Sie gefunden jemanden am Leben?
  • Adam Krakowski: Nein.
  • David Boder: Sind Sie nach Lodz zurück gegangen?
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: Wie hat Lodz ausgesehen.
  • Adam Krakowski: Gut ist, so wie vor dem Kriege, es war nicht zerstört.
  • David Boder: Sagen Sie mir, war in Lodz eine Fabrik . . . von, hm . . . Siegmund, eine große . . . Siegman, eine amerikanische Textilfabrik?
  • Adam Krakowski: Oh, ja.
  • David Boder: Ja.
  • Adam Krakowski: Sie ist nationalisiert, jetzt.
  • David Boder: Sie ist jetzt nationalisiert, aber . . .
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: . . . was haben die Deutschen mit der Fabrik gemacht?
  • Adam Krakowski: Nichts. Sie haben produziert weiter.
  • David Boder: Ja?
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: Für die Deutschen.
  • Adam Krakowski: Für die Deutschen.
  • David Boder: Sie kennen die Fabrik? Eine große . . .
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: . . . eine große amerikanische Fabrik. Was macht sie jetzt?
  • Adam Krakowski: Es arbeitet jetzt weiter.
  • David Boder: Was wird jetzt fabriziert?
  • Adam Krakowski: Das weiß ich nicht genau.
  • David Boder: Stoffe oder . . .
  • Adam Krakowski: Das weiß ich nicht genau.
  • David Boder: Sie wissen nicht genau.
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: Hm, nun sind Sie zurück gegangen freiwillig nach Polen?
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: Nach Lodz, weil Sie wollten wissen was?
  • Adam Krakowski: Ob jemand von der Familie lebt, ob weitere Verwandte . . .
  • David Boder: Ja, nun und keiner hat gelebt in Lodz.
  • Adam Krakowski: Nein.
  • David Boder: Und was haben die Leute Ihnen erzählt?
  • Adam Krakowski: Man hat erzählt, sie waren im Ghetto—[unverständlich]—und vom Ghetto sind sie geschickt worden nach Auschwitz. Ich hab gewartet einen Monat; ich hab gedacht, dass vielleicht kommt noch . . . kehrt noch vielleicht jemand zurück, aber es ist niemand mehr gekommen.
  • David Boder: Oh, Sie haben noch gewartet?
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: Alright. Dann von Lodz . . . wohin sind Sie gegangen?
  • Adam Krakowski: Ich habe die Nachricht bekommen von Paris, dass der Bruder lebt.
  • David Boder: Wie hat man die Nachricht bekommen?
  • Adam Krakowski: Durch die Post, er hat an die alte Adresse geschrieben.
  • David Boder: Und die Post ist durch gegangen?
  • Adam Krakowski: Es hat fünf (5) Monate gedauert.
  • David Boder: Ja, und?
  • Adam Krakowski: Und ich bin heraus gefahren von Lodz. Nach sechs (6) Wochen bin ich nach Paris gekommen.
  • David Boder: Wie sind Sie heraus gefahren? Was haben Sie genommen, eine Eisenbahn?
  • Adam Krakowski: Nein, zu Fuß.
  • David Boder: Zu Fuß sind Sie gefahren?
  • Adam Krakowski: [lacht; Dr. Boder lacht auch] . . . zu Fuß [lacht] nicht gefahren.
  • David Boder: Und über die Grenze hat man? Hat man auf die Grenze aufgepasst oder was?
  • Adam Krakowski: Ja, man hat aufgepasst, aber doch . . .
  • David Boder: Wer hat auf die Grenze aufgepasst, die Polen oder . . . ?
  • Adam Krakowski: Die Polen und die Russen.
  • David Boder: Die Polen und die Russen. So sind Sie durch gekommen.
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: Wo haben Sie gegessen und was haben Sie zu essen bekommen?
  • Adam Krakowski: Ich noch etwas mit genommen . . . von Polen etwas. Und in Berlin habe ich schon vom jüdischen Kommittee Hilfe bekommen.
  • David Boder: Sie sind herein gegangen . . . direkt in die amerikanische Zone?
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: So und da war das jüdische Kommittee?
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: Wo waren die Amerikaner oder die Deutschen?
  • Adam Krakowski: Nein, jüdische . . . Juden, jüdische Amerikaner.
  • David Boder: Hm. Und diese haben Sie dann von dort wohin genommen?
  • Adam Krakowski: Sie haben mich geschickt nach Hannover in the englische Zone.
  • David Boder: Die englische Zone. Alright und von dort?
  • Adam Krakowski: Und von dort wieder in the amerikanische Zone, Frankfurt, München.
  • David Boder: Ja und dann?
  • Adam Krakowski: Und dann bin ich schon alleine gefahren weiter. Bei . . . mit dem Zug nach Saarbrücken und von Saarbrücken . . .
  • David Boder: Und wie haben Sie sich ein Billett gekauft?
  • Adam Krakowski: Ja, ich habe noch Geld gehabt mit mir.
  • David Boder: Von wo?
  • Adam Krakowski: Von Polen, da hab ich gearbeitet.
  • David Boder: Wann haben Sie gearbeitet in Polen? Nachdem Sie zurück sind?
  • Adam Krakowski: Nach der Befreiung, die paar Monate, was ich . . .
  • David Boder: Was haben Sie gearbeitet?
  • Adam Krakowski: Na, ich habe Landkarten gemacht.
  • David Boder: Sind Sie ein Zeichner?
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: Und was hat man Ihnen bezahlt?
  • Adam Krakowski: Ich hab ein paar hundert (100) Zloty am Tag verdient.
  • David Boder: Und, hm, was . . . was hat das Essen gekostet? Oder haben Sie das Essen . . .
  • Adam Krakowski: Nun es war ziemlich genug, um nicht zu [unverständlich] zu leben. [lacht]
  • David Boder: Ja [lacht etwas] und dann haben Sie schon ihr Billett gekauft . . .
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: . . . und dann sind Sie nach Paris gekommen.
  • Adam Krakowski: Von Saarbrücken und von dort gleich wieder zu Fuß gegangen über die Grenze.
  • David Boder: Ja. Haben Sie müssen sich schmuggeln über die Grenze?
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: Warum?
  • Adam Krakowski: Ich konnte doch kein Visum bekommen.
  • David Boder: Und der Onkel war doch hier.
  • Adam Krakowski: Es war unmöglich. Das musste zu lange dauern. Ich war beim französischen Konsulat in Baden-Baden und dort hat man gesagt, es dauert vielleicht ein halbes ( ½ ) Jahr, vielleicht noch länger.
  • David Boder: Der französische Konsul?
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: Nun?
  • Adam Krakowski: Und ich bin rüber gekommen.
  • David Boder: So sind Sie über die Grenze rüber?
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: Und dann . . . konnten Sie in Paris leben, nachdem Sie über die Grenze gekommen sind?
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: Ja, und mit wem leben Sie jetzt?
  • Adam Krakowski: Bei meinem Bruder, da bin ich jetzt.
  • David Boder: Ja. Sie sind mit Ihrem Bruder?
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: Und was für ein Geschäft hat Ihr Bruder?
  • Adam Krakowski: Er ist ein Doktor der Medizin.
  • David Boder: Oh, er ist ein Arzt?
  • Adam Krakowski: Arzt.
  • David Boder: Was . . . hat er schon immer hier in Frankreich gelebt?
  • Adam Krakowski: Ja. Er hat da studiert. Hat da geendigt und ist hier geblieben.
  • David Boder: Hm, aha. Und was tun Sie jetzt?
  • Adam Krakowski: Ich lerne Schnitzer und ich mache [unverständlich] weiter.
  • David Boder: Und was sind ihre Pläne für die Zukunft?
  • Adam Krakowski: Hm, ich gehe weiter auf Universität—arbeiten bei TSF Radio.
  • David Boder: Was?
  • Adam Krakowski: TSF Radio.
  • David Boder: Und . . .
  • Adam Krakowski: In französisch: telegraphie sans fil.
  • David Boder: Hm, TSF. Sie wollen . . . was wollen Sie beim Radio tun/
  • Adam Krakowski: Radiotechniker werden. Montieren.
  • David Boder: Montieren und so.
  • Adam Krakowski: Installieren.
  • David Boder: Und was wollen Sie, wollen Sie später ein Geschäft erstellen oder was?
  • Adam Krakowski: Vielleicht. Erst muss ich lernen [unverständlich] und wenn ich dann selbstständig werde und das möglich wäre, möchte ich gerne . . .
  • David Boder: Was?
  • Adam Krakowski: . . . für sich arbeiten.
  • David Boder: Aha. Wollen Sie in Frankreich bleiben?
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: Hm. Ja, das ist mehr oder weniger eine klare Geschichte. Es gibt manche Kleinigkeiten, die, wir . . . die wir gerade nicht so gewusst haben. Ich wundere mich hier, ob Sie tun würden mir einen kleinen Gefallen? Sagen Sie mal, an was erinnert Sie das . . . dieses Bild? Was würden Sie denken von diesem Bild? Was für Erinnerungen, hm, ruft es heraus in Sie? Wenn Sie eine Geschichte machen sollten von diesem Bild, was würden Sie sagen, ist es?
  • Adam Krakowski: Ein Kind . . .
  • David Boder: Ja.
  • Adam Krakowski: . . . vielleicht in Künstler, der spielt auch Violine . . .
  • David Boder: Ja? Hm.
  • Adam Krakowski: Sieht ganz jung aus.
  • David Boder: Ah hm. Und was ist dieses Bild?
  • Adam Krakowski: Eine Frau . . . schaut leidend aus.
  • David Boder: Und was würden Sie von Ihrem Erlebnissen der letzten fünf (5) Jahre sagen, ist mit dieser Frau passiert?
  • Adam Krakowski: Sie hat viel durch gemacht, sie hat viel durch gemacht diese Frau, ja. Man sieht ihr Gesicht.
  • David Boder: Und was für eine Geschichte präsentiert dieses Bild?
  • Adam Krakowski: Einen Toten, so ein Muselmann.
  • David Boder: Was?
  • Adam Krakowski: Das ist ein Muselmann, ein Kranker.
  • David Boder: Ein Kranker?
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: Was ist ein Muselmann?
  • Adam Krakowski: Ein Muselmann ist ein Mann, der schon so schwach ist, dass er kann alleine nicht gehen.
  • David Boder: Von wo kommt das Wort?
  • Adam Krakowski: Und das sagen auch die Deutschen, die dieses Wort haben gegeben.
  • David Boder: Was ist das Wort?
  • Adam Krakowski: Muselmann.
  • David Boder: Wir wird das geschrieben? M-U-S . . .
  • Adam Krakowski: S-E-L-M-A-N.
  • David Boder: Und das meint was?
  • Adam Krakowski: Das sind meistens schwache Leute, die schon nicht mehr gehen können. Kranke Leute.
  • David Boder: Hm, und was ist das?
  • Adam Krakowski: [pause] Freiheit.
  • David Boder: Hm, und was ist dies?
  • Adam Krakowski: Arbeit.
  • David Boder: Erzählen Sie mir.
  • Adam Krakowski: Das ist unsere Zukunft.
  • David Boder: Aha. Nun was denken Sie von der Zukunft? Denken Sie, werden wir wieder Krieg haben?
  • Adam Krakowski: Ich glaube, ich geh nicht mehr in ein Lager.
  • David Boder: Was?
  • Adam Krakowski: Ich gehe nicht mehr in ein Lager rein.
  • David Boder: Was denn würden Sie tun?
  • Adam Krakowski: Alles, nur nicht das.
  • David Boder: Ja, es war doch von Ihnen nicht ab . . . es hängt doch von Ihnen nicht ab nach einem Lager zu gehen.
  • Adam Krakowski: Jetzt hängt es von mir ab.
  • David Boder: Was werden Sie denn tun?
  • Adam Krakowski: Alles, nur nicht wieder in ein Lager rein gehen.
  • David Boder: Zum Beispiel?
  • Adam Krakowski: Soldat werden.
  • David Boder: Hm. Kämpfen.
  • Adam Krakowski: Alright.
  • David Boder: [unverständlich] sein. Hätten Sie ein Soldat sein können? Wie alt waren Sie wie alles begonnen hat?
  • Adam Krakowski: Fünfzehn (15) Jahre.
  • David Boder: Fünfzehn (15) und Sie sind jetzt?
  • Adam Krakowski: Ein und zwanzig (21).
  • David Boder: [In English] Hm, this concludes the record, by . . . taken from a young man—Adam Krakowski. He lives now in Paris
  • David Boder: [In German] Ist Ihr Bruder’s Name auch Krakowski?
  • Adam Krakowski: Ja.
  • David Boder: [In English] His brother is a long time practicing physician here in this city. He is studying radio at the ORT and plans later to become a radio technician . . . radio man. He does not plan to leave the country. He neither thinks of going anywhere; he neither thinks of going to the United States nor Palestine, nor any other place. He is apparently hoping to get settled here.
  • Contributors to this text:
  • Transcription : Dagmar Platt
  • English Translation : David P. Boder
  • Footnotes : Elliot Lefkovitz